Lewitin war von 2004 bis 2012 Russlands Verkehrsminister - Bildquelle: AFP/POOL/SID/ALEXEY DRUZHININLewitin war von 2004 bis 2012 Russlands Verkehrsminister © AFP/POOL/SID/ALEXEY DRUZHININ

Köln (SID) - In der Debatte über Sanktionen gegen Sportfunktionäre aus Russland und Belarus wegen des Ukraine-Krieges wächst beim europäischen Tischtennis-Verband ETTU der Druck auf den russischen Präsidenten Igor Lewitin. Der 70-Jährige soll zu einem endgültigen Rückzug bewegt werden, nachdem der Verbandschef sein Amt bereits seit Anfang März ruhen lässt. Die Bemühungen um Lewitins Demission bestätigte die deutsche ETTU-Vizepräsidentin Heike Ahlert (Schleswig) auf SID-Anfrage nach einer Sitzung der ETTU-Exekutive im schwedischen Malmö.

"Unser amtierender Präsident Pedro Miguel Moura wird mit Igor Lewitin sprechen und versuchen, dass er sein Amt nicht nur ruhen lässt, sondern vollständig als Präsident zurücktritt", sagte Ahlert. Einen Zeitpunkt für das Gespräch des portugiesischen ETTU-Interimspräsidenten mit dem Berater von Russlands Staatspräsident Wladimir Putin nannte Ahlert nicht. Lewitins Rückkehr auf den ETTU-Chefsessel bezeichnete Ahlert als "nicht mehr denkbar".

Eine Absetzung Lewitins durch einen Dringlichkeitsbeschluss kommt für die ETTU-Exekutive laut Ahlert nicht in Betracht. Zur Begründung sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), "dass die Bestimmungen unserer Satzung das rechtlich nicht zweifelsfrei zulassen".

Voraussichtlich jedoch wird Lewitin, der sein Amt und auch seine damit verbundenen Aufgaben beim Weltverband ITTF seit Anfang März ruhen lässt, seinen Posten spätestens im Herbst verlieren. Derzeit prüfen Juristen laut Ahlert Möglichkeiten, den ETTU-Chef trotz seiner formal noch bis 2024 laufenden Amtszeit auf dem Kongress bei den European Championships im August in München absetzen zu können. Sollte die Statuten diesen Schritt nicht erlauben, soll noch in München ein Außerordentlicher Kongress zur Wahl eines neuen ETTU-Präsidenten angesetzt werden.

Lewitin gehört zu Putins Vertrauten. Der aus der ukrainischen Schwarzmeer-Stadt Odessa stammende Lewitin war 2020 an die ETTU-Spitze gewählt worden. Durch die Verbindungen von Russlands Ex-Verkehrsminister waren mehrere große Unternehmen aus Russland als Sponsoren bei der ETTU eingestiegen. Hinter den damit verbundenen Einnahmen des Verbandes steht durch den Ausbruch des Ukraine-Krieges allerdings ein Fragezeichen.

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