Carson Wentz und Frank Reich arbeiteten bereits bei den Philadelphia Eagles ... - Bildquelle: imago/ZUMA PressCarson Wentz und Frank Reich arbeiteten bereits bei den Philadelphia Eagles eng zusammen © imago/ZUMA Press

München/Indianapolis - Es ist noch gar nicht so lange her, da zählte Carson Wentz zu den heißesten Quarterbacks der NFL. In der Saison 2017 galt er als logischer MVP-Kandidat, bis ihn einen Kreuzbandriss stoppte. Die Philadelphia Eagles gewannen dennoch den Super Bowl. 

Von diesem Zeitpunkt an ging es in der Karriere des Passgebers nur noch in eine Richtung: nach unten.

2018 verletzte er sich an der Wirbelsäule, 2020 wurde er zum Backup degradiert und verlangte daraufhin nach einem Trade.

Nun wurde sein Wunsch erfüllt. Seine Zukunft ist blau-weiß und liegt bei den Indianapolis Colts. 

Dead Cap von 33,8 Millionen Dollar

Die Eagles werden einen Dead Cap-Hit in Höhe von 33,8 Millionen US-Dollar hinnehmen. Dies ist der größte Dead-Cap-Hit, den jemals ein Team für einen Spieler hinnahm. Die Colts übernehmen den Vertrag von Wentz, der noch über vier Jahre läuft und mit einem Restbetrag von 98 Millionen US-Dollar dotiert ist.

Das hohe Gehalt dürfte ein Grund dafür sein, dass der einmalige Pro-Bowl-Spieler verhältnismäßig günstig zu bekommen war. Im Tausch für den 28-Jährigen wandert ein Drittrunden-Pick für 2021 und ein Zweitrundenpick für 2022 nach Philadelphia.

Letzteres wird zu einem Erstrunden-Pick, wenn Wentz in der bevorstehenden Saison bei 75 Prozent der offensiven Snaps auf dem Feld steht. Sollten die Colts in die Playoffs gelangen, genügen auch 70 Prozent.

Enges Verhältnis zum Head Coach Frank Reich

Für Wentz bietet der Wechsel zu den Indianapolis Colts aus vielerlei Gründen optimale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Neustart.

Da wäre zunächst einmal die gemeinsame Vergangenheit mit Head Coach Frank Reich. Bevor dieser im Jahre 2018 Cheftrainer der Indianapolis Colts war, fungierte er nämlich zwei Jahre als Offensive Coordinator der Philadelphia Eagles. Unter Reich entwickelte sich der Nummer-2-Pick des Jahres 2016 zum Shooting-Star. 

Menschlich standen sich Wentz und Reich nahe. "FOX"-Analyst Daryl Johnston sagt: "Es gab eine enge Bindung zwischen den beiden, die auch auf ihrem starken christlichen Glauben beruht. Das ging weit über das normale Verhältnis zwischen Trainer und Spieler hinaus." 

Als Reich bereits Trainer der Colts war, schwärmte er noch immer von Wentz. "Er ist ein echter Kämpfer, er ist ein Anführer, er weiß ganz genau, was er will. Er hat so viel Power, dass es fast schon unwirklich ist. Er ist ein Elite-Quarterback, der einfach nur gewinnen will."

Auch den Charakter des Quarterbacks lobt der Trainer: "Er bringt mich zum Lachen wie nur wenige Menschen. Ich kenne ihn sehr, sehr gut und weiß, dass er ein guter Kerl ist."  

Bessere Offensive Line wird Wentz Zeit verschaffen

Ein weiterer Grund dafür, dass Wentz der Neustart bei den Colts gelingen könnte, ist die Offensive Line.

In Philadelphia lag genau hier eine Schwachstelle. 50 Mal wurde Wentz in der vergangenen Saison gesackt. Und das in einer Spielzeit, in der er gerade einmal zwölf Saisonspiele absolviert hat. Insgesamt ließ Philadelphia 65 Sacks zu. Dies war der höchste Wert der gesamten NFL. 

In Indianapolis hingegen wird er hinter einer stabilen Offensive Line fungieren, die in der vergangenen Saison trotz einiger Verletzungsprobleme den gegnerischen Pass Rush konstant verhinderte. Lediglich 21 Sacks ließen die Colts zu. Nur die Pittsburgh Steelers (14 Sacks) beschützten ihren Quarterback noch besser. 

Left Tackle Anthony Castonzo hat zwar seine Karriere beendet, sodass ein neuer Beschützer für die Blind Side von Wentz benötigt wird. Diese Schwächung ließe sich aber möglicherweise beim NFL-Draft beheben, der eine hohe Breite an Offensine Linemen bietet.

Für Entlastung dürfte zudem das Laufspiel sorgen. Running Back Jonathan Taylor, der Zweitrunden-Pick von 2020, zählte vergangene Saison zu den großen Entdeckungen und lief für 1169 Yards.

Ungeklärte Zukunft der Wide Receiver

Ungeklärt ist hingegen die Situation der Passempfänger. T.Y. Hilton, der letzte Saison mit 762 Receiving-Yards der effektivste Passempfänger der Colts war, ist vertragslos. Als Unrestricted Free Agent könnte er zu jedem beliebigen Team wechseln.  

Auch der Vertrag von Zach Pascal, der vergangene Saison mit 629 Receiving-Yards der zweiteffektivste Receiver der Colts gewesen ist, lief aus. Im Gegensatz zu Hilton ist Pascal allerdings ein Restricted Free Agent.

Das bedeutet: Die Colts könnten mit Angeboten anderer Teams gleichziehen. Laut Medienberichten wird Indianapolis dies auch tun.

Schließlich möchten sie ihrem neuen Top-Quarterback geeignete Anspielstationen zur Verfügung stellen.   

Oliver Jensen 

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