Josh Allen mit Frank Gore. - Bildquelle: 2019 Getty ImagesJosh Allen mit Frank Gore. © 2019 Getty Images

München – Es gibt einige Witze über die Buffalo Bills. Einige sind ähnlich schlecht wie die Franchise in den letzten 20 Jahren. 

Andere wiederum sind tatsächlich ganz lustig. Alle zusammen sind sie Beleg für eine sportliche Situation, die vor allem schmerzt. 

 

Legende des Verlierers

Zwischen 1990 und 1993 standen die Bills viermal in Folge im Super Bowl. Gewonnen haben sie keinen. So schafft man sich die eigene Legende des ewigen Verlierers. Die wird man natürlich nicht los, wenn man von 2000 bis 2018 genau einmal die Playoffs erreicht und dabei 13 Mal eine negative Bilanz.

Da sich Running Gags durch ständige Wiederholungen auszeichnen, wird auch ein 3-0-Start teilweise noch durch den Kakao gezogen. So gibt es Medien, die Head Coach Sean McDermott schon jetzt ein wenig ironisch als Coach des Jahres feiern.  

Wenn er jetzt noch am Sonntag (ab 18 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) die New England Patriots schlage, könne ihm diesen Titel bereits nach dem ersten Saisonviertel keiner mehr streitig machen, heißt es. 

 

Haha, mäßig witzig. Aber: Es schwingt aber auch ein wenig Bewunderung mit. Und vielleicht ist ja bald Schluss mit lustig.

Denn man muss ganz klar sagen: Es steckt ein Plan dahinter, seit McDermott und General Manager Brandon Beane vor der Saison 2017 übernommen haben. Beide kannten sich von den Carolina Panthers, ziehen an einem Strang. Die Chemie stimmt, und das spiegelt sich in den Entscheidungen wider. Sie werden im Gegensatz zu früher mit Sinn und Verstand getroffen. Vor allem gemeinsam.

Beide sind angetreten, um den Bills ein neues Gesicht zu verleihen, um die Franchise auf den Weg zurückzuführen, den sie vor etlichen Jahren verlassen hat. 

Die Playoff-Teilnahme im ersten Jahr war ein halber Unfall. 2018 folgte ein 6-10-Jahr, der Umbruch wurde vorangetrieben, Josh Allen als Quarterback der Zukunft gedraftet. Das Roster wurde weiter entrümpelt, die Baustellen wurden angegangen.

 

In die Offense investiert

Denn parallel wurde investiert, vor allem für die Offense. In neue Running Backs (Frank Gore, Devin Singletary), Wide Receiver (Cole Beasley, John Brown) und Tight Ends (Tyler Kroft, Dawson Knox, Lee Smith, Tommy Sweeney). 

Allen bekam für sein zweites Jahr mehr Schutz, für die O-Line wurden Mitch Morse, Ty Nsekhe, Jon Feliciano, Spencer Long und im Draft Cody Ford geholt. 

Die sowieso schon starke Defense blieb zusammen und wurde zudem mit Erstrundenpick Ed Oliver verstärkt. Sogar an die Special Teams wurde gedacht, indem Andre Roberts geholt wurde. 

Das Credo: Das Team steht über allem, das sportliche Ziel, siegreich zu sein, ebenfalls. Keine Attitüden, kein Gehabe, sondern eine funktionierende Mischung aus sportlich wertvoll und bezahlbar. 

Und wenn dann etwas nicht passt, macht man auch vor großen Namen keinen Halt: Nach vier Jahren in Buffalo wurde LeSean McCoy vor der Saison überraschend entlassen.

Ein Statement, ohne groß etwas sagen zu müssen. 

OP am offenen Herzen

Beeindruckend: Ein Umbruch ist immer auch so etwas wie eine Operation am offenen Herzen, wenn man gleichzeitig halbwegs erfolgreich bleiben will. Das scheint in Buffalo zu funktionieren, immerhin steckt das Team noch mittendrin im Wandel. 

Vor allem die ersten Wochen einer Saison sind wichtig, dort werden die Grundlagen dafür gelegt, wohin die Reise geht. In Buffalo muss sie (noch) nicht zwangsläufig in die Postseason führen.

Der Start bestätige aber, dass man die richtigen Dinge tue, sagte McDermott. "Wir haben einen bestimmten Grundsatz, an den wir uns halten. Wir müssen weiter wachsen und uns weiter verbessern. Das fängt bei mir an."

Was den Plan auch aufgehen lässt: Quarterback Josh Allen, der in seinem zweiten Jahr den nächsten Schritt macht. Er kommt auf 750 Yards, drei Touchdowns und drei Interceptions, plus 105 Rushing Yards und zwei -Touchdowns. Klar: Der 23-Jährige macht weiterhin Fehler, ist ungenau, trifft falsche Entscheidungen. Doch das wird seltener. Und: Seine Athletik und sein Laufspiel beeindrucken auch den kommenden Gegner.

"Wie ein Running Back"

"Er ist wie ein Running Back", sagte Pats-Coach Bill Belichick. "Er ist schnell, hat viel Kraft und ist gerissen. Er vermeidet und durchbricht viele Tackles. Es ist eine andere Dimension, der sechste Receiver im Laufspiel, wenn man so will."

Kritiker sagen, die Bills sehen trotzdem nicht wie ein 3-0-Team aus. Was man dagegen anführen kann: Der Erfolg ist kein Zufall, das Team zeigt zudem diverse Fähigkeiten, kam gegen die Jets nach einem 0:14 zurück (17:14), verwaltete eine Führung gegen die Giants (28:14), verspielte ein 14:0 gegen die Bengals, um dann doch noch zu gewinnen (21:17). Allen steuerte gegen die Jets und Bengals jeweils einen Game-Winning-Drive bei.

Horrorbilanz gegen Pats und Brady

Alles gut also gegen die Patriots? 

Nun, da wäre noch die Bilanz im ewig jungen Division-Duell, sie steht bei 5-33 seit 2000 beziehungsweise bei 3-30 seit 2001 gegen die Pats unter Tom Brady und sie ist alles, nur kein Mutmacher.

Auch wegen solcher Zahlen gibt es eingangs erwähnte Witze. Bitte sehr: "Wie viele Bills-Fans benötigt man, um eine Glühbirne zu wechseln? Keinen, sie stehen gerne im Schatten der Patriots."

Haha. Doch vielleicht ist mit den neuen Bills tatsächlich bald Schluss mit lustig.

Andreas Reiners

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