Der UFC-Kämpfer Ian Heinisch hat bereits ein filmreifes Leben hinter sich - Bildquelle: imago images/FotoarenaDer UFC-Kämpfer Ian Heinisch hat bereits ein filmreifes Leben hinter sich © imago images/Fotoarena

München – Über das Leben von Ian Heinisch könnte man einen Hollywood-Film drehen. Tatsächlich wollte vor einiger Zeit ein mächtiger Unterhaltungsriese die Rechte an seiner Geschichte haben. Aber nachdem Heinisch jahrelang Drogen verkauft hatte, wollte er nicht auch noch seine Seele verkaufen.

Mit 19 Jahren fing er in seiner Heimatstadt Denver an, mit Ecstasy zu dealen. Bis zu 2.000 Pillen pro Woche. Im Nachhinein ist ihm klar geworden, dass das ein Fehler war, aber damals dachte er, er habe keine andere Wahl. Er war süchtig nach Amphetaminen, seine Eltern hatten finanzielle Schwierigkeiten und er selbst wurde von keinem College angenommen, weil er einst von der Schule geflogen war.

Irgendwann wurde Heinisch vom örtlichen Drogendezernat erwischt und verhaftet – alles war weg, sein Geld, seine Pillen. Ihm drohten mehrere Jahre Haft. Er befürchtete, im Gefängnis würde jemand mit seinem Temperament nicht lange überleben. Also verabschiedete er sich von seiner Familie und setzte sich nach Europa ab.

Zum Drogenschmuggler ausgebildet worden

Über Holland, Belgien und England kam Heinisch nach Teneriffa, wo er in einem Club arbeitete, aber nur mit Drinks bezahlt wurde. In kurzer Zeit wurde er zum Alkoholiker. Da er kein Geld hatte, übernachtete er am Strand. Er lebte nicht von Tag zu Tag, sondern von Stunde zu Stunde.

Nach einigen Monaten auf Teneriffa freundete sich Heinisch mit einem Amerikaner an, der ihm eines Tages seinen kubanischen Vater vorstellte – einen Drogenschmuggler, der illegale Substanzen von Kolumbien nach Spanien transportierte. Heinisch lernte, kleine Päckchen mit Kokain zu schlucken und sie so sicher durch die Flughafenkontrollen zu schmuggeln. Aber nicht sicher genug. Nach etwa zwei Jahren flog er am Flughafen von Teneriffa auf und wurde verhaftet.

Durch Sport und Gott zu einem besseren Menschen geworden

Das Gefängnissystem auf den Kanarischen Inseln ist auf Rehabilitation ausgelegt und so nahm Heinisch an Religions- und Philosophiekursen teil, lernte Spanisch und trainierte Boxen sowie Lucha Canaria, eine Variante des Ringkampfs. Heinisch gehörte zu Schulzeiten dem Ringerteam an und entwickelte daher großes Interesse am Lucha Canaria. Sein Trainer war zufälligerweise der Vater des besten Lucha-Canaria-Ringers der Insel.

Heinisch fing nach ein paar Monaten an, andere Insassen zu trainieren. Sie nannten ihn "el huracán", den Hurrikan. Wenn er wieder mal jemanden besiegt hatte, sagte er: "Sei nicht traurig, du hast gerade gegen den zukünftigen UFC-Champion verloren."

Eines Tages kam eine örtliche Ringermannschaft für einen Show-Wettkampf ins Gefängnis. Heinisch besiegte jeden einzelnen von ihnen. Am nächsten Tag erschien darüber sogar ein Artikel in der Zeitung. Laut Heinisch hat das irgendjemandem mit großem Einfluss nicht gefallen und so wurde er ins Gefängnis von Leon verlegt, im Nordwesten Spaniens.

Dem Tod von der Schippe gesprungen

In Leon wurde Heinisch nach ein paar Monaten ein Angebot gemacht: Man würde ihn freilassen, wenn er fünf Jahre lang nicht nach Europa zurückkehrt. Er hatte nichts dagegen einzuwenden. Heinisch hatte Gott gefunden und sah das als zweite Chance an, als Möglichkeit, sein Leben zu ändern und noch einmal von vorne zu beginnen.

Am Flughafen in New York angekommen, wurde er verhaftet und kurze Zeit später auf die berüchtigte Gefängnisinsel Rikers Island gebracht, das Alcatraz der Ostküste. Dort kam er in den Hochsicherheitstrakt, als einziger Weißer unter Afro- und Hispanoamerikanern. Nachdem Heinisch einen Insassen bei einem Streit niedergeschlagen hatte, wurde ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Ein paar Puerto-Ricaner, mit denen er sich arrangiert hatte, warnten ihn: Am nächsten Morgen würde er sterben und es gäbe nichts, was irgendjemand dagegen tun könnte. Heinisch blieb die ganze Nacht wach, er fertigte Waffen an und machte Schattenboxen.

Um vier Uhr morgens holten ihn Polizisten ab und verlegten ihn in ein Bezirksgefängnis. Kurz darauf wurde er auf Bewährung entlassen. Er kehrte nach Denver zurück, fing an, in einem Fitness-Studio zu arbeiten und trainierte nebenbei MMA, unter anderem mit den UFC-Veteranen Anthony Smith und Nate Marquardt.

In die Rangliste der UFC aufgestiegen

Seitdem seiner Entlassung sind mittlerweile mehr als fünf Jahre vergangen. In dieser Zeit gewann Heinisch zehn von elf Profikämpfen, ehe er sich mit einem Sieg bei der "Contender Series" von UFC-Präsident Dana White einen UFC-Vertrag verdiente. Seine ersten beiden UFC-Kämpfe gewann er einstimmig nach Punkten, damit stieg er in die "Top 10" der Mittelgewichtsklasse ein.

Samstagnacht bekommt Heinisch bei UFC 241 einen Wunsch erfüllt, den er nach seinem letzten Sieg geäußert hatte – einen Kampf gegen Derek Brunson, die Nummer acht der Rangliste. In einem Interview meinte Brunson neulich, Heinisch sei wegen dieses wichtigen Kampfes bei einem der größten Events des Jahres sicher nervös.

Aber vermutlich kennt Brunson die Hintergrundgeschichte seines Gegners nicht. Denn sonst würde er wissen, dass man einen Menschen, der all das durchgemacht hat, nicht mehr einschüchtern kann.

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