Aaron Rodgers. - Bildquelle: imago images/Icon SMIAaron Rodgers. © imago images/Icon SMI

München – Legenden haben am Scheideweg meistens zwei Möglichkeiten. 

Sie können im Herbst ihrer Karriere ihren erarbeiteten Status zementieren, sich in gewisser Weise unsterblich machen, dort die Karriere beenden, wo sie tiefe Fußabdrücke hinterlassen haben. Im Idealfall zum richtigen Zeitpunkt, bevor das Denkmal bröckelt. Um ihr Vermächtnis zu sichern.

Eli Manning hat bei den New York Giants zum Beispiel den Zenit um mindestens zwei Saisons überschritten, geliebt wird er trotzdem, nur vielleicht nicht mehr ganz so innig. Drew Brees wiederum will es bei den New Orleans Saints weiterhin wissen. Der 41-Jährige wird aber sicher auch ohne weiteren Super-Bowl-Sieg stets ein Saint sein. 

Ein neues Abenteuer

Für immer "Who Dat Nation".

Oder es gibt die Möglichkeit, noch einmal etwas anderes auszuprobieren. Ganz woanders eine neue Herausforderung zu suchen. Dabei mit im Gepäck: Die Gefahr, an das eigene Denkmal zu pinkeln, ihm Risse zuzufügen.

Wie bei Philip Rivers. Oder Tom Brady. Rivers verließ in der Offseason die Chargers und ging nach Indianapolis. Brady sorgte mit seinem Wechsel zu den Tampa Bay Buccaneers für ein NFL-Beben.

Der sportliche Ertrag? Bleibt abzuwarten. Es ist aber nun mal so, dass der letzten Eindruck oft entscheidend hängenbleibt.

Stellt sich die Frage: Was macht in dieser Riege eigentlich Aaron Rodgers? 

Für immer "The Pack"?

Der Quarterback der Green Bay Packers wurde im Dezember 36 Jahre alt und spielt seit 2005 für die Packers.

Für immer ein "Cheesehead"?

Wenn es nach Rodgers geht, ja. "Mein Vermächtnis ist mir wirklich wichtig", sagte Rodgers in der "Pat McAfee Show". Die Gelegenheit, die komplette Karriere in Green Bay zu verbringen, "würde mir sehr viel bedeuten".

Die Krux: Manchmal bekommt man die neue Herausforderung auch aufs Auge gedrückt. Ironischerweise zum Beispiel bei Rodgers-Vorgänger Brett Favre, der sich eigentlich gar nicht vorstellen konnte, woanders als in Green Bay zu spielen. Drei Saisons musste er es dann aber noch bei den Jets und Vikings, nachdem Rodgers ihn ablöste. 

Dessen Vertrag läuft noch bis 2023. Vier Saisons also, eine lange Zeit. Das Team kann sich aber ab dieser Saison von Rodgers vorzeitig trennen, berichtet ESPN. 

Auch wenn das aktuell, auch angesichts der starken Saison 2019 und dem Fakt, dass dieses Team Super-Bowl-Grundpotenzial hat, höchst unwahrscheinlich ist: Rodgers ist aktuell ein Jahr älter als Favre damals, als Rodgers im Draft 2005 an 24. Stelle ausgewählt wurde. 

Keine andere Wahl lassen

"Ich möchte ihnen diese Entscheidung leicht machen", sagte Rodgers: "Der einzige Weg ist, weiter auf hohem Niveau zu spielen und ihnen keine andere Wahl zu lassen, als immer wieder auf dich zu setzen, weil du die beste Option bist und ihnen die beste Chance auf einen Sieg gibst. Das ist mein Ziel." Sich unentbehrlich machen. Das, was er bislang immer getan hat.

Das Ziel der Packers: Rechtzeitig jemanden finden, der den Superstar beerben kann. Im anstehenden Draft (23. bis 25. April, live auf ProSieben MAXX und auf ran.de) haben sie zehn Picks, den ersten an 30. Stelle.

Jordan Love soll bei den Packers hoch im Kurs stehen, sie trafen sich mit ihm jüngst virtuell, um ihn in Zeiten des Coronavirus trotzdem näher kennenzulernen. 

Rodgers kennt das Geschäft. Kennt die Situation.

Rodgers realistisch

"Ich bin realistisch. Ich weiß, wo wir als Organisation stehen und an welchem Punkt ich in meiner Karriere bin", sagte Rodgers ESPN. "Ich hatte immer das Gefühl, dass es egal ist, wen sie bringen, sie sind nicht in der Lage sein, mich zu schlagen."

Bis jetzt. Und fraglos wohl auch noch etwas länger.

Doch er wäre nicht die erste Legende, die den richtigen Zeitpunkt verpasst. Und die Möglichkeiten ungenutzt verstreichen lässt.

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