München - Unangenehmer hätte die NFL-Saison für die New England Patriots wohl nicht zu Ende gehen können. Im Wild Card Game setzte es gegen die Buffalo Bills am Wochenende eine böse 17:47-Demütigung, die Playoffs sind damit vorzeitig beendet.

Für die Spieler steht nun – früher als erhofft – der Urlaub vor der Tür. So auch für Jakob Johnson. Der Deutsche spielt seit drei Jahren für das Team aus Foxborough und hat eine beeindruckende Geschichte hinter sich.

Den NFL-Draft verpasste der gebürtige Stuttgarter einst aufgrund einer schweren Verletzung, nur durch das International Pathway Program erhielt er in der besten Football-Liga der Welt eine Chance. Und er konnte sie nutzen.

1.000 Snaps in der NFL

Während Head Coach Bill Belichick zu Beginn noch davon sprach, dass es der heute 27-Jährige wohl kaum in den Kader der Pats schaffen dürfte, ist er inzwischen fester Bestandteil geworden. Dies zeigt sich auch beim Blick auf die Stats.

Alle 17 Regular-Season-Spiele absolvierte Johnson in dieser Saison, dabei stand er bei 309 Snaps auf dem Feld. Während der laufenden Spielzeit wurde ihm dabei eine große Ehre zuteil.

Am 7. Dezember war er beim 14:10-Sieg der Patriots gegen die Bills nicht nur bei fast jedem zweiten Snap Teil der O-Line, ihm gelang es zudem als erst drittem Spieler der Historie des Pathway Programs, die Marke von 1.000 NFL-Snaps zu knacken. Zuvor glückte dies nur Eagles-Tackle Jordan Mailata und Bills-Defensive-End Efe Obada.

Patriots-Owner Kraft lobt Johnson

Standesgemäß wurde diese besondere Errungenschaft sogar von Teambesitzer Robert Kraft gefeiert. Dieser überreichte dem Deutschen auf der Pressekonferenz im Anschluss einen besonderen Gameball. "Wir hoffen, dass du 1.000 weitere Plays für uns machst", richtete er dankende Worte an den Fullback.

Ob Johnson die Chance dazu bekommt, wird die Offseason zeigen. Nach Saisonende läuft der Vertrag des Deutschen aus, er wird zum Restricted Free Agent. Dass die Pats den 27-Jährigen ziehen lassen, erscheint aktuell aber nicht allzu wahrscheinlich.

Cheftrainer Belichick wurde während der Saison nämlich nicht müde zu erwähnen, wie wichtig der Fullback für die Franchise ist. Und auch in Mac Jones hat er einen Fürsprecher gefunden. "Er ist großartig. Das ist mein Junge. Er macht immer genau das, was er tun soll", lobte der Quarterback und stellte heraus, dass Johnson "kaum Fehler und Fehlentscheidungen" habe und dabei "einen großartigen Job darin macht, Deutschland zu repräsentieren."

Johnson mit Werbewirkung in Deutschland

Ähnlich sieht das auch Ex-Patriots-Profi Sebastian Vollmer. In der #ranNFL-Webshow erklärte er: "Er gibt dem Football-Team das gewisse Etwas. Wenn er auf dem Feld steht, räumt er den Weg frei. Da muss man eine gewisse Mentalität mitbringen. Er macht da alles richtig, ich bin ein großer Fan." 

Doch nicht nur in seiner Funktion als Vorblocker für den Running Back ist Johnson für die Patriots wichtig, der Deutsche hat auch eine nicht zu unterschätzende Werbewirkung. Eine Tatsache, aus der Damani Leech, COO NFL International, keinen Hehl macht.

"Natürlich betrachten wir die Dinge auch vom Standpunkt der Zahlen aus, wie zum Beispiel die Trikotverkäufe im NFL Shop. Wir vergleichen dabei Jakobs Trikotverkäufe in Deutschland mit denen in der USA. Wir sehen, dass er dort überdurchschnittlich gut abschneidet. Dazu analysieren wir auch die sozialen Medien. Das hat definitiv einen Effekt", sagte er.

So verwundert es nicht, dass die Patriots erst kürzlich die Marketingrechte für Deutschland erworben haben.

NFL-Spiel in Deutschland als großer Wunsch

Dass der Fullback für die Patriots also auch einen Wert abseits seiner sportlichen Leistungen hat, ist unbestritten. Seinen Platz im Kader hat er sich in den vergangenen Jahren aber alleine aufgrund seiner Performance erkämpft.

So trainierte er hart, kam häufig als Erster zum Trainingsgelände, legte auch in Sachen Muskelmasse enorm zu – eine Menge Tugenden, die bei Cheftrainer Belichick gut ankommen. Und auch auf persönlicher Ebene hat sich Johnson längst eingelebt. So musste er sich Ende Oktober beispielsweise die Haare rot färben, nachdem er gegen Teamkollege Damien Harris eine Wette verloren hatte.

Für die Zukunft hat der Fullback neben der persönlichen Weiterentwicklung und Erfolgen mit dem Team vor allem einen Wunsch - wie er auf der Homepage der Franchise verriet. Er möchte als Patriot ein NFL-Spiel in Deutschland bestreiten: "Ich drücke die Daumen und werde mein Bestes geben, damit das passiert."

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