Scheint bei den New England Patriots angekommen zu sein: Cam Newton (m.).Scheint bei den New England Patriots angekommen zu sein: Cam Newton (m.). ©

München - Während sich die Ex-Patriots Tom Brady und Rob Gronkowski im ersten Saisonspiel geschlagen geben mussten, zeigt ihr altes Team, dass es auch mit Cam Newton seine Spiele gewinnen kann. 

Bereits vor der Partie setzte Newton das erste (modische) Ausrufezeichen. Bei der Ankunft im Stadion trug er einen komplett gelben Anzug, der eher an eine Modenschau als an die Vorbereitung für ein NFL-Spiel erinnert.

Während die Patriots unter Tom Brady oft als steife und streng disziplinierte Mannschaft galten, bringt Newton von Sekunde Eins an einen neuen Flair ins Gillette Stadium. So lebte sein Spiel in Carolina schon von Emotionen, was Newton auch in der Partie gegen die Miami Dolphins zeigte.

Newton-Style trifft auf Belichick-Offense

Lange Zeit wurde spekuliert, wie schnell sich Newton an diese seit Jahren eingespielte Offense anpassen wird. Doch es kam ganz anders: Es war die Offense, die sich an den Spielstil von Newton anpasste. "Er ist gut mit dem Ball gelaufen und hat großartige Checks und Anpassungen vorgenommen", lobte ihn Coach Bill Belichick bei "ESPN" nach dem Spiel.

Mit geschickten Play-Action-Spielzügen und Run-Option-Plays für Newton und sein Backfield zauberten Belichick und Co. einen hervorragenden Game Plan aus der Tasche. So war es keine Überraschung, dass Newtons erster Touchdown für New England nach einem kurzen Lauf in die Endzone entstand.

Offensive Coordinator Josh McDaniels arbeitete mit vielen Zone-Read-Konzepten, die Newtons Stärken als Runner förderten. Bei diesen Spielzügen kann der Quarterback kurzfristig entscheiden, ob er den Ball an seinen Running Back abgibt oder selbst den Ball behält.

Im dritten Viertel sollte ein weiterer Touchdown Run folgen, sodass Newton am Ende bei 75 Rushing Yards und zwei Touchdowns bei 14 (!) Läufen stand. Auch durch die Luft machte Newton ein ordentliches Spiel, so kam er auf 155 Passing Yards bei 15 von 19 versuchen. Besonders mit Dauerbrenner Julian Edelman (5 Receptions, 57 Yards) scheint Newton eine gute Connection gefunden zu haben.

 

Ein neues Feuer entfacht?

Generell wirkte es so, als würde Netwons Art ein neues Feuer in New England entfachen. Manch einer würde Newtons Stil, nach erfolgreichen Plays gegen die gegnerischen Spieler zu sticheln oder mit überschwänglichen Gesten zu feiern, als überheblich bezeichnen.

Im Spiel gegen die Dolphins schien aber gerade das der Schlüssel gewesen zu sein, der die Patriots nach dem Touchdown der Dolphins zum 11:14 wieder aufweckte. In einer auf einmal engen Partie, welche die Patriots in der vergangenen Saison aus Lethargie womöglich noch verloren hätten, übernahm Newton mit lautstarken Kommandos das Ruder.

So führte er die Patriots im entscheidenden Drive auf Newton-Art bis kurz vor die Endzone, während er gleichzeitig in bester Belichick-Manier genügend Zeit von der Uhr nahm, um eine mögliche Aufholjagd der Dolphins im Keim zu ersticken.

In den Schlusssekunden, als es beinahe zu einer Keilerei zwischen Newton und Dolphins-Tackle Christian Wilkins kam, unterstrich der Quarterback seine neu gewonnene Ruhe in New England: "Man muss wissen, mit wem man sich anlegt. Ich habe früh gemerkt, dass er nur auf Ärger aus ist", sagte Newton anschließend. 

Newton, der Team-Player

Für viele gilt Newton als ausgemachte Diva und nicht trainierbar, was oft als Grund angebracht wird, warum ihm der ganz große Wurf im Super Bowl stets verwehrt blieb. In seinem Pats-Debüt zeigte er jedoch Führungsqualität -  und auch Gehorsam in den richtigen Momenten.

Der Eindruck in New England scheint extrem positiv zu sein: "Er stellt alle Anderen und das Team über sich", erklärte Belichick nach der Partie: "Er hat einen herausragenden Job gemacht seit er angekommen ist und sich von jedem Respekt verdient", so Belichick.

Innerhalb des Teams scheint es frühzeitig zu stimmen - auch wegen Newton. So gab er den Ball nach seinem ersten Touchdown zu Center David Andrews, damit dieser den Ball in die Endzone spiken konnte. Der Grund: Andrews fehlte wie Newton fast die gesamte vergangene Saison verletzungsbedingt. "Wir saßen im selben Boot", sagte Newton nach dem Spiel.

Wohin geht die Reise? 

Dass der Sieg der Patriots gegen die Dolphins, die in der vergangenen Saison eins der schlechtesten Teams waren, jedoch kein Selbstläufer war, gestand sich am Ende auch Newton ein: "Solche dreckigen Siege sind manchmal notwendig, um voranzukommen", erklärte Newton anschließend: "Sie stärken vor allem den Charakter des Teams", so Newton. 

Es wird interessant zu sehen sein, wie sich Newton und Co. gegen die gut aufgelegten Seattle Seahawks und Russell Wilson am kommenden Spieltag schlagen. Gut möglich, dass sich die "Pats" hier auf ein Offensiv-Feuerwerk einstellen müssen. 

Dann wird es erneut an Newton liegen, ob er sein Team mit seiner unnachahmlichen Art erneut mitreißen und der Superman sein kann, den New England nach dem Brady-Abgang braucht. 

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