Aaron Rodgers und Matt LaFleur. - Bildquelle: imago images/Icon SMIAaron Rodgers und Matt LaFleur. © imago images/Icon SMI

München - Zahlen lügen manchmal doch. Oder sie sagen zumindest nicht immer die ganze Wahrheit. 

Denn glaubt man ihnen, absolviert Aaron Rodgers eine höchstens durchschnittliche Saison. Sein Passer Rating von 92.8 ist zum Beispiel das zweitschlechteste, seit er Starter bei den Green Bay Packers ist. 

Überhaupt, hat "The Athletic" jetzt festgestellt, sind seine Zahlen auf dem absteigenden Ast. Was zum Beispiel bei der Completion Percentage nicht von der Hand zu weisen ist. 2011 lag die bei 68,3, inzwischen hat er sich stetig auf eine 62,6 verschlechtert.

Alarmierende Zahlen?

Hinzu kommt: Wirft er so weiter, hat er am Ende dieser Saison für 21 Touchdowns geworfen. So wenige wie noch nie, wenn er eine volle Saison gespielt hat.

Alarmierend? Eben nicht. Dann schon eher die Personalprobleme, denn Rodgers hat so wenige Top-Targets wie schon lange nicht mehr zur Verfügung. 

Gleich vier Passempfänger drohen gegen die Oakland Raiders auszufallen. Star-Receiver Davante Adams verpasste bereits die letzten beiden Partien wegen einer Fußverletzung, am Mittwoch konnte er erneut nicht am Trainingsbetrieb teilnehmen. Tight End Jimmy Graham plagt eine Verletzung am Knöchel. 

Dazu verletzten sich die Receiver Marquez Valdes-Scantling und Geronimo Allison, der eine am Knöchel und am Knie, der andere erlitt eine Gehirnerschütterung. Ryan Grant wurde vergangene Woche verpflichtet, Allen Lazard, Darrius Shepherd und Jake Kumerow sind die weiteren Receiver im Depth Chart. Das einzige verbliebene Top-Ziel ist demnach Running Back Aaron Jones.

Doch in diesem Moment fallen einige Dinge zusammen, weshalb die Packers trotz eines eher durchschnittlichen Quarterback-Superstars und trotz vieler Verletzter bei 5-1 stehen.

Defense trägt einen Teil der Last

Zum einen trägt die Defense eine Menge der Last, die früher Rodgers übernehmen musste. 19,2 Punkte im Schnitt lässt die von Defensive Coordinator Mike Pettine orchestrierte und stark verbesserte Defense zu, Platz neun in der Liga. 

Hinzu kommen sieben Interceptions (Platz vier) oder 18 Sacks (Platz sechs) durch Cornerback Kevin King oder die Linebacker Preston und Za'Darius Smith oder Blake Martinez. Eine Schwäche bleibt das Laufspiel, da lässt die Defense weiterhin 124,5 Yards pro Spiel zu - nur Platz 23 in der Liga.

Das System des neuen Head Coaches Matt LaFleur funktioniert immer besser, das eigene Laufspiel ebenfalls, und Rodgers findet sich immer besser zurecht. Und brilliert dann, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht, wenn es darauf ankommt. Als Anführer einer Horde Receiver, die fit schon nicht zum Besten zählt, was die Liga zu bieten hat.

Ein wichtiger Unterschied: Rodgers bleibt in der Pocket, hält sich an Vorgaben, spielt seine Stärken aus. Gegen die Lions im Monday Night Game warf er seine längsten Pässe über 21, 25, 35 und 46 Yards alle unter 3,5 Sekunden aus der Pocket. Seine Lösungen unter Druck sind immer noch eine Augenweide, wobei er oft auch als Game Manager auftritt. Und klar: Wie gegen die Lions hilft dann auch mal das Glück nach.

"Das ist eine Art der Ermutigung, die man ihnen gibt. Man muss verstehen, wie die Jungs auf bestimmte Arten von Coaching und Ermutigungen reagieren. Du musst sehr genau sein und den Ball für sie an die richtigen Stellen bringen. Wir halten uns gegenseitig auf einem sehr hohen Niveau", sagte Rodgers.

"Ich habe noch nie mit einem Mann zusammengearbeitet, der etwas aus nichts machen kann", sagte LaFleur. "Das hat er schon mehrmals gemacht. Er ist wahnsinnig genau und hat das totale Kommando da draußen. Es macht Spaß, zuzuschauen, und es macht viel Spaß, mit ihm zu arbeiten." 

Alles schön, doch den klarsten, den ungeschönten und den vielleicht ehrlichsten Blick bekommt man wohl am ehesten vom Gegner. 

Keine Lust auf Rodgers

Und Jon Gruden hat schon jetzt keine Lust auf Rodgers. Und meint das natürlich als Lob.

"Er ist großartig, er ist ungewöhnlich. Es macht Spaß, ihm zuzuschauen, aber ich hasse es, ihm zuzuschauen, wenn ich gegen ihn spielen muss. Er hat immer noch einen sehr schnellen Abzug, eine tödliche Genauigkeit, eine Menge Athletik, er ist ein großartiger Sportler", sagte der Head Coach der Raiders. "Der Typ schafft es, die Nadel einzufädeln und große Plays zu machen, wenn eigentlich nichts da ist."

Ja, und die Statistiken? Da ist Rodgers doch nicht mehr Rodgers? Oder?

Gruden ist einer, der es richtig macht: Er pfeift auf die Zahlen. "Ich liebe die Art, wie er spielt", schwärmt er. "Von den Statistiken wird mir übel. Ich weiß nicht einmal, was einige dieser Statistiken bedeuten. Ich weiß nur, dass er gewinnt."

Fünfmal in sechs Spielen bislang.

Und das ist am Ende tatsächlich die Zahl, die zählt. 

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