Trotz Unzufriedenheit: Neues CBA schafft für mehr Transparenz bei unzufriede... - Bildquelle: imago/gettyTrotz Unzufriedenheit: Neues CBA schafft für mehr Transparenz bei unzufriedenen Spielern. © imago/getty

München - Die Verhandlungen um den neuen Tarifvertrag zwischen der NFL und der Spielergewerkschaft NFLPA zogen sich in der Offseason 2020 über mehrere Wochen und Monate. 

Einer der größten Knackpunkte war die Bestrafung von Spielern, die dem Training Camp aus nicht-sportlichen Gründen fernbleiben. Schließlich einigten sich die Parteien auf eine strenge Handhabe, die vor allem den Teams zugute kommt. 

Harte Strafen für Fernbleiben - Teams ohne Wahl

Den neuen Richtlinien zufolge müssen Spieler, die dem Training Camp fernbleiben, pro Fehltag 50.000 US-Dollar an die Franchise zahlen. Interessant ist hier: Den Teams ist nicht gestattet, auf diese Strafen zu verzichten. Ein Umgehen der bestehenden Regeln soll damit in jedem Fall verhindert werden.  

Bleibt ein Spieler mehr als fünf Tage unentschuldigt fern oder verpasst den Camp-Start, verliert er zudem den Anspruch auf eine "Accrued Season" in diesem Jahr. Praktisch gesehen wird sein bestehender Vertrag um eine Saison nach hinten verschoben, wodurch er - insofern er sich im letzten Vertragsjahr befindet - die Berechtigung verliert, in der nächsten Offseason als Free Agent auf den Markt zu kommen. 

Verpassen die wegbleibenden Spieler durch den Streik ein Preseason-Spiel, müssen sie in bestimmten Fällen mit weiteren finanziellen Strafen rechnen. Diese Regel greift dann, wenn sich Rookies in ihrem fünften Vertragsjahr befinden. Auch hier ist das Team verpflichtet, 1/18 des gesamten Jahresgehalts als Strafzahlung pro verpasster Partie einzufordern. 

Keine Streiks bei den Stars - Transparenz als Folge?

Als in der vergangenen Woche die Training Camps der Teams starteten, kam es anders als in der Jahren zuvor bei keinem der bekannteren NFL-Spieler zu einem Streik oder Holdout - dabei hätte es in dieser Saison gleich eine Vielzahl an Stars bis Superstars gegeben, die unzufrieden mit ihrer Situation waren und noch sind.

Große Namen wie Aaron Rodgers (Green Bay Packers), Deshaun Watson (Houston Texans), Zach Ertz (Philadelphia Eagles), Chandler Jones (Arizona Cardinals) oder Xavien Howard (Miami Dolphins) wären in den Jahren zuvor mit großer Wahrscheinlichkeit länger dem Trainingsbetrieb ferngeblieben. 

Bei den Holdouts in den vergangenen Spielzeiten wurden die Verantwortlichen zudem oftmals von den Streiks ihrer Spieler überrascht. Auch der Grund, warum die Spieler streikten, war nicht immer ersichtlich. Ob Trade-Forderung, mehr Gehalt oder generelle Unzufriedenheit, war für die Franchise sowie für die Öffentlichkeit nur teilweise nachvollziehbar.

Spieler wenden sich an die Öffentlichkeit

In dieser Offseason hat sich bei den wechselwilligen Stars ein Trend besonders herauskristallisiert: Ehrlichkeit in Bezug auf die eigene Person. Anstatt Standardphrasen von sich zu geben oder zu der Situation zu schweigen, erklären gleich mehrere Stars ihre Gründe und beweisen Professionalität. 

Besonders die Situation um Aaron Rodgers hielt die NFL-Welt im Atem. Schließlich erschien er zum Trainingsstart der Packers und stellte sich den Fragen der Reporter. Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund und erklärte im Detail, wo die Differenzen zwischen ihm und den Verantwortlichen liegen.

Die Packers reagierten umgehend und erfüllten die Forderungen ihres Superstars.

Auch Cornerback Xavien Howard scheint mit seiner Situation bei den Miami Dolphins alles andere als zufrieden. In einem emotionalen Instagram-Post erklärte er, dass er trotz konstruktiver Vorschläge keine positive Rückmeldung der Dolphins in Bezug auf einer Vertragsanpassung erhalten hatte. 

Der 28-Jährige stellte deshalb über seinen Agenten eine offizielle Trade-Anfrage an das Team und hofft nun auf eine Veränderung. Trotz der Differenzen erschien er pünktlich zum Camp und verhielt sich "professionell", wie er selbst angab.

Auch die restlichen Spieler wie Watson, Ertz und Jones erschienen zum Trainingsauftakt bei ihren jeweiligen Teams. Alleine die Tatsache, dass die Spieler trotz ihrer Unzufriedenheit bei den Teams verweilen und so zwangsläufig Gespräche mit den Verantwortlichen stattfinden, könnten Querelen in Zukunft deutlich souveräner gelöst werden. 

Schon das Beispiel Rodgers hat gezeigt, wie schnell sich Dinge entwickeln können, wenn die beiden Parteien intensiv im Austausch stehen. Die Spieler mögen zwar das Druckmittel "Streik" verlieren, könnten dafür jedoch durch Transparenz und Ehrlichkeit in Zukunft deutlich schneller ans Ziel kommen. 

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