Der Nürnberger Yessin Ayari muss mehr an seinem Killerinstinkt arbeiten - Bildquelle: imagoDer Nürnberger Yessin Ayari muss mehr an seinem Killerinstinkt arbeiten © imago

ran.de: Ihr Kampf bei UFC Moncton mit dem umstrittenen Urteil liegt jetzt knapp zwei Wochen zurück. Viele haben Sie vorne gesehen. Wie beurteilen Sie den Ablauf und das Urteil aus heutiger Sicht?

Yessin Ayari: "Mein Fehler war, dass ich die Kicks während des Kampfs komplett ignoriert habe, weil sie einfach nicht wehgetan haben. Viele davon wurden gepunktet und so hatte er am Ende rund vierzig Kicks, obwohl ich das Bein auch oft weggezogen habe. Aber ob er damit den Kampf gewonnen hat…? Darum gibt es den Spruch 'Never leave it to the judges'.  Die Ringrichter haben es so gesehen, die Experten waren mehr auf meiner Seite und auch viele Zuschauer. Aber leider steht im Kampfrekord 'verloren' und in einem Jahr juckt das 'Wie' keinen mehr."

ran.de: Sie haben während des Kampfes sehr souverän gewirkt. Wie lief das für Sie ab?

Ayari: "Mein Gegner hat mich wirklich überrascht. Er hat ungefähr 30 Profikämpfe und in jedem Kampf ist er nach vorne gegangen, hat die Nahdistanz gesucht und ist zum Takedown gegangen. Das hat er gegen mich nicht gemacht, er hat nur gekickt, das hat nicht wehgetan. Dadurch habe ich mich dominant gefühlt, denn so kann er nicht gewinnen. Ich dachte, er würde in der zweiten oder dritten Runde mehr nach vorne kommen. Das tat er nicht, und trotzdem hat er gewonnen."

ran.de: Was ging Ihnen bei der Urteilsverkündung durch den Kopf? Dachten Sie, dass die Entscheidung knapp werden könnte oder Sie sogar verlieren könnten?

Ayari: "Im ersten Moment war ich von dem Urteil schon sehr enttäuscht. Ich dachte anfangs, dass ich gewonnen hätte.  Als es dann anders kam, war ich überrascht. Aber der Kampf hat viel zu viel Spaß gemacht, als dass ich mich jetzt darüber megamäßig aufregen könnte."

ran.de: Wie geht man als Kämpfer mit einer so ungerechtfertigten Niederlage um? Spornt Sie das eher noch mehr an oder verliert man da die Lust?

Ayari: "Mir geht es um die 15 Minuten, und die haben einfach Spaß gemacht. Nach so einer langen Auszeit wieder kämpfen zu können, das war genau das, was ich gebraucht habe. Daher habe ich mir jetzt nicht so viele Gedanken darüber gemacht."

ran.de: Die UFC hat nach dem Kampf selbst ein Video mit der Umfrage, wie die User den Kampf gesehen haben, veröffentlicht. Die schienen mit der Entscheidung ebenfalls unzufrieden zu sein. Ist von der UFC jemand auf Sie zugekommen?

Ayari: "Ja, einer der Leute von Dana White - er selber kommt ja nur zu den großen Veranstaltungen - hat zu mir gesagt: 'Super Kampf, ich habe Dich vorne gesehen. Mach Dir keinen Kopf, nächstes Mal wird’s wieder was.'"

ran.de: Sie haben jetzt zwei Kämpfe in Folge verloren – wie groß ist der Druck auf Sie vor dem nächsten Kampf?

Ayari: "Unter Druck steht man eigentlich immer. Aber hier kommt dazu, dass das mein dritter UFC-Fight war. Ich habe einen Vertrag über vier Kämpfe. Den ersten habe ich gewonnen, den zweiten nach Punkten verloren und eben jetzt auch den dritten. Der nächste Kampf entscheidet also viel, keine Frage. Aber ich setze mich nicht unter Druck."

ran.de: Wollen Sie jetzt so schnell wie möglich wieder kämpfen oder erst einmal durchschnaufen.

Ayari: "Ich bin sehr motiviert und will auf jeden Fall so schnell wie möglich wieder kämpfen. Ich habe auch gleich gesagt, dass ich gerne bei dem nächsten Event in Europa, also in London, kämpfen will."

ran.de: Was halten Sie von einem Re-Match?

Ayari: "(Lacht). Na ja, falls ich nochmal gegen ihn kämpfen sollte, dann schaut es auf jeden Fall anders aus, dann werde ich ihn ausknocken."

ran.de: Peter Sobotta sagt, Sie sind wie ein Professor, Sie müssen loslassen und verrücktes Risiko eingehen.  Was meint er damit und wie können Sie das umsetzen?

Ayari: "Ich will zu sauber, zu perfekt kämpfen. In diesem Fight hätte ich mehr die Attacke suchen und weniger abwarten sollen. Ich will mich immer weiterentwickeln, aber natürlich muss man in dem Moment auch mal den Killerinstinkt wecken. Ich hatte in den Kampf oft die Chance, ihn zu finishen. Ich denke in manchen Situationen einfach ein bisschen zu viel nach."

ran.de: Eine letzte Frage: Sie haben gerade geheiratet. Glückwunsch dazu nochmal. Was verändert sich privat bei Ihnen - werden Sie vielleicht auch bald Papa, so wie Peter Sobotta?

Ayari: "Ich bin mit meiner Frau schon lange zusammen und wir haben auch schon zusammen gewohnt. Durch die Hochzeit hat sich jetzt nicht viel geändert. Aber man macht es halt offiziell, das gibt nochmal einen Schub. Und was die Zukunft betrifft: Das wird alles schön."

Das Interview führte Susann Brandes

Mehr zum Thema Kampfsport rund um die Uhr findest du auf ranFIGHTING.de.

Du willst die wichtigsten Kampfsport-News zum Boxen, der UFC und der WWE direkt auf dein Smartphone bekommen? Dann trage dich unter http://tiny.cc/ran-whatsapp für unseren WhatsApp-Service ein!

Boxen-Videos