Odell Beckham Jr. sorgt weiterhin für Schlagzeilen - Bildquelle: 2020 Getty ImagesOdell Beckham Jr. sorgt weiterhin für Schlagzeilen © 2020 Getty Images

München – Wenn es um das Wohlbefinden von Odell Beckham Jr. geht, gibt es wohl kaum eine bessere Quelle als Jarvis Landry. Schon seit alten College-Zeiten an der LSU sind die beiden Receiver beste Freunde und kaum voneinander zu trennen. 

Wenn Landry also versichert, dass er seinen Kumpel zuletzt am College so glücklich erlebt hat wie aktuell, dann muss man ihm das erstmal glauben.

"Letztes Jahr musste er mit einer schweren Verletzung, und einer Operation umgehen. Er musste ein neues System lernen, war bei einem neuen Team und all das kann dich runterziehen. Es würde jeden runterziehen", so Landry vor drei Wochen gegenüber "WKYC", einem Fernsehsender aus Cleveland.  

Jetzt soll also alles viel besser sein, Beckham könne endlich befreit aufspielen. Das zeigte er bei dem überzeugenden Sieg gegen die Dallas Cowboys am vierten Spieltag. OBJ lieferte wahrscheinlich seine insgesamt beste Leistung im Trikot der Browns mit insgesamt 154 Scrimmage-Yards und drei Touchdowns.

Odell Beckham Jr.: "Ich bin angepisst"

Hört und liest man nun aktuelle Aussagen von Beckham selber, könnte man meinen, Landry hätte über den OBJ eines Parallel-Universums gesprochen. 

"Ich bin angepisst und an einem Punkt, an dem mich dieser ganze Scheiß nicht mehr interessiert. Es interessiert mich nicht mehr, zu versuchen, für die Welt wie ein guter Typ auszusehen."

Während der 38:7-Klatsche gegen die Pittsburgh Steelers machte der 27-Jährige weniger mit guten Leistungen als mit einem weiteren Ausraster an der Seitenlinie auf sich aufmerksam.

Nachdem er wenige Minuten vor Schluss mit Baker Mayfield und weiteren Startern von den Coaches aus dem Spiel genommen wurde, weil es sowieso nichts mehr zu retten gab, soll er laut "cleveland.com" unter anderem einen Wasser-Behälter geschlagen haben.

Odell Beckham Jr.: Rückfall in alte Muster

Außerdem habe er seinen Helm auf den Boden geschmissen, seine Schuhe und Handschuhe ausgezogen und mit Fans diskutiert. Was für Head Coach Kevin Stefanski „normale Frustration nach einer Niederlage wie dieser“ ist, wirkt eher wie das Rückfallen in alte Muster, von denen man sich nach dem positiven Saisonstart erhofft hat, sie vorerst nicht wieder zu sehen. 

Braucht es wirklich nur ein schlechtes Spiel mit zwei Receptions für 25 Yards gegen die aktuell stärkste Defense der Liga, um den angeblich "glücklichen" Beckham wieder dermaßen zum Ausrasten zu bringen?

Mit einer Bilanz von 4-2 stehen die Browns schließlich immer noch gut da und mischen weiter im Rennen um die erste Playoff-Teilnahme seit 2002 mit.

Odell Beckham Jr. vergleicht sich mit Tom Brady

Bei der Rechtfertigung seines Kontrollverlusts schreckt der Top-Receiver nicht davor zurück, sich mit Tom Brady zu vergleichen. "Ich liebe ihn über alles, aber es gibt Leute, die haben schon viele Ringe gewonnen und werden als 'GOAT' betitelt. Die haben ähnliche Dinge an der Seitenlinie gemacht. Da interessiert es aber keinen."

Bei Brady würden solche Dinge als "Leidenschaft" betitelt. "Es interessiert mich nicht, ob ich null Ringe, zwölf Ringe oder 20 Ringe habe. Ich liebe dieses Spiel und werde mich nicht verstellen, damit die Welt das Gefühl hat, ich würde mich erwachsen benehmen."

OBJ habe es satt, zu verlieren. Er habe es satt, gegen gute Teams zu verlieren und wolle einfach nur gewinnen und dementsprechend immer voran gehen: "Ich werde immer ich selbst sein."

