Teddy Bridgewater (links) könnte bei den New Orleans Saints die Quarterback-... - Bildquelle: 2018 Getty ImagesTeddy Bridgewater (links) könnte bei den New Orleans Saints die Quarterback-Ikone Drew Brees beerben © 2018 Getty Images

New Orleans/München - Es war nicht unbedingt der Vertragsabschluss, der in der Offseason für die größten Schlagzeilen gesorgt hat. Und doch war es beachtlich, dass sich Teddy Bridgewater im März mit den New Orleans Saints auf einen neuen Einjahresvertrag einigte. Und zwar aus zweierlei Gründen:

Zunächst einmal verdient der 26-Jährige in der bevorstehenden Saison 7,25 Millionen US-Dollar - voll garantiert. Kein Backup in der NFL kassiert so ein dickes Gehalt.

Genauso beachtlich ist, dass der Quarterback sich gegen eine Offerte aus Miami, immerhin seine Heimatstadt, entschied. Bei den Dolphins hätte er laut Medienberichten nicht nur mehr Geld kassiert, sondern wäre sogar der wahrscheinliche Starting-Quarterback gewesen. Erst nachdem Bridgewater in New Orleans unterschrieb, verpflichteten die Dolphins Ryan Fitzpatrick und später Josh Rosen.

Bridgewater kassiert als Backup für zwei Jahren 12,25 Millionen Dollar

Doch warum verzichtet ein Spieler auf ein dickes Gehalt und einen Stammplatz? Genauso gut lässt sich die Frage stellen, warum die Saints inklusive der vergangenen Spielzeit ganze 12,25 Millionen US-Dollar für einen Ersatzspieler bezahlen und zudem einen Drittrundenpick für seine Verpflichtung geopfert haben.    

Die logische Antwort: Bridgewater soll der Nachfolger des 40-jährigen Drew Brees werden, der in sein letztes Vertragsjahr geht. Im bevorstehenden Preseason-Spiel gegen die Los Angeles Chargers (ProSieben MAXX und ran.de übertragen am Sonntag live ab 21:35 Uhr) kann Bridgewater seine Ambitionen untermauern.

Bridgewater: "Ich bin nicht Drew, aber Drew ist hier der Standard"

Bridgewater weiß, in welch große Fußstapfen er treten würde. Brees ist seit dem Jahre 2006 das Gesicht der Franchise, führte das Team zum Super-Bowl-Sieg und wird als zukünftiger Hall of Famer auch über sein Karriereende hinaus in New Orleans allgegenwärtig sein.

Der Quarterback ertappte sich selber bei dem Versuch, sich zu einer Kopie von Brees zu entwickeln. "Ich musste einen Schritt zurück machen und mir selber sagen: Hey, ich bin nicht Drew, aber Drew ist hier der Standard", sagt Bridgewater. "Diese Denkweise führt zu Perfektion und Exzellenz, aber gleichzeitig muss man sich daran erinnern, man selber zu sein. Ich versuche die Dinge so zu machen, wie Drew es tun würde, drücke dem aber meinen eigenen kleinen Stempel auf." 

Bridgewater überzeugte gegen die Vikings

Bridgewater nutzt die Preseason, um sich als potentieller Brees-Nachfolger zu empfehlen. Seine Leistung: beachtlich. Im ersten Vorbereitungsspiel gegen die Minnesota Vikings brachte er 14 seiner 19 Pässe für 134 Yards an den Mann, warf einen Touchdown-Pass und blieb ohne Interception. "Ich hatte das Gefühl, dass er sich auf dem Spielfeld wohlgefühlt hat. Er brachte den Ball schnell an den richtigen Mann", lobte Head Coach Sean Payton.

Für den Passgeber war das Duell mit den Vikings kein Spiel wie jedes andere. Traf er doch auf sein Ex-Team, wo er einst zum Superstar mutierte, wo er aber auch die Schattenseiten des Profisports kennenlernte.

Der Absturz: Eine Verletzung wie aus dem Krieg

Ein kleiner Rückblick: Im Jahre 2014 wurde Bridgewater in der ersten Runde an Position 32 von den Vikings gepickt. Nach der Verletzung von Starting-Quarterback Matt Cassel begann der rasante Aufstieg: In der Saison 2014 wurde er zum Rookie of the Year ernannt, 2015 in den Pro Bowl berufen.

Er stieg so schnell zum Superstar auf, dass ihn eigentlich nur eine Verletzung hätte stoppen können. Und genau so kam es: In der Vorbereitung auf die Saison 2016 zog er sich eine schlimme Knieverletzung zu. Seine Karriere hing am seidenen Faden - und zwar wortwörtlich. Ein einziges Gelenkband befand sich noch an seinem Knie. Fünf Gelenkbänder mussten später rekonstruiert werden. Besonders tragisch: Ihm drohte eine Beinamputation.

Der behandelnde Chirurg Dan Cooper sagte später, das Knie sei ähnlich kaputt gewesen "wie bei einer Kriegsverletzung." Und weiter: "Es war eine Verletzung, von der vielleicht 20 bis 25 Prozent der NFL-Spieler wieder zurückkommen." Bridgewater war einer von ihnen.

Am 10. Spieltag der Saison 2017 kehrte er als Backup zu den Vikings zurück. 2018 unterschrieb er zunächst einen Vertrag bei den New York Jets, wurde dann aber kurz vor Saisonstart zu den Saints getradet.

Saints-Head-Coach Sean Payton hatte sich vor dem Trade bei Mike Zimmer, dem Head Coach der Minnesota Vikings, über Bridgewater informiert. "Ich habe ihm gesagt, was ich von Bridgewater halte", sagt Zimmer, der nur in den höchsten Tönen von seinem einstigen Spielmacher spricht. "Und als wir letztes Jahr gegeneinander gespielt haben, hat er mir erzählt, wie sehr er Teddy mag. Er hat gesagt, er glaubt, mit ihm den zukünftigen Quarterback zu haben."

Grayson: "Als wäre er der Quarterback Nummer 1"

Auch die Mitspieler lassen durchblicken, dass sie Bridgewater als zukünftigen Anführer akzeptieren würden. "Er ist großartig im Huddle", lobt Wide Receiver Cyril Grayson. "Er hat die Kontrolle. Jeder hat zu ihm aufgeblickt als wäre er der Quarterback Nummer 1."

Aussagen wie diese dürfte Bridgewater gerne hören. Er macht einen glücklichen Eindruck, lächelt viel und verbreitet eine ansteckend gute Laune. "Ich fühle mich geistig, körperlich und spirituell großartig", sagt er. "Deshalb freue ich mich darauf, einfach dort rauszugehen und an Wettkämpfen teilzunehmen, meine Soldaten auf dem Feld auf und ab zu führen und wieder Spaß am Football zu haben."

Sollte Brees also tatsächlich nach der Saison 2019 seine Karriere beenden, könnte Bridgewater das Zepter übernehmen. Voraussetzung wäre allerdings ein neuer Vertragsabschluss. Und eines ist sicher: Dieser würde dann für größere Schlagzeilen sorgen als der letzte.

Oliver Jensen

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