Jon Jones. - Bildquelle: imago images / ZUMA PressJon Jones. © imago images / ZUMA Press

München – Dass Israel Adesanya seinen Spaß haben würde, war klar. Der Mittelgewichts-Champion ließ es sich dann auch nicht nehmen, in mehreren Tweets über seinen Erzrivalen Jon Jones herzuziehen.

Jones' letzter Gegner Dominick Reyes brachte es schließlich auf den Punkt. "Das ist so unglaublich, dass man fast nur darüber lachen kann", schrieb er auf Twitter.

Unglaublich? Nein, inzwischen ist es fast schon tragisch, wie Jones seine erfolgreiche Karriere in der UFC selbst torpediert und beschädigt.

Mal wieder verhaftet

Er wurde in dieser Woche mal wieder verhaftet. Die Liste der Vorwürfe: Fahren unter Alkoholeinfluss, eine nachlässige Behandlung einer Schusswaffe, Fahren ohne Nachweis eines Versicherungsschutzes sowie das Mitführen einer offenen Alkoholflasche.

Doppelt schlimm: Es ist nicht das erste Vergehen, nicht der erste Skandal. Hinzu kommt: Sein Vergehen fand inmitten der Coronavirus-Pandemie statt, während im US-Bundesstaat New Mexiko strenge Ausgangsbeschränkungen gelten.

Unverantwortlich. Und eine Steilvorlage für den Adesanya-Tweet, da Jones selbst zuvor öffentlichkeitswirksam dafür plädierte, zu Hause zu bleiben.

Bitter. Dabei legte er im März 2011 den Grundstein für eine legendäre Karriere, als er mit nur 23 Jahren durch einen Sieg gegen Mauricio Rua der jüngste UFC-Champion der Geschichte wurde. Die Kampfsportwelt lag ihm zu Füßen, er war kreativ und anpassungsfähig. Von 2011 bis 2013 war er der "Kämpfer des Jahres".

Der Bruder von Cardinals-Star Chandler und Ex-NFL-Profi Arthur Jones hält in der UFC zahlreiche Rekorde, unter anderem für die meisten Titelverteidigungen, die längste Siegesserie und die meisten Siege in der Halbschwergewichtsklasse.

Jon Jones ist ein Superstar der UFC. Leider seit Jahren auch immer wieder ein Sorgenkind.

Erste Probleme wurden 2012 sichtbar, da baute er unter Alkoholeinfluss einen Verkehrsunfall. Seinen Führerschein musste er damals für sechs Monate abgeben.

Absturz beginnt 2015

Der Absturz begann endgültig im April 2015, als er sich vor Gericht schuldig bekannte, einen Unfall verursacht und Fahrerflucht begangen zu haben. Er hatte unter Drogeneinfluss eine rote Ampel überfahren und zwei Fahrzeuge gerammt. Die schwangere Fahrerin eines Fahrzeugs brach sich dabei den Arm. Polizisten fanden anschließend eine Pfeife voller Marihuana in seinem Auto.

Er bekam 18 Monate auf Bewährung, verlor seinen WM-Titel und wurde von der UFC auf unbestimmte Zeit suspendiert. Dabei hatte er seinen Titel im Januar gegen Erzfeind Daniel Cormier verteidigt.

Doch nun war Cormier der Mann mit dem Gürtel. Ausgerechnet.

Doch ein Jahr später kehrte "Bones" ins Octagon zurück. Er gewann den Interimstitel und ebnete damit den Weg für einen Rückkampf gegen Cormier. 
Doch das zweite Duell musste verschoben werden, denn Jones fiel durch einen Dopingtest. In seinem Blut fanden sich Spuren eines Östrogenblockers und eines Aromatasehemmers – zwei Substanzen, die auf der Verbotsliste der UFC stehen. Später stellte sich heraus, dass ein Potenzmittel die Ursache für den positiven Dopingtest war.

Jones wurde dennoch für ein Jahr gesperrt.

Immer noch viele Fans

Er gab sich geläutert, im Wissen, dass er vielleicht der beste Kämpfer seiner Generation sein mag, dabei aber auf sein eigenes Vermächtnis pfeift. Es waren in der Regel aber nur noch die Fans, die seinen Beteuerungen Glauben schenkten.

Man muss dazu sagen: Er hat trotz seiner Verfehlungen immer noch viele Fans. Kontroverse Kämpfer mögen speziell sein, sind aber offenbar besonders beliebt.

Jones kehrte mit einem Paukenschlag zurück: Im Juli 2017 knockte er Cormier in der dritten Runde mit einem Kopftritt aus. Was für ein Comeback.

Doch dann fiel er mal wieder durch einen Dopingtest. Unfassbar, aber wahr. Der Sieg wurde in einen "No Contest" umgewandelt, der Titel war vakant.

Irrungen und Wendungen

Doch die Karriere des 32-Jährigen war schon immer für Irrungen und Wendungen gut: Die amerikanische Anti-Doping-Behörde (USADA) befand ihn später für unschuldig, den positiven Test hatte offenbar ein verunreinigtes Supplement verursacht.

Bedeutete: Rund eineinhalb Jahre später feierte Jones erneut ein Comeback, gewann im Dezember 2018 gegen Alexander Gustafsson und holte sich den Gürtel, den er im Octagon nie verloren hatte.

Fun Fact: Zwei Tage vorher kam es zu einer fast schon komödiantischen Wende der Ereignisse, als sein Dopingtest schon wieder Auffälligkeiten aufwies. Dennoch durfte er kämpfen, allerdings musste dafür die komplette Veranstaltung von Las Vegas nach Kalifornien umziehen. Immerhin: Seitdem hat er seinen Titel dreimal erfolgreich verteidigt.

Doch das Denkmal bröckelt. Dafür sorgt er in unschöner Regelmäßigkeit selbst.

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