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München/Tampa Bay - Tampa ist eine nette Stadt, gelegen an der Tampa Bay, einer wunderschönen Bucht am Golf von Mexiko.

Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten kommen in den geschützten Mangroven-Gebieten vor, die Rundschwanzseekühe schwimmen zum Überwintern in die Bucht und genießen das warme Wetter Floridas. Alles in allem ein ziemlich paradiesischer Ort also.

Doch für Aaron Rodgers ist Tampa die Hölle.

Verletzungen erwischen Rodgers

Als junger Quarterback verletzte er sich 2008 in Tampa an der Schulter, 2014 erwischte es ihn an gleicher Stelle an der Wade.

Am Sonntag verließ der Quarterback das Spiel bei den Buccaneers zwar körperlich unversehrt, aber mit einer Niederlage im Gepäck, die wohl weder Rodgers noch sonst irgendjemand in dieser Deutlichkeit erwartet hätte.

Denn bis zum Sonntag hatten die Packers in dieser Saison fast perfekt gespielt, was vor allem an Rodgers lag. Mit beeindruckender Präzision verteilte der Quarterback die Pässe, der 36-Jährige brachte es auf außerordentliche Statistiken.

Keine einzige Interception unterlief ihm in den ersten vier Saison-Spielen, seit Beginn der Saison 2018 waren es insgesamt nur sechs.

Aaron Rodgers wirft fast nie einen "Pick Six"

Doch beim Stand von 10:0 für die Packers am Sonntagabend kam die bis dahin gut geölte Maschine aus Green Bay ins Stottern, wofür Rodgers verantwortlich war.

A-Rod warf eine Interception auf Jamel Dean, der Safety der Tampa Bay Buccaneers trug den Ball bis in die Endzone der Packers zurück. Ein Pick Six wirft Rodgers fast nie, in seiner seit 2005 andauernden NFL-Karriere passierte ihm dies insgesamt erst zum dritten Mal.

Dass ihm zwei dieser drei "Pick Six" in Tampa unterliefen, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Stadt einfach kein gutes Umfeld für den Gunslinger ist.

Der Pick Six am Sonntag war sein 6.215 Pass in der NFL, statistisch gesehen wirft Rodgers also bei einem von etwa 2.070 Würfen eine Interception mit anschließendem Touchdown des Gegners.

Weshalb es umso überraschender war, dass ihm zwei Pässe später fast der nächste Pick Six unterlaufen wäre. Bucs-Safety Mike Edwards wurde nach der Interception aber kurz vor der Endzone gestoppt. Trotzdem wirkten sich die beiden Plays fatal auf die Packers aus, die Mannschaft implodierte im Anschluss regelrecht.

Die 10:0-Führung der Packers verwandelten die Bucs um Quarterback Tom Brady in einen 38:10-Sieg.

"So eine Scheiße passiert", sagte Rodgers nach dem Spiel: "Ich habe nicht viele von diesen Dingern in den letzten Jahren gehabt. Aber der Wind hat ziemlich stark von rechts nach links geblasen. Ich habe mich eigentlich gut bei dem Pass gefühlt. Ich wusste, dass es eng wird, aber wir haben solche Würfe schon geschafft. Ich habe den Spot vielleicht um 30 Zentimeter verpasst. Und der Junge hat ein gutes Play gemacht."

Rodgers mit zweitschlechtestem Passer Rating seiner Karriere

Rodgers beendete das Spiel mit 160 Passing Yards, ohne Touchdown und mit den beiden Interceptions, was ein Passer Rating von 35,4 ergibt. Nur einmal 2014 gegen die Buffalo Bills hatte der Quarterback ein schlechteres Rating, wenn er Starter war und das Spiel nicht vorzeitig verletzt verließ.

Für den ungemütlichen Abend in Tampa war vor allem die Bucs Defense verantwortlich, die Rodgers immer wieder blitzte, es auf zwölf Quarterback-Pressures brachte und den routinierten Passgeber regelrecht jagte.

"Natürlich möchte man so nicht verlieren", sagte Rodgers: "Aber für mich hat es sich so angefühlt, dass wir einen Weckruf gebrauchen konnten. Alles lief so gut bisher und es wurde überall so viel darüber geredet, wie leicht wir den Ball bewegen und Punkte machen. Vielleicht brauchten wir einen Tritt in den Hintern."

Arroganz-Anfall von Rodgers

Dabei war auch Rodgers selbst zuletzt nicht gerade bescheiden aufgetreten. "Manchmal lache ich darüber, wenn Leute über meine schlechten Jahre sprechen. Weil viele meiner schlechten Jahre für die meisten anderen Quarterbacks Top-Jahre wären", hatte er in der "Pat McAfee-Show" gesagt.

Was natürlich stimmt. Aber sicherlich tragen solche Aussagen auch dazu bei, dass die gegnerischen Defenses noch ein Stück motivierter sind. Und die Aussagen fallen einem auf die Füße, wenn es dann doch nicht so gut läuft.

Scheinwerferlicht bei Battle of the GOATs

Anfang Dezember wird Rodgers 37 Jahre alt, 2010 konnte er den Super Bowl mit den Packers gewinnen. Es ist sein einziger Ring bisher, was eigentlich zu wenig ist für einen Spieler seiner Klasse. Tom Brady, sieben Jahre älter als Rodgers, hat ihm mit sechs Ringen einiges voraus.

Dass Rodgers ausgerechnet im Duell der beiden künftigen Hall-of-Famer eine so deutliche Niederlage einfuhr, wird ihn besonders geärgert haben. Und dürfte auch bei den Football-Fans nachhaltig in Erinnerung bleiben.

"Ich glaube, das Spiel war ein Ausrutscher, nicht der Beginn eines Trends", sagt Rodgers. Für Packers-Head Coach Matt LaFleur kam die Niederlage anscheinend aber nicht so überraschend.

"Man darf es sich nie bequem machen in dieser Liga", sagte er: "Sobald man es sich bequem macht, kriegt man den Arsch verhauen." Welche seiner Spieler er damit gemeint hat, blieb offen. LaFleur scheint durchaus nicht böse darüber zu sein, dass sein Überflieger-Team nun erstmal wieder geerdet wurde.

Der Super Bowl findet in Tampa statt

Die Houston Texans, die Minnesota Vikings, die San Francisco 49ers und die Jacksonville Jaguars sind die nächsten Gegner der Packers. Diese Spiele werden zeigen, ob die Packers an ihre Leistungen vor dem Spiel in Tampa anschließen können, oder ob tatsächlich eine größere Delle in der bislang so starken Saison droht.

Ein Super Bowl-Contender ist der Klub aus Wisconsin natürlich nach wie vor, daran ändert die erste Niederlage der Saison nichts. Allerdings gibt es einen großen Haken, was einen möglichen Super-Bowl-Run der Packers angeht: das NFL-Finale findet in Tampa statt.

Und das ist für Aaron Rodgers kein Paradies. Viel mehr die Hölle.

Christian Stüwe

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