Alles im Griff: Baker Mayfield. - Bildquelle: imago/Icon SMIAlles im Griff: Baker Mayfield. © imago/Icon SMI

München/Cleveland – Die Körpersprache spricht Bände. Es gibt keine zwei Meinungen, keine falschen Interpretationen, keine Missverständnisse. 

(K)eine Geste, und alles ist gesagt. 

Baker Mayfield hat keine Lust auf seinen Ex-Coach. Der Quarterback der Cleveland Browns ist kalt wie Eis, als er auf Hue Jackson trifft. Ein leicht widerwilliger Handshake, ehe Jacksons Versuch, seinen früheren Quarterback zu umarmen, in einem unbeholfenen Klaps auf den Hinterkopf endet.

Ein paar Sekunden, in denen nichts gesagt wird, die aber so viel sagen. Dabei war ja durch das Spiel eigentlich schon alles gesagt.

 

Ein 35:20-Sieg bei den Cincinnati Bengals. 258 Yards. Dazu vier Touchdowns. Jeder Wurf in die Endzone ein Statement gegen den Ex-Coach, gegen den Mann, mit dem er nicht auf einer Wellenlänge war. 

Der Stachel sitzt tief

Und der Stachel sitzt tief.

"Er war hier, hat versucht uns zu sagen, dass wir für ihn spielen sollen. Dann geht er zu einem Team, gegen das wir zweimal im Jahr spielen", erklärte Mayfield später: "Jeder kann es so sehen, wie er will. Aber so fühle ich mich."

Enttäuscht. Vielleicht auch verraten. 

Es ist nicht eine einzelne Aktion für sich. Nicht nur, dass es die Bengals, die Division-Rivalen, sind. Ganze zwei Wochen war Jackson ohne Job, ehe er bei den Bengals anheuerte. Ein bisschen schnell für den einen oder anderen wie Mayfield. In den zwei Wochen hatte der 53-Jährige dann vielleicht auch medial ein bisschen zu viel und zu oft Werbung für sich gemacht. 

Die Antwort bekam er auf dem Platz. Aber nicht erst am Sonntag.

Es hat Klick gemacht

Denn seit Jackson gefeuert wurde, hat es "Klick" gemacht. Zwei Siege holten die Browns aus drei Spielen (verloren wurde gegen die Chiefs), und auch bei Mayfield hat es noch einmal einen Ruck gegeben.

Zuletzt gegen die Falcons und die Bengals kam er auf 474 Yards, sieben Touchdowns, Ratings von 151,2 und 143,9, dazu brachte er 85 und 73,1 Prozent seiner Pässe an den Mann. Interceptions: null. Sacks: null. Nimmt man den Zeitpunkt der Entlassungen von Jackson und Offensive Coordinator Todd Haley, kommt Mayfield in drei Spielen auf 771 Yards, neun Touchdowns und eine Interception. Sein Rating: 129,5. Seine Passgenauigkeit: 74 Prozent.

"Das ist das Ziel. Und das muss die Mentalität sein", sagte Mayfield, der ohne Jackson regelrecht aufblüht. Selbst die größten Pessimisten, von denen es in Cleveland aus der Tradition heraus sehr viele gibt, fangen an zu glauben, dass Mayfield nach einer Ewigkeit das historische Quarterback-Problem tatsächlich lösen könnte. Sogar auf Dauer.

Rookie-Kollegen ohne Chance

Seine 17 Touchdowns bislang sind Franchise-Rekord für einen Rookie. Er hat in den vergangenen fünf Spielen mindestens zwei Touchdown-Pässe geworfen: ebenfalls eine Bestmarke. Acht Spiele in Serie mit einem Touchdown-Pass gab es in Cleveland zuletzt in den 80er Jahren.

Im Ligavergleich muss er sich auch nicht verstecken, er klettert die Rankings nach oben. Seine Rookie-Kollegen Sam Darnold, Josh Rosen oder Josh Allen steckt er sowieso in die Tasche. Er zeigt und beweist mit jedem Spiel mehr, warum ihn die Browns an Nummer eins ausgewählt haben. Das Herz trägt er sowieso auf der Zunge, sein Mic'd up gegen die Falcons ist absolut hörenswert.

 

"Mit der zunehmenden Erfahrung wächst auch der Komfort", erklärt der 23-Jährige seine Schritte: "Ich muss nur rausgehen und meinen Job machen." Es wirkt trotzdem so, als habe die Entlassung des zweiterfolglosesten Coaches der NFL-Geschichte befreiend gewirkt. 

Dabei spielen Interimscoach Gregg Williams und der neue OC Freddie Kitchens eine tragende Rolle. Denn vor allem die Offense profitiert von neuen Spielzügen und einem anderen Playcalling, Kitchens neuer Ansatz mit kürzeren Drops und schnelleren Würfen wirkt. Mayfield nutzt nun nicht nur das ganze Feld, sondern auch die komplette personelle Palette als Ziele. Vieles läuft schneller, koordinierter, besser. "Es scheint alles zu funktionieren. Wir haben jetzt Leute, denen wir bei den Plays vertrauen", sagte Mayfield.

Und die Leute vertrauen ihm. Noch so ein Grund, warum sich Mayfield Woche für Woche gefährlich fühlt.

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