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München - Am Sonntagmorgen deutscher Zeit in Las Vegas sollten offene Fragen geklärt werden, doch am Ende standen mehr Fragezeichen als zuvor. Eine dieser Fragen war, ob Conor McGregor nochmal ganz oben in der UFC angreifen können würde. Hätte er Dustin Poirier bei UFC 264 besiegt, hätte der Ire ziemlich sicher einen Titelkampf gegen Leichtgewichts-Champions Charles Oliveira bekommen.

Andererseits hätte sich "The Notorious", der am Mittwoch 33 Jahre alt geworden ist, bei einer Niederlage im dritten Kampf der Trilogie gegen Poirier wohl aus der ersten Reihe der UFC verabschiedet. Womöglich hätte eine Niederlage sogar das Ende der Karriere des Iren in der stärksten MMA-Liga der Welt bedeutet.

Stattdessen brach unmittelbar vor Ende der ersten Runde das Schienbein des weltweit bestverdienenden Sportlers des Jahres 2020. Und alle Fragen blieben unbeantwortet. Die Zukunft von Conor McGregor, dem absoluten Superstar des MMA und der UFC, scheint völlig offen.

Conor McGregor bleibt trotz Verletzung angriffslustig

"Ihr braucht Leute wie mich", stellte McGregor am Montag bei Instagram direkt klar und meinte damit wohl genauso die UFC, wie alle anderen Fighter und die Fans. Womit er nicht Unrecht hat, McGregor bleibt das absolute Zugpferd des Sports. An sieben der neun größten Pay-per-View-Einnahmen der UFC war McGregor beteiligt.

Warum das so ist, zeigte sich ebenfalls am Sonntagmorgen. Noch mit gebrochenem Schienbein am Boden sitzend, beleidigte McGregor Poirier und dessen Frau und begann so quasi direkt mit der Promotion für einen möglichen vierten Kampf der Kontrahenten. McGregor zeigte einmal mehr seine größte Qualität: egal ob er gewinnt, ob er verliert oder sich sogar schwer verletzt, am Ende steht immer er selbst im Mittelpunkt. Was auch seinen enormen Marktwert erklärt.

McGregor verlor zuletzt die großen Kämpfe

Kaum war "The Notorious" wenig später nach seiner dreistündigen Operation wieder aus der Narkose erwacht, spuckte er schon wieder große Töne. "Es war eine höllische erste Runde. Es wäre schön gewesen, in die zweite Runde zu kommen, aber es ist, wie es. So ist der Kampfsport nun mal", sagte McGregor in einem Twitter-Video: "Dustin, du kannst deinen illegitimen Sieg feiern wie du willst, aber du hast nichts gezeigt. Die zweite Runde hätte es allen bewiesen."

McGregor verschwieg allerdings, dass Poirier die erste Runde dominiert hatte. Zwei Punktrichter werteten die Runde mit 10:8, einer mit 10:9. Zwar hatte auch McGregor einige gute Momente, er musste aber mehrmals harte Ellenbogenschläge einstecken, neben dem gebrochenen Schienbein trug er ein blutendes und geschwollenes Ohr davon.

Kann McGregor noch mit den Topstars mithalten?

Und so bleibt vor allem die Frage, ob McGregor tatsächlich noch mit den Topstars der UFC mithalten kann. Poirier hatte McGregor im Januar ausgeknockt, Khabib Nurmagamedov ihn im Oktober 2018 vier Runden lang dominiert und schließlich zur Aufgabe gezwungen. Seit seinem Sieg gegen Eddie Alvarez im November 2016 konnte McGregor lediglich noch gegen den schon 38 Jahre alten Donald Cerrone gewinnen.

"Der Kerl ist fertig, er ist nur noch für Promotion gut", sagte Nurmagamedov zu "ESPN": "Mit dem gebrochenen Bein werden seine Kicks nie mehr wie früher sein. Ich glaube nicht, dass er es nochmal nach oben schafft.“ Generell ließ der Dagestaner kein gutes Haar an McGregor: "Geld und Ruhm zeigen, wer du wirklich bist. Und was hat er gemacht? Einen alten Mann in einer Bar geschlagen. Es ist so, wie Dustin gesagt hat: Der Typ ist ein Haufen Scheiße."

Dana White wünscht sich einen vierten Kampf

Trotz allem würde Dustin Poirier sofort ein viertes Mal gegen McGregor antreten. "Wir werden wieder kämpfen", sagte der Amerikaner auf der Pressekonferenz nach UFC 264: "Egal ob im Käfig oder irgendwo auf dem Bürgersteig." Bei dieser Aussage dürfte zum einen die echte Abneigung gegen McGregor mitschwingen, zum anderen die Aussicht auf eine große Börse, über die sich jeder Fighter freuen darf, der gegen "The Notorious" antritt. Auch der geschäftstüchtige UFC-Boss Dana White stellte direkt klar, dass es einen vierten Kampf geben soll. Wenn McGregor wieder fit werden sollte, wird es an potenziellen Gegner nicht mangeln. Auch ein dritter Kampf gegen Nate Diaz wäre reizvoll.

Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass McGregor tatsächlich wieder fit wird. Sechs Wochen muss er nun an Krücken laufen, erst dann beginnt die richtige Reha. Mindestens ein halbes Jahr muss er pausieren. Um es in einem Extremsport wie MMA auf höchstes Wettkampfniveau zu bringen, ist eine Pause von einem Jahr realistisch. Ein möglicher weiterer Kampf gegen Dustin Poirier könnte also frühestens im Sommer 2022 stattfinden.

Verabschiedet sich McGregor doch in den Ruhestand?

Und vielleicht kommt Conor McGregor in den nächsten Wochen, die er an Krücken verbringen wird, ja doch ins Grübeln. Es gibt eine Menge großer Kampfsportler, die ihre glänzenden Karrieren zu spät beendet haben. Vielleicht wäre die schwere Verletzung eine gute Gelegenheit, um sich in den Ruhestand zu verabschieden.

Aber diese Frage kann letztlich nur "The Notorious" selbst beantworten. Wie gesagt: es bleiben eine Menge Fragenzeichen.

Christian Stüwe

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