Boll möchte bessere Nachwuchsarbeit im Tischtennis - Bildquelle: AFP/ GETTY SID/TIM WARNERBoll möchte bessere Nachwuchsarbeit im Tischtennis © AFP/ GETTY SID/TIM WARNER

Köln (SID) - Tischtennis-Star Timo Boll (Düsseldorf) sieht für seinen Sport in Deutschland auf unterschiedlichen Ebenen noch reichlich Verbesserungspotenzial. Im Podcast "Einfach mal luppen" des früheren Fußball-Weltmeisters Toni Kroos forderte der Rekordeuropameister mehr Engagement der Bundesliga-Vereine sowohl für die allgemeine Professionalisierung als auch die Nachwuchsarbeit.

"Wir können im Tischtennis nur unsere kleinen Hausaufgaben machen, damit es medial passabel, modern und schick und nicht nach Sporthallenmief aussieht. Aber in der Bundesliga müssten die Vereine noch professionellere Strukturen bei allen Klubs aufbauen und nicht nur bei drei oder vier", meinte Boll.

Auch bei der Talentsuche bestehe "noch Luft nach oben", wie der 41-Jährige erklärte: "Bei uns gibt es noch keine Pflicht für die Vereine, Jugendmannschaften zu führen oder Internate zu betreiben. Talentförderung läuft bei uns überwiegend über den Deutschen Tischtennis-Bund, da könnte von Vereinen noch mehr kommen. Da sind wir noch zu amateurhaft. Aber die Vereine haben erstmal zu kämpfen, ihre normale Liga-Mannschaft professionell aufzubauen."

In dem Zusammenhang verlangte Boll mit Nachdruck auch eine allgemeine Stärkung der Trainer: "Generell wird der Trainer-Job bei uns nicht so gewürdigt wie in Asien. Wir müssen gute Übungsleiter ausbilden. Es geht nicht mehr nur über das Ehrenamt, sondern dafür muss man schon ein paar Euro organisieren."

Zu den strukturellen Schwächen zählt Boll auch die international begrenzten Verdienstmöglichkeiten im Tischtennis: "Die Elite kann recht gut verdienen, die Chinesen können sogar Millionen verdienen. Aber dahinter fällt es für die meisten schnell und drastisch ab. Die Jungen müssen kämpfen und mit wenig auskommen, obwohl sie so viel investieren. In der Bundesliga sind aber immerhin alle Spieler Profis."

Im Gespräch mit Kroos und dessen Bruder Felix blickte der WM-Dritte auch auf seine Entwicklung in den vergangenen über 20 Jahren zurück und gestand dabei eine erstaunliche Selbstwahrnehmung: "Wie ich früher rumgejammert habe - wie eine Diva. Ich kann mir diese Spiele von damals eigentlich überhaupt nicht ansehen."

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