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München - Es ist aktuell die Nachricht in der NFL: Carl Nassib von den Las Vegas Raiders hat sich als erster NFL-Profi öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt.

Das Video auf seinem Instagram-Account sorgte für mächtig Aufsehen und rief sehr viele positive Reaktionen hervor.

Auch ranNFL-Experte Björn Werner, Hamburg Sea Devils-Profi und Ex-NFL-Star Kasim Edebali äußerten sich zu Nassibs "Coming Out" - und finden ausschließlich lobende Worte für seinen Schritt.

Björn Werner (ranNFL-Experte und Ex-NFL-Profi):

"Ich kann nur sagen, dass ich riesengroßen Respekt vor Carl Nassib habe. Dieser Schritt erfordert unglaublichen Mut. Als ich sein Video auf Instagram gesehen habe, war das ein absoluter Gänsehaut-Moment für mich.

Ich war viele Jahre selbst in der NFL in den Locker Rooms unterwegs und da spürst du schon irgendwann, dass es mit Sicherheit Mitspieler gibt, die homosexuell sind, sich aber nicht trauen darüber zu sprechen, geschweige denn es öffentlich zu machen. Dafür wird im Zusammenhang mit American Football einfach immer zu sehr vom 'Männersport' gesprochen, in dem keine Schwächen erlaubt sind.

Deswegen finde ich es richtig geil, dass Nassib als noch aktiver NFL-Spieler, der ja auch sportlich schon richtig abgeliefert hat, diesen Weg in die Öffentlichkeit gewählt hat. Schon Michael Sam hat seine Homosexualität im Februar 2014 ja noch vor dem damaligen Draft öffentlich gemacht, war dann aber leider sehr schnell wieder aus der NFL verschwunden, so dass er damals vielleicht nicht die Aufmerksamkeit bekommen hat, die dieses Thema verdient gehabt hätte.

Aber es braucht eben solche Vorreiter wie Sam oder jetzt eben Nassib, die damit hoffentlich Grenzen durchbrechen. Ich hoffe, dass all das dazu führt, dass die Menschen toleranter werden. Und sollte es doch noch jemanden gegen, der ein Problem mit der Sexualität, der Hautfarbe oder Gesinnung eines Menschen hat und ihn deswegen verurteilt, sollte derjenige sich schämen. Karma kommt irgendwann zurück."

Kasim Edebali (Ex-NFL-Profi und Star der Hamburg Sea Devils in der ELF):

"Ich kann mich noch sehr gut an meinen alten Freund Ryan Russell erinnern. Er hat in der NFL bei den Dallas Cowboys, den Tampa Bay Buccaneers und den Buffalo Bills gespielt und ich habe in der Offseason immer mal wieder mit ihm zusammen trainiert. Ein absoluter Ehrenmann, der immer hart an sich gearbeitet hat.

Irgendwann hatte er dann einen schweren, privaten Schicksalsschlag zu verkraften und hat sich wiederum ein Jahr danach öffentlich geoutet. Ich habe ihn damals sofort angerufen und ihm zu diesem Schritt gratuliert. Das hat all die Jahre so sehr in ihm gearbeitet, aber der Druck in den USA ist im Zusammenhang mit diesem Thema leider extrem hoch, das Land ist da deutlich konservativer als beispielsweise Deutschland.

Aber ich freue mich wirklich für jeden Menschen, der sein Leben so lebt, wie er es für richtig hält – auch in der Öffentlichkeit. So, wie Carl Nassib jetzt eben auch. Ich finde es deshalb auch ein starkes Signal von Patrick Esume, dass er als Commissioner der European League Of Football ein Statement herausgegeben hat, dass sie Nassib und sein 'Coming Out' zu einhundert Prozent unterstützen. Vielleicht führt das bei dem einen oder anderen dazu, auch all seinen Mut zusammenzunehmen und ebenfalls mit seiner Homosexualität an die Öffentlichkeit zu gehen.

Wir leben im Jahr 2021, da sollte so etwas ja eigentlich auch überhaupt kein Thema mehr sein. Doch leider ist es noch eins. Wobei ich davon überzeugt bin, dass im Fall von Nassib mindestens 98 Prozent der Spieler im Locker Room kein Problem damit haben werden. Dafür ist man als NFL-Team einfach eine zu verschworene Gemeinschaft. Und Einzelne wird es immer geben, die etwas anderes sagen oder anderer Meinung sind. Das ist aber Gott sei Dank nicht die Mehrheit.

Im Prinzip sind es eher die Franchises in der NFL, die den Medienrummel bezüglich so eines Themas vermeiden wollen. Das beste Beispiel hierfür ist für mich Colin Kaepernick. Deswegen finde ich es richtig stark, dass die Las Vegas Raiders ihren Spieler Carl Nassib jetzt so tatkräftig unterstützen und den Medienrummel wiederum für sich in Kauf nehmen."

Dominik Hechler

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