Kämpfer: Artie Burns. - Bildquelle: imago/ZUMA PressKämpfer: Artie Burns. © imago/ZUMA Press

München – Artie Burns weiß, wie man kämpft. Das hat der Cornerback früh gelernt. Vor allem abseits des Platzes. So traurig es ist: Das Schicksal ist eben oft die beste Charakterschule. 

Die harte Tour härtet ab.

Er kam 2016 als Erstrundenpick der Pittsburgh Steelers in die NFL, da hatte er bereits seinen Vater ans Gefängnis verloren, die Mutter mit gerade einmal 44 Jahren an einem Herzinfarkt. 

Er war deshalb verantwortlich für seine beiden jüngeren Brüder, beide Teenager, 16 und 13 Jahre alt. Daneben hatte er selbst einen Sohn, heute sind es zwei.

Kein Besuch in 13 Jahren

Von ihnen kann er seinem Vater nur erzählen, sie telefonieren. Denn besucht hat er ihn noch nicht, seit 13 Jahren nicht, er ist ganz offensichtlich noch nicht bereit dafür.

Das halbe Leben seines Sohnes sitzt Artie Tyrone Burns Senior im Gefängnis. Sein Fall ist kompliziert: Bei ihm im Auto war Kokain gefunden worden. 0,010 Gramm laut Polizeibericht, 138 Gramm laut Anklage. Angeblich ein Schreibfehler. Einer, der die Strafe mal eben auf 25 Jahre ausweitete, also verdreifacht hat. Er pocht darauf, dass er unschuldig ist. 

Burns bekam einen Deal angeboten, sieben bis acht Jahre. Doch dafür hätte er sich schuldig bekennen müssen. Was für ihn keine Option war. Zweimal hat er seitdem ein Berufungsverfahren angestrengt, beide Anträge wurden abgelehnt. Ein dritter Versuch läuft. Immer mit der Hilfe seiner Kinder, neben moralischer vor allem mit finanzieller. Anwälte kosten eben Geld.

"Ich will ihm helfen. Wenn ich in seiner Situation wäre, würde er das auch tun. Seit er es nicht mehr kann, will ich der Familie helfen. Ich hatte einen guten Vater, eine gute Kindheit", so Burns Junior. Sein Vater brachte ihn auch zum Football, trainierte mit ihm.

Kampf um die Zukunft

Artie Burns weiß, was Verantwortung ist. Deshalb weiß der 24-Jährige auch, was die Stunde bei den Steelers geschlagen hat. Seinen Job als Starter hat er nach zwei starken Jahren 2018 verloren. Ihm fehle es an Selbstvertrauen, heißt es von den Coaches. Wodurch er ihr Vertrauen gleich mit verlor. 

Immerhin: Burns bekam jüngst den Roster-Bonus in Höhe von 800.000 Dollar ausgezahlt. Was aber keine Garantie dafür ist, dass er den Cut übersteht. 

Mehr noch: Es sieht schwer nach Trennung aus. Burns geht in das letzte Jahr seines Rookie-Vertrags, die Option auf das fünfte Jahr haben die Steelers nicht gezogen. 

Burns wäre nach dieser Saison also Free Agent. Eine Tradition in Pittsburgh: Er wäre der 13. von 14 Cornerbacks, die von Head Coach Mike Tomlin gedraftet und nicht mit einem neuen Vertrag ausgestattet wurden.

Burns hat verstanden

Tomlin meinte zuletzt, Burns habe die "Dringlichkeit seiner Umstände" verstanden. Burns beißt also.

"Ich muss Konstanz zeigen, mein Talent, mein Verständnis, um wieder zu den Startern zu gehören", sagte er. Wenn nach 2019 nicht bei den Steelers, dann zumindest anderswo. Für seine Karriere. Seine Kinder, seine Brüder. Und seinen Vater. 

Aber Burns weiß ja, wie man kämpft. 

Andreas Reiners

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