Rodgers und Garoppolo: "Wir sehen uns dann später." - Bildquelle: 2019 Getty ImagesRodgers und Garoppolo: "Wir sehen uns dann später." © 2019 Getty Images

München – Eine Fan-Seele ist verletzlich. Zart besaitet mitunter. Sie verzeiht Enttäuschungen tapfer ein Leben lang, Abweisungen hinterlassen jedoch sehr tiefe Narben und Spuren, die nur langsam verblassen. Wenn sie es überhaupt jemals tun.

Sogar bei NFL-Superstars. Was dann sogar dazu führen kann, dass eine Liebe erkaltet. Ganz verschwinden wird sie aber wohl nie.

Klar ist: Rache ist dann besonders süß.

Im 49ers-Trikot im Super Bowl

Aaron Rodgers erinnert sich vor dem NFC-Championship-Game seiner Green Bay Packers bei den San Francisco 49ers (die Championship Games am Sonntag ab 20:45 Uhr live auf ProSieben und ran.de) daran, dass er als Kind natürlich davon geträumt hat, im Super Bowl zu spielen. Welches Football-begeisterte Kind tut das nicht?

Dabei hatte er allerdings das Niners-Jersey an. Klein Aaron war glühender Verehrer des Teams aus der Bay Area.

"Ich habe davon geträumt, als Kind für die 49ers zu spielen", sagte Rodgers. "Offensichtlich ist das aber seit langer Zeit vorbei. Aber ich erinnere mich an einige großartige Spiele zwischen den 49ers und den Packers im Laufe der Jahre, einschließlich eines in dieser Saison."

Lange vorbei: Rodgers dürfte es fast 15 Jahre später zwar abgehakt haben, dass die 49ers im Draft nicht ihn, sondern Alex Smith haben wollten. Beide galten damals als beste Spielmacher in der Talenteauswahl. Smith wählten die 49ers jedoch an Nummer eins, Rodgers ging erst an 24. Stelle zu den Packers. 

Eine Entscheidung, die weh tat. 

Rodgers, klar, ihm besonders, er hatte den Super Bowl mit seinem Lieblingsteam ja in seinen Träumen schon gewonnen. 

Aber am Ende auch den 49ers. Wie enttäuscht er sei, wurde er damals gefragt. "Nicht so enttäuscht, wie es die 49ers sein werden, dass sie mich nicht ausgewählt haben", sagte Rodgers.

Er sollte Recht behalten, denn der Rest ist Geschichte. 

Anführer und angehende Legende

Smith wurde zu einem guten Quarterback, konnte seinem Nummer-1-Status im Draft aber nie vollends gerecht werden. Seitdem haben die 49ers 15 verschiedene Quarterbacks ausprobiert, mit wechselhaftem Erfolg. 2012 gelang mit Colin Kaepernick der Einzug in den Super Bowl, der jedoch verloren ging.

Rodgers beerbte in Green Bay Legende Brett Favre und ist auf dem besten Weg, selbst eine zu werden, der 36-Jährige steht für Kontinuität, für eine Ära. Er ist der Superstar, der Anführer, unbestritten, unantastbar. Der Mann für die besonderen Abende, derjenige, der den Unterschied machen kann.

Zweimal wurde er zum MVP gewählt, einen Super-Bowl-Sieg hat er 2010 bereits geholt, den zweiten peilt er jetzt an – vorher muss im Halbfinale aber sein Ex-Lieblingsklub aus dem Weg geräumt werden.

Schmerzhafte Schlappe

Und gleichzeitig können weitere Rechnungen beglichen werden: 2012 und 2013 verlor Rodgers mit den Packers in den Playoffs gegen die 49ers. In der Regular Season 2019 setzte es für die Packers eine 8:37-Abreibung. Mit der Vorgeschichte ist klar, wie schmerzhaft die für Rodgers gewesen sein muss.

Er hat es damals ausgerechnet: "Zu der Zeit hatten sie einen Vorsprung von zwei Spielen und den Tiebreaker. Als ich es in meinem Kopf ausrechnete, dachte ich, dass wir sie bei einem Lauf wahrscheinlich irgendwann in ihrem Stadion schlagen müssen."

 

Acht Wochen ist es her, als Rodgers nach der Klatsche Jimmy Garoppolo in den Arm nahm und ihm ankündigte: "Wir sehen uns dann später."

Drohung? Versprechen? Wahrscheinlich beides.

Denn seitdem hat Rodgers die Packers zu sechs Siegen in Serie geführt. Rache ist schließlich süß. Auch nach 15 Jahren noch. 

Andreas Reiners

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