Abgang: Marshawn Lynch hört auf. - Bildquelle: 2018 Getty ImagesAbgang: Marshawn Lynch hört auf. © 2018 Getty Images

München – Marshawn Lynch ist Kult. Er ist vielschichtig, undurchsichtig, mysteriös. Immer für einen Spruch gut, für eine verrückte Aktion. Unangepasst, gegen den Mainstream, gegen das Erwartbare. Eigentlich ein No-Go für jede politisch korrekte Franchise.

Dafür der Liebling der Medien und Fans. Denn die Storys, die "Beast Mode" lieferte, kamen regelmäßig. Mal mehr für die Zensur, mal skandalträchtig, dann auch wieder was fürs Herz, eine Heldenstory. 

Damit ist nun Schluss. 

 

Denn Marshawn Lynch ist weg. Zurückgetreten. Mal wieder, zum zweiten Mal nach 2016. Auch die dominierendsten Spieler ihrer Zeit müssen dem Alter irgendwann mal Tribut zollen. Man wusste es vorher, spürte es, sah es kommen. Aber wenn Spieler wie Lynch dann wirklich und (vermeintlich) endgültig abtreten, merkt man erst, was man verliert.

Der Running Back blickt auf 10.379 Rushing Yards und 84 Touchdowns zurück, dazu 2214 Receiving Yards für neun Touchdowns. 2007 an zwölfter Stelle von den Buffalo Bills ausgewählt, startete er vor allem von 2010 bis 2015 bei den Seattle Seahawks durch, mit denen er 2013 den Super Bowl holte. 

Den Sport geprägt

Der fünfmalige Pro Bowler hat die NFL geprägt, sportlich sowieso. Auch wenn andere Running Backs in der Historie der Liga weit bessere Statistiken haben.

Aber es sind die besonderen Charaktere, die Alphatiere, die Exzentriker, die Typen, die schillernden Superstars, die sich etwas tiefer in die Erinnerung brennen, die in der Geschichte der Liga einen etwas spezielleren Platz bekommen, in den Herzen der Fans sowieso.

Bei Lynch sind es die Power-Runs, für die er den Spitznamen "Beast Mode" erhielt. "Skittles" auf der Ersatzbank (für den Süßwaren-Hersteller ein gefundenes Fressen). Oder legendäre Pressekonferenzen ("Ich bin nur hier, damit ich keine Strafe bekomme") sowie – sagen wir – anstrengende Interviews. Da werden Fragen nach seinen Statements gegen Rassismus rund um den Hymnenstreit von ihm mit Ausführungen zu Spielzügen seines Teams beantwortet. Berühmt und berüchtigt. Beliebt, weil eben nicht PR-gesteuert.

Dazu kam der "Beast Quake", einer der spektakulärsten Läufe der NFL-Geschichte: Am 8. Januar 2011 brach er im Spiel gegen die New Orleans Saints NEUN (!) Tackle und erzielte einen 67-Yard-Touchdown. Lynchs Gedanken bei jedem Tackle: "Oh oh, there might be trouble."

Beast Quakes

Oder "Beast Quake 2.0". Gegen die Arizona Cardinals brach er 2014 erneut zahlreiche Tackle und erzielte einen 79-Yard-Touchdown. Den längsten seiner Karriere.

Ständige Begleiter waren Eskapaden, Strafen, Fehltritte. Ein provozierender Eier-Jubel, ein doppelter Mittelfinger oder vulgäres Vokabular: Die Palette des polarisierenden Profis war breit, der Unterhaltungsfaktor hoch. Selbst seine erste Auszeit war außergewöhnlich, als er rappend auf einem Kamel saß, tagelang in der Wildnis mit Survival-Profi Bear Grylls unterwegs war oder auf Haiti beim Aufbau einer Schule weilte.

Denn es gibt auch die andere Seite, die menschliche. Auch wenn er in den letzten beiden Jahren das Privileg hatte, für seine Heimatstadt Oakland zu spielen, hat er dort nicht mehr unbedingt sportlich, sondern vor allem durch sein Wirken außerhalb des Feldes einen Abdruck und Eindruck hinterlassen.

Menschliche Seite

Ihm liegt seine Heimat am Herzen, er startete Initiativen für sozial Benachteiligte, konnte etwas zurückgeben und wollte das auch, zum Wohle seiner Mitmenschen und den Communities. Das wird sicher weitergehen. 

 

Was möglicherweise Hoffnung macht: Diesmal ist der Abgang weitaus leiser als beim ersten Mal, schleichender, wurde durch einen Medienbericht öffentlich. Irgendwie kein Rücktritt à la "Beast Mode". 

Vielleicht kommt ja doch noch etwas nach, eine Wende, eine Pointe. Schließlich ist Lynch immer für eine Überraschung gut.

Von Andreas Reiners

Du willst die wichtigsten NFL-News direkt auf dein Smartphone bekommen? Dann trage dich für unseren WhatsApp-Service ein unter http://tiny.cc/ran-whatsapp

US-Sport-Videos

US-Sport-News

US-Sport-Galerien

Die nächsten Spieltage

NFL 2019 / 2020