Wie lange halten die Cowboys noch an Head Coach Jason Garrett fest? - Bildquelle: imago images / Icon SMIWie lange halten die Cowboys noch an Head Coach Jason Garrett fest? © imago images / Icon SMI

München/Dallas - Nach drei Niederlagen in Serie sind die Dallas Cowboys in der Krise angekommen. Zwar führt "America's Team" die NFC East mit einer Bilanz von 6-7 immer noch an, die Philadelphia Eagles (5-7) können gegen die New York Giants aber schon gleichziehen.

Die Kritik wird immer lauter. Daran können auch die Durchhalteparolen und Vertrauensbeweise von Besitzer Jerry Jones an Trainer und Spielern nichts ändern. Dennoch wirkt das Personal von Woche zu Woche immer ratloser ob der eigenen Leistungen und kommt vielmehr planlos daher - und das trotz eines von Stars gespickten Teams um Dak Prescott und Ezekiel Elliott.

ran.de zeigt, wo die Gründe für den Leistungseinbruch der Cowboys liegen.

 

Starke Offense kann Cowboys nicht tragen

Die bittere Erkenntnis der vergangenen Wochen: Auch die beste Offense der Liga in Sachen Passing-Yards (306,8 Yards pro Spiel) und Yards insgesamt (430,8) kann die Cowboys derzeit nicht zu Siegen führen.

Wenn Quarterback Prescott dann wie gegen die Chicago Bears einen schwächeren Tag erwischt, wird es fast aussichtslos. So ließen die Cowboys im Thursday Night Game nach früher Führung 24 gegnerische Punkte in Folge zu und konnten selbst über zweieinhalb Viertel nicht mehr scoren.

Was ist mit der starken Defense der Vorsaison passiert?

Im Jahr 2018 belegte die Defense der Cowboys in Sachen gegnerischer Yards pro Spiel mit 329,3 Yards den siebten Platz, den 13. Rang gegen den Pass (234,7 Yards pro Spiel), den fünften gegen den Lauf (94,6) und den sechsten in den gegnerischen Punkten (20,3). Bei der Verhinderung von Big Plays zählte das Team zu den besten fünf der Liga.

In Woche 13 der vergangenen Saison zeigte das Team die vielleicht beste Defensivleistung der jüngeren Vergangenheit, hielt die High-Scoring-Offensive der New Orleans Saints, die durchschnittlich 31,5 Punkte pro Spiel auflegte, bei lediglich zehn Punkten.

Diese Saison, vor der Niederlage in Week 13 gegen die Buffalo Bills, rangierte Dallas' Verteidigung auf Platz neun bei den gegnerischen Yards (321,6 pro Spiel), auf Platz sieben gegen den Pass (215,2), auf Platz 15 gegen den Lauf (106,4) und auf Platz acht bei den erlaubten Punkten (19,7).

An sich keine bahnbrechend schlechteren Zahlen als im Vorjahr. Aber ein Manko wird deutlich: Womit die Defense wirklich zu kämpfen hat, ist das Forcieren von Turnovern. Die Cowboys gingen als schlechtestes Team der NFL bei den Interceptions in das Duell mit den Bears, und verzeichneten bisher lediglich vier Takeaways.

Defensive-Backs-Coach Richard unter Druck

Ein Name, der dieser Tage neben dem längst angezählten Head Coach Jason Garrett immer wieder fällt, ist der von Defensive-Backs-Coach Kris Richard. In der Vorsaison, in seinem ersten Jahr, krempelte er die Defense komplett um und hob die Secondary auf ein deutlich höheres Level.

Richard galt lange als mögliche interne Lösung für die Nachfrage des in der Kritik stehenden Garrett. Diese Stimmen sind zuletzt immer leiser geworden.

Pass Rush der Cowboys schwächelt

Und nicht nur die Secondary schwächelt, auch der Pass Rush bereitet derzeit Probleme. In den vergangenen beiden Partien wurde dies besonders deutlich, als man gegen Teams mit durchschnittlichem Passspiel jeweils über 20 Punkte zuließ und die gegnerischen Quarterbacks den Großteil ihrer Pässe an den Mann brachten. Der Pass Rush fand wenig Zugriff, die Spielmacher der Gegenseite konnten in der Pocket frei agieren.

Bills-Quarterback Josh Allen brachte in der Vorwoche beim 15:26 starke 19 seiner 24 Pässe für 231 Passing Yards und einen Touchdown an den Mann. Trubisky machte es in Woche 14 noch besser und überzeugte mit 23 von 31 erfolgreichen Würfen für 244 Passing Yards, drei Touchdowns, bei nur einer Interception.

Ausfall von Vander Esch verschlimmert Defense-Sorgen

Aufgrund einer Nackenverletzung verpasste Outside Linebacker Leighton Vander Esch die vergangenen drei Partien - und wird wohl noch länger aussetzen. "Ich will zehn bis zwölf Jahre in der Liga spielen können. Nicht nur vier", wird Vander Esch am Dienstag von den "Dallas Morning News" zitiert. Die Franchise zeigt sich dennoch optimistisch, da der Spieler eine Operation umgehen konnte.

Der Einfluss Vander Eschs auf die Defense der Cowboys ist nicht von der Hand zu weisen. In seinem zweiten Jahr in der Liga brachte es der 23-Jährige bis zu seiner Verletzung in Week 7 gegen die Philadelphia Eagles auf 72 Tackles und drei abgefälschte Pässe.

In Abwesenheit von Vander Esch nehmen Joe Thomas und Routinier Sean Lee eine größere Rolle ein. Insgesamt zeichnet sich im Vergleich zum Vorjahr aber ein negativer Trend ab.

Haben die Cowboys ein Disziplin-Problem?

Die Abwesenheit von Vander Esch ist keinesfalls das Hauptargument für die schwächelnde Leistung der Defensive Backs, allerdings leidet das Kollektiv zweifellos darunter. Eine genaue Erklärung, woran es liegt, ist den Spielern aber auch nicht bekannt.

"Es gab Zeiten, in denen wir, glaube ich, gut gespielt haben, und andere Zeiten, in denen wir nicht gut waren", erklärte Safety Jeff Heath (seit sieben Jahren in der NFL) Mitte Oktober, als das Team schon einmal drei Partien in Folge verloren hatte: "Es ist wirklich schwer zu sagen, was der Hauptunterschied ist. Es ist aber so, dass wir insgesamt disziplinierter sein müssen."

DB-Coach Richard nahm seine Spieler in die Pflicht: "Es ist eine Frage der Zeit. Wir alle haben einen sehr hohen Anspruch an uns selbst. Sie sind mehr als fähig, das zu zeigen. Wir übernehmen die Verantwortung. Wir gehen da raus und wissen, dass wir Leistungen zeigen müssen." 

Durchhalteparolen. Und damit unbefriedigende und besorgniserregende Aussagen aus dem Lager der Texaner. Vor allem wenn man bedenkt, dass eben dieser Richard als Architekt der legendären Legion of Boom der Seattle Seahawks gilt.

Antworten auf die Defense-Krise der Cowboys findet aber auch er momentan nicht.

Daniel Kugler

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