Andrew Luck kämpft mit den Colts um die Playoffs - Bildquelle: Getty ImagesAndrew Luck kämpft mit den Colts um die Playoffs © Getty Images

München/Indianapolis - Vierter Versuch der Indianapolis Colts im Spiel gegen die Miami Dolphins. Noch ein Yard zu gehen. Knapp vier Minuten vor der Halbzeit. Backup-Quarterback Jacoby Brisett wirft einen Pass auf den als Receiver aufgestellten Andrew Luck. Der erste Catch seiner NFL-Karriere, den er mit einem ordentlichen Hit auf seine anfällige Schulter bezahlt.

Gewachsenes Selbstvertrauen

Man konnte förmlich spüren, wie das gesamte Stadion in Indy für einen Moment den Atem anhielt. Kein Wunder, denn ihr Quarterback kam gerade erst aus einer schier nicht enden wollenden Zwangspause zurück – und das in absoluter Topform. Alles ging gut und der Spielzug zeigte eindrücklich, dass Luck die Angst vor einer erneuten Verletzung längst abgelegt hat.

Zwei Stunden später hatte er die Colts trotz zwischenzeitlichem Zehn-Punkte-Rückstand mit einem starken Game-Winning-Drive zum fünften Sieg in Folge geführt. Sein 16. Comeback-Sieg bei Rückstand im letzten Viertel (nur sechs Quarterbacks seit 2010 haben mehr). Die Playoffs sind auf einmal wieder in Sichtweite. Und Lucks Selbstvertrauen stärker denn je.

 

Karriere-Bestwerte sind möglich

Genau 617 Tage sind zwischen Andrew Lucks vorerst letztem NFL-Spiel und dem Auftakt der Regular Season 2018 vergangen. Viele Hoffnungen ruhten auf ihm. Dass der 29-Jährige die Erwartungen auf diese Weise übertreffen würde, konnte allerdings niemand vorhersehen.

Die Zahlen sprechen für sich. Derzeit steht Luck bei 282,9 Passing-Yards pro Spiel, die er bisher nur in seiner Mega-Saison 2014 überbieten konnte (297,6). Die Completion-Percentage von 68,4% und das Passer-Rating von 102,7 sind deutliche Karriere-Bestmarken. Mit 32 Passing-Touchdowns ist er zudem der zweitbeste Signal Caller der Liga und steuert auch hier auf einen Karriere-Highscore zu.

Einzige Schwachstelle: Er warf bereits elf Interceptions. Hier sind nur Ben Roethlisberger, Ryan Fitzpatrick (beide 12) und Sam Darnold (14) schlechter als der Nummer-Eins-Pick von 2012.

Luck auf Rekordjagd

Noch erstaunlicher ist allerdings Lucks Kontinuität. Im Duell gegen die Dolphins warf er zum achten (!) Mal in Folge mindestens drei Touchdown-Pässe und stellte damit den Franchise-Rekord von Peyton Manning ein. Zwei weitere solcher Auftritte fehlen, um mit dem NFL-Rekord von Tom Brady gleichzuziehen. Mit insgesamt 164 Passing-Touchdowns steht er auf Platz sieben der Quarterbacks mit den meisten Touchdown-Pässen in ihren ersten sieben Spielzeiten.

Darüber hinaus warf er gegen die Dolphins zum 31. Mal in seiner Karriere Pässe für mehr als 300 Yards. Das bedeutet Platz zwei für Quarterbacks in ihren jeweils ersten sieben NFL-Jahren. Was beide Statistiken jedoch so herausragend macht: Eineinhalb Spielzeiten seiner ersten sieben NFL-Jahre hat Luck verletzungsbedingt verpasst.

O-Line hat großen Anteil am Erfolg

Dass ein starker Quarterback allein natürlich noch lange nicht reicht, weiß auch Luck und gibt das Lob an seine Vordermänner weiter. "Die O-Line macht einen großartigen Job. Sie sind zu einem Großteil für alles Positive dieser Offensive verantwortlich", sagte der 29-Jährige, nachdem er gegen die Jaguars, die sich vergangene Saison noch in "Sacksonville" umbenannt hatten, nicht einmal zu Boden gebracht wurde.

Erst in dieser Woche beendeten die Dolphins die Serie der Colts von fünf Spielen ohne einen einzigen zugelassenen Sack. Einzig Saints-Quarterback Drew Brees (10) wurde in dieser Saison einmal weniger gesacked als Luck (11).

 

Cleveres Vorgehen bei den Drafts

Hätte man den Colts-Fans diese Statistiken vor der Saison vorgelegt, hätten sie sich wohl vor Staunen die Augen gerieben. Denn die O-Line war lange das große Sorgenkind in Indianapolis. In der Saison vor Lucks Schulterverletzung musste er in 15 Spielen satte 41 Sacks wegstecken.

An dieser positiven Entwicklung hat vor allem General Manager Chris Ballard seinen Anteil. Mit jeweils frühen Draft-Picks holte er 2016 Center Ryan Kelly (1. Runde) und in diesem Jahr die Guards Quenton Nelson (1. Runde) und Braden Smith (2. Runde) ins Team. Die drei waren von Beginn an verlässliche Stützen der wohl am meisten verbesserten O-Line der Liga.

Zuletzt landete Ballard mit der Verpflichtung von Free Agent Eric Ebron einen weiteren Volltreffer für die Offensive. Der 25-Jährige fing in dieser Saison schon elf Touchdown-Pässe von Luck und damit mehr als jeder andere Tight End in der NFL. Bezeichnend: In seinen vorherigen vier Spielzeiten bei den Detroit Lions kam Ebron insgesamt auf dieselbe Anzahl.

Aufschwung macht Hoffnung

Mit Andrew Luck als Starter weisen die Colts eine Bilanz von 49 Siegen bei 32 Niederlagen auf. Setzt dieser seinen Höhenflug fort, dürfen sich die Fans und Verantwortlichen sowohl Hoffnungen auf die Playoffs als auch auf eine erfolgreiche Zukunft machen.

Beginnt der Quarterback jetzt auch noch, regelmäßig Bälle zu fangen, können die Konkurrenten um die Auszeichnung zum Comeback-Player oft the Year ihre Hoffnungen wohl frühzeitig begraben.

Von Maximilian Barz

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