Feuerte am ersten Tag des Training Camp nicht nur Bälle durch die Gegend: Aa... - Bildquelle: Getty ImagesFeuerte am ersten Tag des Training Camp nicht nur Bälle durch die Gegend: Aaron Rodgers nahm sich die Bosse der Green Bay Packers vor © Getty Images

München - Aaron Rodgers hatte Rede- und Aufklärungsbedarf. Oh ja! Am Tag nach seiner heiß erwarteten Ankunft in Green Bay - nach Wochen und Monaten, in denen er für Diskussionsstoff ohne Ende gesorgt hatte, ohne selbst wirklich Erhellendes beizutragen - nahm sich der MVP der vergangenen Saison mehr als 30 Minuten Zeit, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Seine Auslassungen über die längst offenkundigen Dissonanzen zwischen dem Star und den Packers werfen dabei kein gutes Licht auf die Entscheidungsträger der Franchise. Vielmehr dürften seine Sätze Zweifel gesät haben, ob am Michigansee die richtigen Leute am Ruder sind.

Rodgers antwortet mehr als fünf Minuten lang auf erste Frage

Allein auf die Eröffnungsfrage von NFL-Reporter Tom Pelissero, worum es denn in den vergangenen Wochen genau gegangen sei, antwortete Rodgers mehr als fünf Minuten lang. Und dürfte so manchen Zuhörer kopfschüttelnd zurückgelassen haben.

"Die Organisation sieht mich und meine Aufgabe einzig darin, zu spielen", nannte Rodgers das grundsätzliche Problem. Denn eigentlich könnte, nein müsste er doch so viel mehr sein für Packers. Nach 16 Jahren mit überwiegend herausragenden Leistungen. Schon zu aktiven Zeiten hat er Legendenstatus, die Fans liegen ihm zu Füßen, die Aufnahme in die Hall of Fame ist längst nur noch Formsache.

Rodgers spricht "Fehler der Vergangenheit" an

Deshalb erhoffte er sich nach eigener Angabe mehr Einfluss und nicht die Rolle eines normalen Quarterbacks: "Ich hatte den Wunsch geäußert, mehr in Gespräche eingebunden zu werden, die meinen Job beeinflussen." Heißt für ihn: Free Agents anwerben, auch bei Entscheidungen über auslaufende Verträge mit ins Boot geholt zu werden.

"Ich hatte gehofft, dass die Organisation aus den Fehlern der Vergangenheit lernen würde, wie sie erfahrene Profis behandelt. Oder dass verdiente Spieler nicht gehalten wurden, die in meinen Augen Schlüsselspieler waren", monierte der 37-Jährige. Um danach rund ein Dutzend Beispiele aufzuzählen wie Jordy Nelson, Julius Peppers, Clay Matthews, Randall Cobb oder John Kuhn.

 

Rodgers will "Ressource für die Organisation" sein

Die von ihm angestoßenen Diskussionen um mehr Mitspracherecht hätten sich über Monate hingezogen. Es habe sich keineswegs um ein "Draft-Ding" gehandelt. Rund um den Draft war die Öffentlichkeit nach einem Bericht von "ESPN"-Reporter Adam Schefter auf den Zwist aufmerksam geworden. Seither bestimmte er die Schlagzeilen.

"Allein schon in die Gespräche eingebunden zu werden, gibt einem das Gefühl, wichtig und respektiert zu sein", erklärte Rodgers bei seinem aufsehenerregenden Auftritt. Ihm gehe es vorm allem darum, "eine Ressource für die Organisation zu sein, die ich so sehr liebe".

Packers sollen Rodgers mit mehr Geld gelockt haben

Ob Letzteres auf Gegenseitigkeit beruht, daran darf angesichts der weiteren Worte der Nummer 12 zumindest gezweifelt werden. Offenbar sieht das Front Office im neunmaligen Pro Bowler nicht unbedingt die Zukunft des Klubs. Vielleicht auch ein Grund, warum Rodgers bei wichtigen Personalentscheidungen übergangen wurde.

