Die Karriere von Baker Mayfield (links) steht am Scheideweg. - Bildquelle: imago images/Icon SMIDie Karriere von Baker Mayfield (links) steht am Scheideweg. © imago images/Icon SMI

München/Cleveland – Rund zweieinhalb Jahre ist es her, dass die Cleveland Browns sich im Draft für Baker Mayfield entschieden haben. Damals wurde er bereits mit Superstar Drew Brees von den New Orleans Saints verglichen. Doch das entpuppt sich mittlerweile als Übertreibung.

"Ich wusste, dass er nicht Drew Brees ist. Baker Mayfield hat nicht diese Möglichkeiten. Wenn es schwierig wird, dann ist er maximal durchschnittlich", kritisiert Ex-NFL-Coach Rex Ryan den Signal Caller der Browns.

Eigentliche Stärke wird zum Problem

Der 25-jährige Quarterback konnte in seinem ersten Jahr bei den Browns dennoch direkt überzeugen. Er war auch der Grund dafür, dass die Browns vergangenes Jahr im Sommer sehr gehyped wurden. Doch die hohen Erwartungen konnten er und das gesamte Team damals nicht erfüllen und auch in diesem Jahr tut sich Mayfield wieder extrem schwer.

Dabei hat er vor allem seine Probleme mit der Genauigkeit, seine eigentliche Stärke. Während er in Oklahoma am College mehr als 68 Prozent seiner Pässe an den Mann brachte, sind seine Zahlen in Cleveland bisher enttäuschend. Im Rookie-Jahr waren es noch 63,8 Prozent, doch mit 59,4 Prozent 2019 und 60,6 Prozent in diesem Jahr ist er noch schwächer.

Diese Zahlen sind noch unglaublicher, wenn man überlegt, dass er mit Jarvis Landry, Odell Beckham Junior, David Njoku und Austin Hooper vier sehr starke Receiver hat. Gerade aber mit OBJ konnte er bisher keine Verbindung aufbauen.

 

Dazu produziert Mayfield noch viele Interceptions. Gegen die Pittsburgh Steelers warf er bereits zum elften Mal zwei oder mehr Pässe zum Gegner - wobei zu seiner Ehrenrettung gesagt sei, dass er gegen die Steelers verletzt ins Spiel gegangen sein soll. Dennoch: Nur Philip Rivers (12) und Jameis Winston (13) hatten seit 2018 mehr solche Spiele.

Mayfield hält den Ball zu lange

Auffällig wird die Regression bei der Genauigkeit auch bei den Würfen über mehr als zehn Yards. Dort sind alle Zahlen in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen. So halbierte sich fast die Note von "Pro Football Focus" bei solchen Pässen von 91,2 in 2018 auf 50,8 in diesem Jahr.

Das scheint Mayfield auch selbst zu merken, denn seine Versuche gehen runter. Nach 144 Würfen für mehr als zehn Yards ging die Anzahl dieses Jahr richtig in die Tiefe. Mit 35 Versuchen in diesem Jahr hat nur Jared Goff von den Quarterbacks, die bisher sechs Spiele absolviert haben, noch weniger solcher Pässe.

Mit ein Grund für diese Probleme ist die Zeit, die Mayfield für seine Pässe braucht. Während er als Rookie nur 2,66 Sekunden den Ball hielt, sind es mittlerweile 3,08 Sekunden – Liga-Höchstwert! Ebenfalls fehlt Mayfield jegliche Pocket-Präsenz, weswegen er immer wieder vermeidbare Sacks kassiert.

Nur mit Laufspiel funktioniert er

Zudem wurde gegen die Steelers wieder einmal deutlich, dass er das Team nicht tragen kann. Wenn er 27 Mal oder mehr in einem Spiel wirft, konnten die Browns nur zehn von 27 Spielen gewonnen. Besser sieht es aus, wenn er weniger wirft. Bei diesen Spielen feierte Cleveland sieben Siegen bei neun Spielen.

Er ist also gut, wenn das Laufspiel der Browns funktioniert. Doch sobald er das Team führen muss, scheitert er regelmäßig. Der gebürtige Texaner versucht dann meistens Dinge zu forcieren, die in diesen Situationen nicht angebracht sind. Darunter leidet sein Selbstbewusstsein, was immer häufiger sichtbar wird.

Einen großen Anteil daran werden auch die Hoffnungen der Browns-Fans an ihn haben. Er sollte die gesamte Franchise aus der Misere führen und sie ins gelobte Land, die Playoffs, führen. Das ist ein enormer Druck für einen jungen Mann, der ihm scheinbar und augenscheinlich sehr zu schaffen macht.

Des Weiteren kommt hinzu, dass Mayfield auch in zahlreichen Werbungen zu sehen ist, sein Fokus also nicht zwingend nur beim Football zu liegen scheint, und er sich unnötige Diskussionen mit Fans auf Twitter liefert. Auch seine zahlreichen weitere Schlagzeilen wie die Kritik am damaligen Teamkollegen Duke Johnson helfen seiner Performance auf dem Feld nicht weiter.

Was sollten die Browns tun?

Mayfield entwickelt sich so mehr und mehr zum Problem für die Browns. Daher könnten sie sich angesichts der vielen guten Quarterback-Talente im kommenden Draft um einen neuen Spielmacher bemühen. Zwar dürften die Top-Prospects wie Trevor Lawrence außerhalb der Reichweite sein, dennoch wird es auch in der zweiten oder dritten Runde noch spannende Spieler geben.

Somit droht die Zeit von Mayfield bei den Browns im allerschlimmsten Fall schneller abzulaufen als es dem ehemals als Heilsbringer gefeierten Quarterback lieb ist. Weder Head Coach Kevin Stefanski noch General Manager Andrew Berry haben ihn gedraftet. Zwar stützen die beiden ihren Signal Caller bisher, aber dennoch werden sie genauestens beobachten, wie sich Mayfield bis Saisonende präsentiert.

Sebastian Mühlenhof

Du willst die wichtigsten NFL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.