Die Buffalo Bills haben die bitterste Niederlage in die Jahrtausend kassiert... - Bildquelle: Getty ImagesDie Buffalo Bills haben die bitterste Niederlage in die Jahrtausend kassiert - und blicken dennoch in eine rosige Zukunft. © Getty Images

München/Kansas City - Das Gipfelkreuz war schon in Sicht, doch kurz vor dem Höhepunkt ist die NFL-Saison für die Buffalo Bills beendet.

Die 24:38-Niederlage im Championship Game der AFC bei den Kansas City Chiefs - eine Enttäuschung, ganz klar. Doch mit etwas Abstand betrachtet lässt sich festhalten: Das war nur der Anfang!

 

Ungebrochener Stolz über historische Saison

So richtig in die Spur fanden die Bills im Arrowhead Stadium den ganzen Abend nicht. Sowohl in der Offense als auch in der Defense war die Fehlerquote schlicht zu hoch. "Wir haben nicht unser bestes Spiel gemacht, aber wir werden aus dieser Erfahrung lernen", stellte Head Coach Sean McDermott direkt nach dem Spiel fest. Es braucht keine großen Analysen, vielmehr wollen die Bills Mut aus dem Erreichten schöpfen.

Denn die Saison bleibt auch ohne den Einzug in den Super Bowl (Kansas City Chiefs vs. Tampa Bay Buccaneers, in der Nacht vom 7. auf den 8. Februar ab 0:40 Uhr live auf ProSieben und ran.de) eine der besten der Bills-Geschichte. Viermal nacheinder schaffte es Buffalo von der Saison 1990 an in das Spiel der Spiele, danach erreichten die Bills nie wieder ein Championship Game - bis zu diesem Jahr.

"Ich bin stolz darauf, dass wir einen so großartigen Aufstieg gemacht haben", gab sich McDermott nach der Partie dankbar ob der fantastischen Saison seines Teams, hielt aber auch mit seiner Enttäuschung über das verpasste Endspiel nicht hinterm Berg: "Manchmal ist es umso schwieriger zu verlieren, je weiter man kommt."

Mund abputzen und wieder aufstehen

Quarterback und Bills-Anführer Josh Allen war die Nervosität im bisher größten Spiel seiner noch jungen Karriere deutlich anzumerken. Der 24-Jährige zeigte eines der schwächeren Spiele seiner überragenden Saison. Mit 4544 Passing Yards legte er die fünftlängste Strecke aller NFL-Quarterbacks in dieser Regular Season zurück, auch seine 37 Touchdown-Pässe bedeuteten Rang fünf. Allen ist längst einer der besten Quarterbacks der Liga. Ein Aufstieg im Eiltempo.

Doch im Championship Game versagten ihm die Nerven. Nur 28 seiner 48 Pässe kamen an, zwei Touchdown-Pässe standen einer Interception entgegen, dazu wurde Allen viermal gesackt.

"Das Ergebnis heute Abend war nicht gut, aber ich bin super stolz darauf, wie unser Team die ganze Saison gekämpft hat und wie wir zusammengefunden haben", zeigte sich der unterlegene Quarterback auch im Moment der großen Niederlage als geborener Anführer.

 

"Es wird uns beflügeln. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir zurückkommen werden. Wir sind noch jung und werden nur noch besser. So sehe ich das. Wir sind nah dran", blies Allen schon kurz nach der Pleite zum Angriff. Die Buffalo Bills blicken in eine freudige Zukunft. Nicht nur wegen ihres jungen Quarterbacks.

Diggs steigt zum Star-Receiver auf

Ein Garant des revolutionären Erfolges: der Trade für Stefon Diggs. Der Wide Receiver kam vor der Saison von den Minnesota Vikings nach Buffalo und erreichte dort in Windeseile ein neues Level.

Mit 1535 Receiving Yards holte er die meisten aller Spieler in der Regular Season, harmonierte dabei perfekt mit seinem Quarterback - Josh Allen.

Diggs sprühte vor dem Spiel vor Energie, nach dem Spiel vor Emotionen. Der 27-Jährige blieb lange auf dem Platz stehen, während die Chiefs ihre AFC-Championship feierten. Trauer oder Trotz? Die Leistungen in dieser Saison sollten dem Star-Receiver und seinem Team ein "Jetzt erst Recht"-Gefühl geben.

Die Bills können auf das Star-Duo bauen. Beide aktuellen Verträge laufen noch bis nach der Saison 2022 - also noch zwei Spielzeiten.

Junge Qualität, wo das Auge hinschaut

Aber auch fernab des Leader-Duos um Allen und Diggs tragen einige weitere junge und hoffnungsvolle Spieler zum Erfolg bei - insbesondere in der Defense.

Cornerback Tre'Davious White zählt auf seiner Position ebenfalls zu den besten Spielern der NFL. Der 26-Jährige schaffte in der vergangenen Saison den Sprung zum All-Pro, in dieser Saison ließ er sogar noch Luft nach oben. White ist noch für weitere fünf Spielzeiten an die Bills gebunden.

Defensive Lineman Tremaine Edmunds steht ebenfalls kurz vor dem Sprung zum Starspieler. Der 22-Jährige spielt eine führende Rolle in der Defense, brachte in dieser Saison 119 Tackles aufs Board - und rangiert damit in den Top 20 aller NFL-Spieler. Edmunds' Vertrag läuft, wie der von Allen und Diggs, vorerst bis nach der Saison 2022.

 

Auch auf der Running-Back-Position hat Buffalo ein Ass im Ärmel. Mit Devin Singletary wartet ein weiteres Top-Talent auf seinen Durchbruch. Sowohl in der vergangenen als auch in der aktuellen Saison bekam der 22-Jährige mehr als 150 Läufe - für rund fünf Yards im Schnitt.

Zu wenig erfahrene Führungsspieler

Qualität über Qualität - was fehlt ist die Erfahrung. Zu wenig Spieler in führender Rolle auf dem Feld haben ausreichend Playoff-Erfahrungen nachzuweisen.

Einzig die beiden Center Micah Hyde und Mitch Morse sowie Defensive End Mario Addison sind Spieler, die das Team tragen und schon mehrere Jahre NFL-Erfahrung nachweisen können.

Hyde sagte nach dem Ausscheiden aus den Playoffs: "Man kann über die Saison sprechen, wir haben die Division gewonnen und es bis ins AFC Championship Game geschafft. Ich denke, das war gut für viele Leute, aber jeder in diesem Umkleideraum wollte mehr." Der Wille ist ungebrochen.

Den Bills bleibt nichts außer Arbeit - und das ist das Gute. Der Kader wird von Spiel zu Spiel besser und kann nun aus diesem Rückschlag lernen. Große Veränderungen braucht es hingegen nicht. Für McDermott, Allen, Diggs und Co. heißt es nun Aufstehen, Lernen und noch besser werden. Dann kann es in den nächsten Jahren zum ganz großen Wurf reichen.

Justin Werner

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