So hätten ihn die Packers zwar mit mehr Geld ködern wollen, über eine Verlängerung des aktuellen Vertrags sei aber nie gesprochen worden. Dieser läuft zwar bis 2023, kann aber bereits im kommenden Jahr beendet werden.

Geld statt Liebe? Nicht mit Rodgers!

Rodgers fühlt sich wie "Lame-Duck-Quarterback"

Ein höheres Gehalt sei nie sein Ziel gewesen. Sondern: in die Zukunftsplanungen involviert zu werden. Über die aktuelle Spielzeit hinaus. Doch die Packers hätten immer nur von Jahr zu Jahr geschaut, weshalb sich Rodgers schon wie ein "Lame-Duck-Quarterback" gefühlt habe. Quasi ein Superstar auf Abruf.

So lassen sich wohl kaum Ausnahmekönner in den hohen Norden locken, die gerne mal mit einem der besten NFL-Profis ihrer Zeit zusammenspielen wollen. Schließlich könnte es ein äußerst kurzes Vergnügen werden.

Rodgers erwartet "heftige Diskussionen" nach Saison

Berichte, wonach er 2022 frei über seine Zukunft entscheiden könnte, dementierte Rodgers derweil. Ihm sei kein Trade zugesichert worden. Noch lasse sich nicht konkret sagen, wie es nach dieser Saison weitergehe.

Nur so viel: "Es wird einige heftige Diskussionen am Ende des Jahres geben. Ich werde dieses Jahr einfach genießen." Rodgers will sich aber auch nicht in die Opferrolle der bösen Kluboberen begeben: "So ist das Geschäft."

Rodgers "zu 100 Prozent überzeugt"

Dennoch gab er auch zu, durchaus über sein Karriereende nachgedacht zu haben. Doch zuletzt habe eine Kehrtwende stattgefunden: "Wir haben in den vergangenen Tagen einige Dinge geklärt und jetzt bin ich hier."

Was das bedeutet, schob Rodgers auch hinterher: "Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht zu 100 Prozent überzeugt wäre." Ob die vergangenen Tage aber bereits einen kompletten Stimmungsumschwung mit sich gebracht haben?

Gutekunst schmiert Rodgers Honig ums Maul

Brian Gutekunst, der vor Rodgers sprach und dabei bemüht zu sein schien, kein Öl ins Feuer zu gießen, setzt auf einen motivierten Starspieler. "Ich denke nicht, dass ich ihn jemals auf das Feld gehen gesehen habe und er hat nicht alles gegeben. Da bin ich immer zuversichtlich gewesen", stellte der General Manager klar.

Und weiter: "Er ist ein echter Wettkämpfer, er ist ein echter Profi. Wenn er zwischen diesen weißen Linien steht, habe ich ihn nie anders wahrgenommen."

"Rodgers hat sich Platz am Tisch verdient"

Andere Sätze von Gutekunst lassen zumindest den Eindruck aufkommen, beide hätten sich nicht unbedingt abgesprochen. Wie etwa dieser: "Aaron hat den gleichen Input wie immer und das ist eine Menge. Er hat sich einen Platz am Tisch verdient." Nach Rodgers' Geschmack war es bislang ja ganz offensichtlich nicht genug Input.

Ein anderes Beispiel: "Ich kann nur sagen, dass sich nicht nur die Mitarbeiter unserer Organisation, sondern auch Aaron und seine Vertreter sehr bemüht haben, eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird. Ich habe ein gutes Gefühl bei dem, wo wir stehen."

Liest sich nicht so, als wäre der GM vollends überzeugt und das letzte Wort zwischen beiden Parteien schon gesprochen. Zumal Rodgers mit seiner Verbalattacke par excellence die Entscheider um Gutekunst bloßgestellt haben dürfte.

Marcus Giebel

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