Jared Goff und Sean McVay befinden sich in der Krise. - Bildquelle: gettyJared Goff und Sean McVay befinden sich in der Krise. © getty

München/Los Angeles - November 2018. Monday Night Football. Kansas City Chiefs at Los Angeles Rams. Jared Goff bedient 1:49 Minuten vor Schluss Gerald Everett zum entscheidenden Touchdown. Die Rams gewinnen einen historischen Shootout mit 54:51. Die Zukunft unter dem innovativen Head Coach Sean McVay scheint rosig zu sein.

November 2019. Monday Night Football. Baltimore Ravens at Los Angeles Rams. Buh-Rufe. Jared Goff wirft 1:28 Minuten vor Schluss seine zweite Interception, die die 6:45-Demütigung gegen die Baltimore Ravens perfekt macht.

"Ich weiß, dass ich einen besseren Job machen muss", nahm McVay die Niederlage frustriert auf seine Kappe. "Ich fühle mich dafür verantwortlich, unsere Spieler nicht perfekt vorbereitet zu haben".

Negative Entwicklung war absehbar

Tatsächlich wurden die Rams komplett überrumpelt. Die noch vor einem Jahr herausragende Offensive von Sean McVay ist nicht mehr wiederzuerkennen. Wie konnte das geschehen? Wer sind die Schuldigen für das Rams-Desaster?

Dass das Spielsystem von McVay zu knacken ist, deutete sich bereits in der Schlussphase der vergangenen Saison an. Mit den Knieproblemen von Todd Gurley geriet auch die Offensive ins Stocken.

Das machte sich vor allem bei Goff bemerkbar. Der Quarterback hatte plötzlich einige wacklige Spiele, unter anderem bei der Super-Bowl-Niederlage gegen die New England Patriots, bei denen die Schwächen des ehemaligen First-Overall-Picks gnadenlos offenbart wurden.

Goff wackelt

Geriet McVays Game Plan einmal ins Straucheln, begann auch bei Goff das große Nervenflattern. Vor allem unter Druck wurde das deutlich.

Zudem bekommt Goff große Probleme, wenn seine geplante Anspielstation gedeckt ist. Er geht zu inkonstant durch seine Reads und versteift sich zu häufig auf seinen bereits vor dem Spielzug angedachten Receiver.

Das führt zu Pässen, die für die Defense abfangbar sind. Laut "presnapreads.com" hatte Goff allein 2018 28 Pässe geworfen, die "interceptable" waren. Ein Pass wird nur als "interceptable" bewertet, wenn der Quarterback offensichtlich einen Ball schlecht platziert. Wird ein Pass abgefälscht oder ein Receiver läuft eine falsche Route, geht eine Interception nicht in die Statistik "interceptable" ein. Mit 28 schlecht platzierten Pässen rangierte Goff auf dem drittletzten Platz. Nur noch vor Sam Darnold und Ben Roethlisberger.

Diese Alarmglocken ignorierten die Rams jedoch im Sommer. Goffs Vertrag wurde vorzeitig um vier Jahre und 134 Millionen Dollar, wovon die Rekordsumme von 110 Millionen Dollar garantiert ist, verlängert.

Offensive Line ist ein Problem

Dafür ließ General Manager Les Snead in der Free Agency unter anderem Guard Roger Saffold ziehen. Was zunächst als Randnotiz erschien, offenbarte sich in dieser Saison als gravierender Verlust.

Stellten die Rams im vergangenen Jahr laut "ESPN" in Sachen Pass Protection noch die beste Offensive Line, rangiert Los Angeles in dieser Spielzeit nur auf Platz 23 beim Pass.

Das macht sich konkret bei Goffs Leistung bemerkbar. Der 25-Jährige steht in dieser Spielzeit mit einem Passer Rating von 80,3 nur über Andy Dalton, Ryan Fitzpatrick, Jeff Driskel, Dwayne Haskins und Josh Rosen.

Davon wollte der Quarterback jedoch nichts wissen.

 

"Es beginnt bei mir", sagte Goff nach der Niederlage gegen die Ravens. "Ich muss einen besseren Job machen. Ich habe einige Würfe verfehlt. Ich kann keinen Grund nennen, warum wir aktuell unsere Leistung nicht abrufen können. Wir haben mehrere Probleme".

Damit traf Goff den Nagel auf den Kopf.

McVay stagniert

Denn der Quarterback ist nicht das einzige Problem bei der aktuellen Rams-Krise. Auch der im vergangenen Jahr gefeierte McVay muss sich hinterfragen. Die Rams spielten 2018 fast ausschließlich im 11-Personal (drei Wide Receiver, ein Tight End, ein Running Back) und agierten aus dieser Formation unglaublich variabel.

 

Mittlerweile hat die Liga jedoch darauf reagiert, Defenses attackieren Goff vor allem mit spätem Druck. Bisweilen fielen McVay dagegen keine Antworten ein.

Im Gegenteil: Es hat den Anschein, dass der Head Coach seinem Quarterback nicht mehr das Vertrauen schenkt. Wie sonst können ängstliche Play Calls, wie beispielsweise ein Lauf bei 3rd&10 gegen die Ravens, erklärt werden? Außerdem sind die Rams das Team, das am seltensten einen vierten Versuch ausspielt.

Rams sind im Win-Now-Modus

Trotz der offensichtlichen Probleme kam General Manager Snead dennoch zur Erkenntnis, dass die Rams im Win-Now-Modus sind, und holte kurz vor der Trading-Deadline Jalen Ramsey für zwei zukünftige Erstrundenpicks aus Jacksonville. Für ein Team, das aktuell im Titelrennen keine Rolle spielt, ein viel zu aggressiver Schritt.

Um Ramsey in Zukunft bezahlen zu können, schickte Snead den talentierten Cornerback Marcus Peters für einen Spottpreis (einen Drittrundenpick und Linebacker Kenny Young) nach Baltimore.

Peters Statistiken seit dem Trade? Drei Interceptions und zwei Touchdowns. Ramsey konnte seinen Preis hingegen noch nicht rechtfertigen.

Hat Les Snead sich verzockt?

Durch die zahlreichen Trades der vergangenen Jahre stehen den Rams in den kommenden beiden Drafts nur sieben von 14 Picks zur Verfügung, darunter kein einziger Erstrundenpick. Nimmt man die teuren Verträge von Brandin Cooks (81 Millionen Dollar, 49 garantiert), Gurley (60 Millionen Dollar, 45 garantiert), Aaron Donald (135 Millionen Dollar, 87 garantiert) und Goff dazu, bleibt den Rams in den kommenden beiden Jahren keine andere Möglichkeit, als mit allen Mitteln einen weiteren Super-Bowl-Run anzupeilen.

Denn spätestens seit dem Move um Ramsey sind die Rams All-In. Im Moment wirkt es so, als hätten sie sich damit verzockt.

Raman Rooprail

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