WWE-Star Brock Lesnar versuchte im Jahre 2004 sein Glück in der NFL bei den ... - Bildquelle: imago/ZUMA PressWWE-Star Brock Lesnar versuchte im Jahre 2004 sein Glück in der NFL bei den Minnesota Vikings © imago/ZUMA Press

München - Er ist eine Ikone des Wrestlings. Brock Lesnar trägt bereits zum fünften Mal den WWE Championship Gürtel, stand gegen Legenden wie den Undertaker oder John Cena im Ring und wird auch bei WrestleMania 36 (ProSieben MAXX und ran.de übertragen in der Nacht von Samstag auf Sonntag ab 0 Uhr die Preshow) im Fokus stehen, wenn er gegen Drew McIntyre antritt. 

 

Dabei hätte der heute 42-Jährige viel lieber auf dem Football-Feld gestanden.

Lesnar spielte an der High School American Football und träumte, wie fast jeder Jugendliche, von der NFL. Am College spielte er allerdings kein Football, sondern fokussierte sich auf Kampfsport.

Tryout bei den Tampa Bay Buccaneers abgelehnt

Dennoch behielten ihn die Talentscouts der NFL im Auge. Tony Dungy, der damals Trainer der Tampa Bay Buccaneers war, wollte ihn zum Probetraining einladen. Gleichzeitig hatte er allerdings ein lukratives Angebot von der Wrestling-Liga WWE auf dem Tisch liegen – und zwar mit einem Jahresgehalt von 250.000 US-Dollar.

Lesnar entschied sich aus finanziellen Gründen für Wrestling. "Ich war ein Kind aus South Dakota und hatte nicht einmal zwei Geldmünzen in der Tasche", verriet er später gegenüber "Yahoo Sports".

"Der WWE-Deal war eine sichere Sache. Sie haben mir das Geld garantiert, während ich im Football lediglich eine Einladung für ein Tryout hatte. Also entschied ich mich für die WWE. Aber ich habe es immer bereut, nicht zuerst das Tryout versucht zu haben."

Abschied nach WrestleMania XX

Im Wrestling startete er durch und entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum Superstar. Umso überraschender, dass er sich im März 2004, direkt nach WrestleMania XX, aus der WWE zurückzog und auf die Karte American Football setzte.

Ein mutiger Schritt: Lesnar brachte zwar die Statur und Athletik für einen guten Defensive Tackle mit, hatte aber seit der Schulzeit keine Football-Ausrüstung mehr getragen.

Damals sagte er: "Ich hatte drei wundervolle Jahre in der WWE, wurde zuletzt aber immer unglücklicher. Es war immer mein Wunsch, Profi-Football zu spielen. Ich möchte mich nicht mit 40 Jahren fragen müssen, ob ich es geschafft hätte oder nicht."

Dass seine Entscheidung viel Kritik hervorrief, teilweise sogar belächelt wurde, störte ihn nicht: "Die Leute sagen, ich könne kein Football spielen. Das ist ein Witz. Ich sage, ich kann Football spielen. Ich bin genauso ein guter Athlet wie viele Leute in der NFL, wenn nicht sogar ein besserer."

Die Rolle des Underdogs schien ihm sogar zu gefallen. "Ich musste immer um alles kämpfen", stellte er klar. "Ich war auch im Amateur-Wrestling nicht der beste Techniker. Aber ich war stark, hatte eine großartige Kondition und die erforderliche Härte. Niemand konnte mich brechen. Solange ich diese Einstellung beibehalte, ist es mir egal, was andere denken."

Erst die NFL Combine, dann der Unfall

Voller Ehrgeiz bereitete sich Lesnar auf die NFL-Saison 2004 vor. Gemeinsam mit den ehemaligen NFL-Profis Ty Parten und Seth Joyner absolvierte er in Arizona ein Workout. Mit Erfolg: Bei der NFL Combine zählte Lesnar zu den positiven Überraschungen.

Mehrere Teams bekundeten danach Interesse – vor allem die Minnesota Vikings.

Dann der große Rückschlag: Im April zog er sich bei einem Motorradunfall schwere Verletzungen zu. Der Kiefer war gebrochen, die Hand ebenfalls, sogar die Hoden wurden ernsthaft verletzt. Aufgeben war für Lesnar trotzdem keine Option.

Drei Monate nach seinem Unfall galt er als geheilt, befand sich zudem in einer körperlich guten Verfassung. Die Belohnung: Pünktlich zur Saisonvorbereitung unterschrieb Lesnar einen Vertrag bei den Vikings. Seine Einsatzbereitschaft und Moral galten als vorbildlich. In den Preseason-Spielen sammelte er erste Spielpraxis.  

Angebot aus der NFL Europe abgelehnt

Gleichwohl kamen auch seine Schwächen zum Vorschein: Ihm fehlte es an Spielverständnis und Technik, um den Anforderungen eines NFL-Spielers gerecht zu werden.

Auch körperliche Defizite waren erkennbar: Die vielen Kämpfe und der Reisestress (als WWE-Profi war er 280 Tage im Jahr unterwegs) hatten ihre Spuren hinterlassen.

Kurz vor dem Saisonstar fiel Lesnar dem Cut zum Opfer. Für das Jahr darauf erhielt er das Angebot, in die NFL Europe zu gehen und dort möglicherweise Spielpraxis zu sammeln. Vielleicht hätte er danach eine neue Chance in der NFL bekommen. Doch Lesnar lehnte das Angebot ab.

Trotz seines Ehrgeizes musste er einsehen, dass seine Fähigkeiten im Football nicht genügten. "Man muss sich sicher fühlen. Aber das war bei mir nicht der Fall", verriet er später.

 

"Im Trainingslager der Vikings wurde mir bewusst, dass ich völlig unvorbereitet war. Ich dachte mir: Was mache ich hier überhaupt? Aufgrund meiner mangelnden Erfahrung hatte ich das Gefühl, dass das nicht das Richtige für mich sei."

Also kehrte er in den Kampfsport zurück, war zunächst im New Japan Pro Wrestling aktiv, später auch in der Ultimate Fighting Championship (UFC). Seit dem Jahre 2012 kämpft er wieder in der WWE.

Und das Wichtigste für ihn: Lesnar wird sich niemals vorwerfen müssen, es im American Football nicht versucht zu haben.

Oliver Jensen

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