Aaron Jones ist derzeit nicht zu stoppen. - Bildquelle: imago images/Icon SMIAaron Jones ist derzeit nicht zu stoppen. © imago images/Icon SMI

München – Aaron Jones kann sie nicht übersehen. Jeden Tag wird er damit konfrontiert. Morgens. Abends. Und zwischendurch. Immer dann, wenn er in den Spiegel schaut.

Permanente Erinnerung für einen dauerhaften Antrieb. Als ob er eine Verschriftlichung seines Ehrgeizes bräuchte. Aber es gibt Menschen, denen es hilft, ihre Ziele zu visualisieren, aufzuschreiben. Jones gehört dazu.

 

Deshalb stehen auf dem Spiegel drei Ziele: Die NFL anführen, und zwar in Rushing Touchdowns, Receiving Touchdowns und damit natürlich auch in Gesamt-Touchdowns.

Man soll sich hohe Ziele setzen. Aber so hoch?

Natürlich!

Jones selbst ist nicht überrascht

Den Running Back der Green Bay Packers selbst überrascht es daher am wenigsten, dass er nach dem zehnten Spieltag in zwei Kategorien vorne ist: Bei den Rushing Touchdowns (11) und Gesamt-Touchdowns (14), jeweils gemeinsam mit Panthers-Running-Back Christian McCaffrey. "Das überrascht mich nicht. Das sind meine Ziele", sagte er.

 

So einfach also? Nun, in dieser Saison auf jeden Fall.

Nachdem Jones am zehnten Spieltag beim 24:16 gegen die Carolina Panthers mit 93 Rushing Yards und drei Touchdowns nicht zum ersten Mal in dieser Saison brillierte und zudem im direkten Duell mit McCaffrey (108 Yards, ein Touchdown) überzeugte, musste sein Quarterback mal etwas klarstellen. 

"Wir wissen alle, dass Christian ein sehr talentierter Spieler ist, und dass er im MVP-Rennen auf jeden Fall eine Rolle spielen wird. Aber ich denke es ist an der Zeit, Aaron Jones auch in die Gespräche aufzunehmen", sagte Aaron Rodgers.

Er hatte Jones in der Preseason immer wieder gelobt. Diese Entwicklung, diesen Durchbruch hat aber auch der alte Hase nicht kommen sehen. Er musste vor wenigen Wochen bei einer Frage nach den ehrgeizigen Zielen seines Teamkollegen noch milde grinsen. Meiste Touchdowns? Immer langsam.

Doch jetzt bringt er ihn ins Gespräch als Most Valuable Player. MVP. Wow. From Zero to Hero?  

Starker Läufer, Top-Fänger

Nicht ganz, "Dual Threat" beschreibt es ganz gut. Denn aus dem Nichts kommt der 24-Jährige nicht, laufen konnte er schon immer ganz gut, er kam in seinen ersten beiden Jahren bei den Packers auf 448 und 728 Yards und vier respektive acht Touchdowns. Er war nur nie ganz ausgelastet.

Denn unter dem neuen Head Coach Matt LaFleur kommt das Fangen jetzt noch als Stärke hinzu. In seinen ersten 24 Einsätzen unter Ex-Coach Mike McCarthy fing er 35 Pässe für 228 Yards und einen Touchdown. Unter LaFleur sind es ebenfalls 35 Pässe, allerdings für 354 Yards und drei Touchdowns, und das in nur zehn Spielen.  

Denn in dem neuen System blüht Jones auf, dort kann er seine Stärken einbringen, hat neue Möglichkeiten, wird gesucht und gefunden. Und ist als vielseitiger Playmaker schwerer auszurechnen. Es wirkt, als hätte man ein paar Ketten gelöst.

 

"Man findet nicht zu viele Running Backs, die rausgehen und so abliefern. Er ist dynamisch als Läufer und Fänger, er ist ein kompletter Running Back", lobte LaFleur.

Ein Selbstläufer war das allerdings nicht.

Erst in Runde fünf gedraftet

Jones wurde 2017 in Runde fünf an 182. Stelle von den Packers gedraftet, gehörte allerdings auch zu einer extrem starken Klasse mit McCaffrey, Kareem Hunt, Leonard Fournette, Dalvin Cook, Alvin Kamara oder seinem Teamkollege Jamaal Williams. 

Doch Klasse hin oder her: Immerhin 18 Running Backs wurden vor ihm ausgewählt, was ebenso an einer College-Verletzung lag wie an charakterlichen Fragezeichen, nachdem er auf dem College Ärger wegen Trunkenheit am Steuer hatte.

Experten hatten ihn deshalb zwischen Runde drei und fünf angesiedelt, nachdem er auf dem College als Three-Star-Recruit eingestuft wurde. Er besuchte zunächst die Burges High School in El Paso und ging von dort 2013 auf die University of Texas El Paso (UTEP), um dort für die Miners zu einem der wichtigsten Spieler zu reifen.

 

Obwohl er die Saison 2015 wegen einer Sprunggelenksverletzung fast komplett verpasste, schnappte er sich nach vier Jahren unter anderem den Rekord für die meisten Rushing Yards insgesamt (4114) und in einer Saison (1773). Immer als Unterstützung im Hintergrund: seine Familie, die ein wichtiger Stützpfeiler seiner Karriere ist.

Familie ist wichtig

Ob sein Zwillingsbruder Alvin, der es von der UTEP zwar zu den Baltimore Ravens in die NFL schaffte, dort aber im September entlassen wurde. Oder seine Eltern Alvin Sr. und Vurgess Jones, die jahrelang in der Army dienten und ihm neben Höflichkeit auch Bescheidenheit beibrachten, außer beim Setzen der eigenen Ziele natürlich.

In seiner dritten NFL-Saison ist er auf dem Weg zu rund 20 Touchdowns, der Rekord bei den Packers liegt bei 20, 2003 gesetzt von Ahman Green. Bei dem Tempo sollten die möglich sein. 

 

MVP ist dann schon etwas anderes. Was auch an der Position liegt. Von den letzten 12 MVPs waren elf Quarterbacks. 2012 wurde Adrian Peterson als Running Back mit 2097 Yards und zwölf Touchdowns für die Minnesota Vikings MVP.

Vielleicht hilft es ja, wenn die drei Buchstaben auch noch auf den Spiegel kommen.

Andreas Reiners

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