Kein Modellathlet, aber effektiv: C.J. Anderson von den Los Angeles Rams - Bildquelle: Getty ImagesKein Modellathlet, aber effektiv: C.J. Anderson von den Los Angeles Rams © Getty Images

München/Los Angeles - Er sieht nicht unbedingt aus wie ein typischer Leistungssportler. 106 Kilogramm auf 1,73 Meter.

C.J. Anderson kommt auf den ersten Blick ein wenig pummelig daher, macht sogar selber Witze über seine Statur. "Im April bekomme ich eine Tochter. Das ist mein Schwangerschaftsgewicht", sagt er.

Der Running Back nimmt die Kritik um seine Athletik mit Humor: "Ich bin halt alt und fett. Aber ich habe gezeigt, dass ich auch mit diesem Gewicht erfolgreich sein kann."

Das hat er tatsächlich: Der bald 28-Jährige - eine Woche nach dem Super Bowl feiert er Geburtstag - trug seinen Teil dazu bei, dass die Los Angeles Rams im Endspiel um die Vince Lombardi Trophy gegen die England Patriots (am Sonntag, 3. Februar, ab 22:45 Uhr live auf ProSieben) stehen.

Besonders in der Divisional Round gegen die Dallas Cowboys schlug seine große Stunde: 123 Rushing Yards und zwei Touchdowns. Und das für einen Backup, einen Erstzmann, der Mitte Dezember noch ohne Klub da stand.

Drei Entlassungen in einem Jahr

Anderson steht zum dritten Mal im Super Bowl. Eine starke Bilanz für einen Spieler, der erst seine sechste NFL-Saison spielt. Im Endspiel der Saison 2013 unterlag er mit den Denver Broncos den Seattle Seahawks, zwei Jahre später bezwang er mit selbiger Franchise die Carolina Panthers. Nun könnte er zum zweiten Mal nach der Vince Lombardi Trophy greifen.

Dabei sah es im April, im November und eben auch Mitte Dezember gar nicht danach aus. Entlassen bei den Denver Broncos, entlassen bei den Carolina Panthers, entlassen bei den Oakland Raiders.

Doch warum dann der Erfolg bei den Rams? Bei den Broncos war es sein Gehalt, das dafür sorgte, dass er trotz beachtlicher vergangener Spielzeit mit 1007 Rushing-Yards vor die Tür gesetzt wurde. General Manager John Elway waren Cap-Einsparungen in Höhe von 4,5 Millionen Dollar wichtiger als die Qualitäten des bulligen Läufers.

Bei den Carolina Panthers fungierte er als Backup von Christian McCaffrey, aber an der Seite des laufstarken Quarterbacks Cam Newton und unter dem System Ron Riveras kam Anderson einfach nicht zum Zug. Seine Bilanz: 24 Läufe - nicht in einen Spiel, sondern in seiner gesamten Panthers-Zeit. Nach dem 10. Spieltag folgte die Entlassung.

Selbiges Schicksal ereilte ihn bei den Oakland Raiders, bei denen er im Dezember lediglich eine Woche unter Vertrag stand. Für Jon Gruden war er nicht gut genug.

Erst nicht gedraftet, dann auch noch verletzt

Aber Anderson ist es gewohnt, sich trotz Rückschlägen durchzubeißen. So war auch 2013, als er im Draft von allen NFL-Teams erst ignoriert wurde, nach einem Engagement bei den Broncos sich sich dann aber schon im Trainingscamp am Kreuzband verletzte.

Trotzdem hat er es in die NFL geschafft. Genauso wie er es jetzt geschafft hat, trotz dreier Entlassungen innerhalb von acht Monaten seinem zweiten Super-Bowl-Triumph hinterherzujagen und ganz nahe zu sein.

Die Rams verpflichteten den aus Vallejo bei San Francisco stammenden Pro Bowler der Saison 2014, um ihren Star-Running-Back Todd Gurley zu entlasten. Nicht nur während dessen Verletzungsauszeit am 16. und 17. Spieltag, sondern auch darüber hinaus.

Denn Gurley hatte sich eine Knieverletzung zugezogen, die ihn scheinbar noch immer behindert. Im Conference Championship Game gegen die New Orleans Saints war Anderson im Dauereinsatz, während Gurley meist an der Seitenlinie stand.

Im Idealfall ergänzen sich beide im Laufspiel der Rams. Hier der schnelle und bewegliche Gurley, der als Läufer wie auch als Passempfänger jederzeit zu einem Big Play in der Lage ist. Dort der bullige Anderson, der durch die Mitte für die erforderlichen Yards sorgt.

"Wir verstehen uns prächtig, wir neiden dem anderen überhaupt nichts, wir kennen unsere Rollen", sagt Anderson.

Kein Weg führt an den Patriots vorbei

Anderson macht in diesen Tagen einen gutgelaunten Eindruck, lächelt und scherzt viel, ist in seinen Aussagen allerdings auch sehr fokussiert. Er weiß, dass er gar nicht erst eine Chance bei den Rams bekommen hätte, hätte sich Gurley nicht verletzt.

Nun möchte er diese Gelegenheit nutzen. Fünf Mal stand er gegen die Patriots bereits aktiv auf dem Feld. "Offenbar gibt es keinen Weg, um ihnen aus dem Weg zu gehen", sagt er.

Drei Mal verlor er gegen New England, zwei Mal gewann er. Letzteres gelang in der Saison 2015, als die Broncos sowohl in der regulären Saison als auch im AFC-Championship-Game gegen New England gewannen. Ob ihm das noch einmal gelingt?

"Zwei großartige Footballmannschaften treffen aufeinander", weiß Anderson. "Eines kann ich versprechen: Gewinnen wird das Team, dass weniger Fehler macht und keine Turnovers produziert." Gegen die Laufverteidigung der Patriots war zuletzt nur schwer Durchkommen. In fünf der letzten acht Spiele ließen sie weniger als 100 Rushing-Yards zu.

Andererseits wäre es nicht das erste Mal, dass Anderson gegen die vermeintliche Übermannschaft aus Foxborough auftrumpft. Im November 2015 war er mit 153 Total-Yards und zwei Touchdown der Matchwinner. Auch im zwei Monate später stattfindenden Conference-Finale war er mit insgesamt 90 Yards Raumgewinn ein wichtiger Mosaikstein zum Sieg.

Sollte ihm das im Super Bowl noch einmal gelingen, wäre es irgendwie auch egal, dass Anderson nicht so aussieht wie ein typischer Leistungssportler. 

Oliver Jensen

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