L'Jarius Sneed gelang gegen Jordan Love eine Interception - Bildquelle: 2021 Getty ImagesL'Jarius Sneed gelang gegen Jordan Love eine Interception © 2021 Getty Images

Kansas City - Es ist schon bezeichnend, wenn auf der Pressekonferenz nach dem Spiel Coach und Star-Quarterback auftauchen, aber dann doch einer aus der Defense den längsten Redeanteil hat.

Während Patrick Mahomes nach dem 13:7 Erfolg über die Green Bay Packers nach sechs Minuten das Podium verließ und Andy Reid nach knapp zehn, stand Frank Clark knapp 15 Minuten den Journalisten Rede und Antwort.

"Die Defense hat uns das Spiel gewonnen", war dann auch das Resümee von Head Coach Reid. "Wir haben das Laufspiel der Packers richtig gut verteidigt. Defensive Coordinator Steve Spagnuolo hat genau die richtigen Maßnahmen gefunden."

Und auch Mahomes war sich dem bewusst. "Es war das ganze Spiel ein Kampf", sagte der Star-Quarterback, der noch nicht in der Verfassung ist, wie ihn die Chiefs-Fans in den Jahren zuvor zu sehen bekamen.

Wie sehr der MVP der Saison 2018 erleichtert war, zeigte seine Reaktion nach dem entscheidenden verwandelten dritten Versuch kurz vor Ende der Partie, nachdem die Chiefs mit der Victory Formation die Uhr auslaufen lassen konnten.

Mahomes jubelte ausgelassen, zeigte die Faust, ließ seinen Emotionen freien Lauf. "In dem Moment habe ich einfach alles rausgelassen, die Anspannung fiel einfach nur ab."

 

Mahomes mit 10 Pässen für nur 40 Yards 

Wie schwer sich der Passgeber tat, zeigte auch eine Statistik während des Spiels. 10 von 12 Pässen brachte er an den Mann - eigentlich ein sehr guter Wert - es sprangen dabei aber nur 40 Yards Raumgewinn heraus.

"Das kann man sich eigentlich kaum vorstellen", analysierte auch der ehemalige Linebacker der San Francisco 49ers und ran-Experte Mark Nzeocha die Vorstellung Mahomes'.

"Bei Mahomes wirkt aber auch noch nicht alles rund", sagte Nzeocha. "Viele Bälle überworfen, viel unterworfen. Ich weiß nicht, was da los ist, aber es wirkt wacklig."

Dennoch reichte es für Kansas City - ursprünglich als der große Favorit in die Saison gestartet - erstmals in dieser Saison zu zwei Siegen in Serie. Ein ungewohntes Novum für das in den vergangenen Jahren so erfolgsverwöhnte Team, das nun bei einer Bilanz von 5-4 steht.

Frank Clark hatte aber auch dafür eine Erklärung: "Ich habe den Eindruck, dass die Klubs ihre Mannschaft mittlerweile so aufbauen, um unsere Offense zu stoppen. Wir sind die Gejagten, an denen sich jedes Team orientiert."

 

Love beim Videostudium ausspioniert

Und so musste Clark mit seiner Defense die entscheidenden Plays machen. Einerseits dadurch, dass sie extrem Druck auf Jordan Love ausübten, der den an Corona infizierten Aaron Rodgers vertrat, andererseits - wie von Reid angesprochen - über das Laufspiel mit Aaron Jones und A.J. Dillon wenig zuließen.

Am Ende stand ein zugelassener Touchdown zu Buche bei einer Interception. L’Jarius Sneed fing einen für Devante Adams gedachten Pass ab.

"Ich wusste genau, was in dem Moment kommt", verriet Cornerback Sneed. "Love hat genau das Zeichen gemacht, das wir bei der Videoanalyse bei Rodgers gesehen hatten."

Und dann fasste er das Geschehen des Abends perfekt zusammen. "Es hat einfach eines in das andere gegriffen. Nicht immer, aber dann, wenn es wir es gebraucht haben. Egal ob Offense, Defense oder Special Teams."

 

Großes Lob an die Special Teams

Denn auch die Gruppe um Harrison Butker und Punter Tommy Townsend erhielt an dem Abend viel Lob.

Und auch dass sich mit Townsend der Punter der Presse stellte, zeigte die Wertschätzung - sowie die Worte von Andy Reid. "Tommy hat sein bestes Spiel als Profi gemacht", sagte der Head Coach.

Der Punter nahm das Lob mit Freude entgegen. "Ich werde dem Coach da sicher nicht widersprechen", sagte er grinsend, verteilte das Lob aber auch gleich weiter.

"Vielleicht waren meine Punts sehr gut, aber Harrison Butker hat heute ein enorm schweres Field Goal aus 55 Yards versenkt. Das war alles andere als leicht bei den Bedingungen."

Lob annehmen und sofort weiterverteilen - es war das Motto der Chiefs an diesem Abend.

Gleichzeitig schickte Clark aber auch eine Kampfansage an die Konkurrenz.

"Wir finden immer besser auf dem Feld zusammen. Und es wird immer besser. Denn im Training und in der Kabine befindet sich unsere Kameradschaft auf dem Level hot", sagte er und verschwand nach knapp 15 Minuten Rampenlicht - um gemeinsam mit seinen Jungs den Sieg zu genießen.

Aus Kansas City berichtet Rainer Nachtwey

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