Der große Unterschied zwischen OBJ und Tom Brady

Doch vielleicht liegt genau da das Problem. Die NFL ist ein Business und stets darauf bedacht, ein gutes Bild von sich abzugeben. Ausraster wie sie bei Beckham in aller Regelmäßigkeit auftreten, werden von den Teams nicht gerne gesehen. Das lässt sich einfach nicht gut vermarkten. 

Erst Recht nicht, wenn man gerade von einem Division-Rivalen gehörig auf die Mütze gekriegt hat.

Ja, auch Brady wurde häufiger dabei beobachtet, wie er seine Mitspieler an der Seitenlinie anschnauzt und seine Unzufriedenheit sichtbar nach außen trägt. Dabei allerdings zu sagen, es würde keinen interessieren, ist schlichtweg falsch.

Kaum ein Spieler polarisiert so sehr wie Tom Brady, keiner steht so im Scheinwerferlicht wie der "GOAT". Benimmt sich Brady daneben, läuft Twitter heiß.

Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischen Brady und Beckham. "TB12" hat sein Verhalten stets mit Ergebnissen untermauert. Wer seinem Team Beine macht und schließlich damit Spiele gewinnt, dem verzeiht man seine Ausfälle deutlich eher.

Was sollen die Kritiker schon sagen, wenn Brady seine Mitspieler während dem Spiel anmeckert, aber sie am Ende der Saison jubelnd in die Arme nimmt?

Odell Beckham Jr.: Zahlen befinden sich am Tiefpunkt

Dass es Beckham also nicht interessiert, wie viele Ringe er hat und dass er weiter er selbst bleiben wolle, zeugt von fehlender Einsicht, die er eigentlich längst erlangt haben sollte. 

 

Er wurde schließlich nicht umsonst als absoluter Superstar von den New York Giants weggetradet. Das Verhältnis zwischen erbrachter Leistung und Unruhe in der Kabine hat nicht mehr gestimmt. Und nicht umsonst gab es im vergangenen Sommer erneute Trade-Gerüchte um seine Person.

Karriere Tiefstwerte von lediglich 3,8 Catches und durchschnittlichen 53,2 Yards pro Spiel in dieser Saison helfen da nicht. Dazu fängt er nur 54,8 Prozent der Pässe, die er zugeworfen kriegt.

Passenderweise werden auch die Targets immer weniger – laut "NBC Sports" sind es nur noch sieben pro Spiel. Auch diese Zahlen sind Negativ-Rekorde seiner Karriere.

Die gute Nachricht ist, dass Beckham das nötige Talent hat, seine Zahlen wieder hochzuschrauben. Der Spielplan der Browns macht dahingehend etwas Hoffnung. Es stehen noch Spiele gegen die Bengals, Texans, Eagles, Jaguars, Giants und Jets an.

Dass Cleveland erneut die Playoffs verpasst, ist schon fast unwahrscheinlich.

Odell Beckham Jr.: Corona-Aussage zur Unzeit

Die schlechte Nachricht jedoch ist, dass es Dinge außerhalb des Football-Platzes gibt, die man nicht mit ein paar Touchdowns wieder gut machen kann. 

 

So tätigte er auf einer Pressekonferenz Aussagen zum Coronavirus, die in den Ohren eines bestimmten Aluhut-Klientels sehr gefährlich werden könnten.

"Ich meine das jetzt nicht arrogant, aber ich glaube nicht, dass ich COVID bekommen kann. Ich denke nicht, dass es in diesen Körper gelangen wird. Ich will damit nichts zu tun haben, es will mit mir nichts zu tun haben. Aus gegenseitigem Respekt."

Natürlich. Das Virus, das eine globale Pandemie ausgelöst hat, das die Existenz von Millionen Menschen gefährdet und das alleine in den USA 220.000 Menschen ihr Leben gekostet hat, schreckt aus Respekt vor einem Football-Spieler zurück.

Wie ernst es ihm mit seiner Aussage ist, kann man nicht genau sagen. Man wünscht sich aber, dass ihm mal jemand die gleiche Standpunkt hält, wie er es mit seinem Mitspielern bei schwachen Leistungen macht. Ob das jedoch hilft, wenn Beckham sich weiterhin vornimmt, "er selbst zu sein", ist fraglich.

Vielleicht könnte ihn sich sein bester Freund Jarvis Landry mal vorknüpfen. Aber warum sollte er, wenn sein Kumpel so glücklich wie zu College-Zeiten ist.

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