München - Rund zweieinhalb Jahre ist es her, da erschütterte eine Horrorverletzung die NFL.

Am 18. November 2018 stand Quarterback Alex Smith für die damaligen Washington Redskins auf dem Feld. Im Spiel gegen die Houston Texans erlitt der Spielmacher bei einem Sack durch Kareem Jackson und J.J. Watt eine offene Spiralfraktur des Schien- und Wadenbeins.

Doch die Verletzung des Spielmachers war nicht einfach "nur" eine schwere Verletzung. Zwei Tage nach dem Spiel kämpfte Smith plötzlich um sein Leben. Immer wieder verlor er das Bewusstsein, hatte hohes Fieber.

Smith kämpfte gegen den Tod

Auch sein zerstörtes Bein veränderte sich dramatisch. Es wurde schwarz, riesige Blasen bildeten sich. Eine schwere Infektion und eine Blutvergiftung ließen den Quarterback in Lebensgefahr schweben. In einer Not-OP wurden Haut und Gewebe entfernt. Ein Vorgang, der nur einen Tag später wiederholt werden musste, weil sich fleischfressende Bakterien im Smiths Bein ausbreiteten.

In einer "ESPN"-Dokumentation schilderte seine Frau Elizabeth später: "Alex hat ein fleischfressendes Bakterium, das sich durch sein Bein frisst. Er hat eine Blutvergiftung und liegt im Sterben. Wir werden mit medizinischen Ausdrücken überflutet. Familie, Freunde, jeder ist aufgewühlt."

Doch der Sportler überlebt und beendet nun nach 16 Jahren in der NFL seine Football-Karriere – als der wohl beeindruckendste Comeback-Player der Geschichte.

Reha für den Quarterback schmerzhaft

17 Operationen musste Smith über sich ergehen lassen - zudem eine Muskel-Transplantation, die nur deshalb glückte, weil der Körper des Quarterbacks die Muskeln aus seinem linken Bein auch im rechten akzeptierte. Hätte er dies nicht getan, wäre dem Sportler eine Amputation wohl sicher gewesen.

Doch nicht nur die vielen Wochen im Krankenhaus, auch die Zeit danach verlangte ihm alles ab. Acht Monate lang wurde sein Bein mithilfe einer spektakulären Metallkonstruktion von außen fixiert. Das Laufen musste er quasi neu erlernen.

Daran geglaubt, dass ihm dies gelingen würde und vor allem, dass er wieder auf das Feld zurückkehren würde, hat Smith nicht.

"Vor zwei Jahren saß ich im Rollstuhl und blickte auf mein eingegipstes Bein und wusste nicht, ob ich jemals wieder mit meiner Frau spazieren gehen oder mit meinen Kindern im Garten spielen kann. Ich habe mich gefragt: 'War es das alles wert für ein dummes Spiel'", erinnert sich Smith in seinem Abschiedsvideo bei Instagram zurück.

Football in der Hand veränderte Alles

Doch während ihm eine vollständige Genesung oder eine Fortsetzung seiner Karriere weit weg erschien und ihn auch die nötige Motivation für den langen Weg manchmal zu verlassen schien, veränderte eine Aktion alles.

"Jemand hat etwas getan, was meine Reha komplett verändert hat. Er hat einen Football in meine Hand gelegt. Ich weiß nicht, was es war, aber plötzlich habe ich mich stärker gefühlt, mehr angetrieben. Das ist das, was dieses Spiel für mich getan hat."

Die Liebe zum American Football hat es Alex Smith ermöglicht, 693 Tage nach seiner Horror-Verletzung sein Comeback für die inzwischen zum Washington Football Team umbenannte Franchise zu feiern.

Mit Washington in die Playoffs

Am 11. Oktober 2020 wurde er im Spiel gegen die Los Angeles Rams eingewechselt. Im weiteren Saisonverlauf führte er sein Team in die Playoffs und wurde mehr als nur verdient als Comeback Player of the Year ausgezeichnet.

Mit der Entlassung durch das Washington Football Team und seiner Rücktrittsankündigung endet nun die NFL-Karriere des Spielmachers. Im ersten Moment könnte man meinen, dass eine Entlassung als letzter Akt eher trostlos zu sein scheint, doch das ist mitnichten der Fall.

Laut US-Medien hatte Smith Angebote diverser Teams vorliegen, doch er selbst entschied, seine Karriere im Alter von 36 Jahren - nach 16 Jahren in der besten Football-Liga der Welt - zu beenden.

Lange Zeit bei den 49ers

2005 hatten ihn die San Francisco 49ers an Position eins gedraftet und stattdessen Packers-Superstar Aaron Rodgers links liegen gelassen. Nach durchwachsenen Jahren in Kalifornien erlebte er später bei den Kansas City Chiefs seine wohl beste Zeit. Gleich dreimal wurde er zwischen 2013 und 2017 in den Pro Bowl berufen, für den jungen Patrick Mahomes war er ein wichtiger Mentor.

"Mit der Verletzung, die er hatte, sein Team in die Playoffs zu führen ist unglaublich. Das zeigt einem, was für ein Spieler er ist. Ich bin einfach dankbar für die Zeit, die ich mit ihm hatte. Er hat mir wirklich geholfen, der Quarterback zu sein, der ich heute bin", erklärte Mahomes zum Rücktritt des 36-Jährigen.

Für Alex Smith beginnt nun ein neues Leben – fernab der National Football League.

"Jetzt nehme ich mir Zeit, um Spaziergänge mit meiner Frau zu genießen. Und meine Kinder haben keine Ahnung, was im Hinterhof auf sie wartet."

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