Teddy Bridgewater und Drew Brees: Wo geht die Reise hin? - Bildquelle: 2018 Getty ImagesTeddy Bridgewater und Drew Brees: Wo geht die Reise hin? © 2018 Getty Images

München - Mit fast 41 Jahren lässt man sich nicht mehr aus der Reserve locken. Vor allem dann nicht, wenn man gerade eine Enttäuschung einstecken musste. Ein herbe noch dazu.

Kühlen Kopf bewahren, nichts überstürzen, am besten nicht von Emotionen leiten lassen, schon gar nicht, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Das sind ein paar der Dinge, die man in 19 Jahren NFL verinnerlicht.

Nur ein paar Floskeln

Deshalb beließ es Drew Brees bei ein paar Floskeln. Wobei: Liest man ein wenig zwischen den Zeilen, dann hört man sehr schnell heraus, dass eigentlich nichts gegen eine Rückkehr des Quarterbacks der New Orleans Saints spricht. 

Jemand wie er geht nicht unvorbereitet in die Playoffs, ein NFL-Urgestein wie Brees zieht im Vorfeld alle Unwägbarkeiten in Betracht, auch ein bitteres Aus gegen die Minnesota Vikings und ein erneutes frühes Ende des Super-Bowl-Traums. Er wird sich also vorher seine Gedanken gemacht haben, auch über seine Zukunft. 

 

Alle Szenarien, die keinen zweiten Super-Bowl-Sieg beinhalteten, bedeuten weiterhin eine offene Rechnung.

"Das kommentiere ich heute nicht. Ich sage das seit ein paar Jahren. Ich schaue immer von Jahr zu Jahr und evaluiere nach jeder Saison alles", sagte er auf seine Zukunft angesprochen: "Dann suche ich die Dinge, die ich verbessern will, und schaue nach vorne."

Nach vorne - das sind die kommenden Wochen, denn Brees' Vertrag bei den Saints läuft aus, während er durch die Kreativität der Macher 2020 einen Cap Hit von 21,3 Millionen Dollar hinterlässt - auch ohne im Kader zu stehen.

Heißt: Man müsste sich vertrags- und finanztechnisch wieder ein bisschen was einfallen lassen, da die Saints zu den Teams mit dem geringsten Cap Space gehören. Der finanzielle Radius ist also eingeschränkt. 

Brees weiß aber auch: Die Saints sind reif für den großen Wurf, das Fenster für den Super Bowl ist noch nicht zu. Das sagt man zwar seit 2017 und seitdem sorgen sie eher für ein traumatisch-dramatisches Playoff-Aus nach dem anderen. 

Reif für den großen Wurf

Doch das Team, angeführt von Brees, machte in dieser Saison einen weiteren Schritt. Da lief vor allem die Offense um Brees, Wide Receiver Michael Thomas, Running Back Alvin Kamara oder Tight End Jared Cook wie geölt, das Ganze garniert mit Allzweckwaffe Taysom Hill. 

Ein Karriereende von Brees wäre ähnlich unvorstellbar wie ein Rücktritt von Tom Brady, der bei den New England Patriots eine ähnliche Situation erlebt, dort erstmals Free Agent ist und sich alle Optionen offen hält. 

Der markante Unterschied: Brees hat eine starke Saison gespielt. Und wie gesagt: Zwischen den Zeilen hört sich das nicht nach Abschied, sondern nach dem nächstem Anlauf an.

"Wir haben eine großartige Basis aufgebaut. Wir wissen, dass es hier mehrere Jungs gibt, die seit langer Zeit hier spielen. Deshalb sucht man immer Ergänzungen in der Offseason. Ich weiß in jedem Fall, in welche Umgebung und welche Kultur die Neuzugänge bei uns kommen", sagte Brees und schwärmte: "Es ist eine Kultur, die Spaß macht. Wir arbeiten hart, wir spielen hart und wir haben Spaß zusammen. Wir lieben einander und spielen füreinander." 

Doch in der NFL geht es nicht nur um Spaß und Liebe, sondern vor allem auch um Geld. Und um schwierige Entscheidungen. 

Denn die Saints stehen vor dem Problem, dass ihre Quarterbacks Free Agents werden. Hill wird Restricted Free Agent, was bedeutet, dass die Saints immerhin ein Vorrecht auf den Allrounder haben, jedes Angebot mitgehen können.

 

Neben Brees kommt aber auch Backup Teddy Bridgewater auf den freien Markt. Der 27-Jährige konnte überzeugen, als sich Brees zu Beginn der Saison verletzte, kommt auf eine 5-0-Bilanz als Starter. Die generelle Quarterback-Suche in der NFL wird seinen Preis hochtreiben. Die erzwungene Arbeitsteilung erwies sich 2019 als Glücksfall, Brees agierte im Gegensatz zu 2018 auch hinten raus noch auf hohem Niveau. Doch eine weitere Saison mit beiden Spielmachern scheint unwahrscheinlich.

Heißt: Wagen die Saints noch einmal einen Anlauf mit Brees? Oder setzen sie auf Bridgewater als seinen Nachfolger?

Zahlreiche Free Agents

Das ist aber lange nicht alles: Insgesamt 25 Spieler werden Free Agents, darunter auch Schlüsselspieler wie Safety Vonn Bell, Guard Andrus Peat oder Cornerback Eli Apple. Kamara könnte zudem auf einen neuen Vertrag pochen. 

Das alles kostet. Es ist in der NFL nicht einfach, ein starkes Team lange zusammenzuhalten. Irgendwann kommt zwangsläufig der Neuaufbau beziehungsweise der Umbruch.

Viele Anläufe haben die Saints nicht mehr. Hat Brees nicht mehr. Das weiß er natürlich. Aber aus der Reserve locken lässt er sich deshalb noch lange nicht.

Andreas Reiners

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