Carson Wentz mit Head Coach Doug Pederson. - Bildquelle: imago/Icon SMICarson Wentz mit Head Coach Doug Pederson. © imago/Icon SMI

München/Philadelphia - Ein bisschen unheimlich ist es schon, was Louis Riddick da Jahr für Jahr raushaut. Vorhersagt. Prophezeit. Man kann seine Prognosen durchaus als gewagt bezeichnen. Mutig.

Es sind keine sicheren Allgemeinsätze à la die New England Patriots kommen in die Playoffs oder Drew Brees schafft über 30 Touchdown-Pässe.

Steile Thesen

Der 50-Jährige wirft recht steile Thesen in den Raum, denen man nicht unbedingt auf Anhieb zustimmen würde. Er selbst ist Ex-NFL-Profi, Ex-Scout und inzwischen für "ESPN" tätig. Und mit einem guten Näschen ausgestattet.

2017 sagte er, Jared Goff wird nach einem schlimmen Rookie-Jahr durchstarten.

Check. Goff führte die Los Angeles Rams erstmals seit 2004 in die Playoffs.

2018 erklärte er, Patrick Mahomes wird die "Liga in Brand setzen".

Check. Der Signal Caller wurde als Most Valuable Player ausgezeichnet.

Und jetzt? Jetzt kündigte er an: Carson Wentz wird 2019 der MVP.

Wentz MVP? Genau, 2017 galt der Quarterback der Philadelphia Eagles bereits als heißer Anwärter auf die Auszeichnung, ehe im Dezember, kurz vor der Postseason, sein Kreuzband riss. 

Saisonaus. Nix mit MVP. Beim Super-Bowl-Sieg nur Zuschauer. Im Schatten von "Holy" Nick Foles. Keine einfache Zeit, denn Knieverletzungen sind bei Quarterbacks nicht ohne, die Reha eine Mühsal, eine elende Schinderei. Oft auch verbunden mit Zweifeln oder Rückschlägen. 

Große Ungeduld

Und Ungeduld. Vor allem bei Wentz, der von einem inneren Zwang getrieben wird, es allen immer wieder beweisen zu müssen. 

"Es liegt daran, wie ich gepolt bin", gibt der 26-Jährige zu. Die Einstellung, seine Mentalität. Er spielte nicht für die großen Colleges, sondern für die North Dakota State University. Hieß: Football Championship Subdivision. Alles eine Nummer kleiner. Er wurde 2016 trotzdem an Nummer zwei gedraftet.

 

Doch seine Einstellung blieb, der Antrieb. Immer mehr machen, hier eine Zusatzschicht, da noch eine Extra-Einheit. "Du willst immer arbeiten, arbeiten, arbeiten, pushen, pushen, pushen. Es gibt dann Zeiten, wo man es ruhiger angehen muss. Aber es war ein guter Prozess in den vergangenen Jahren", sagt er.  

2018 ist aber nicht sein Jahr. Er wird erst spät wieder fit, kann lange nur eingeschränkt trainieren, wenn überhaupt. In Week 3 feiert er sein Debüt, findet seine Topform aber nicht, bringt das Team nicht in die Spur. Den Playoff-Karren zieht Foles mit drei Siegen in den letzten drei Saisonspielen aus dem Dreck, nachdem Wentz mit einer Wirbelfraktur ausfällt. Mal wieder. 

Seine Bilanz: Fünf Siege, sechs Niederlagen, 3074 Yards, 21 Touchdowns, sieben Interceptions. Schlimmer noch: Wieder muss er zuschauen, wie Foles fast das zweite Wunder schafft. Parallel gibt es Kritik an seiner fehlenden Konstanz. 

Wie das Geschäft eben ist: Lobeshymen sind schnell geschrieben, Abgesänge aber fast noch schneller angestimmt. Doch bei den Eagles zweifelt niemand am Franchise-Quarterback. 

Foles lässt Gelassenheit zurück

Sein Backup ist deshalb inzwischen zu den Jacksonville Jaguars geflüchtet. Foles hat aber etwas hinterlassen: Gelassenheit. Denn davon kann Wentz durchaus lernen: Im Super Bowl genauso locker dreinzuschauen wie bei einem Workout unter der Woche. Und sich auch so locker zu fühlen. 

"Er ist so relaxed. Für mich war es eine gute Balance, ihn und seine Einstellung zu sehen", so Wentz. Und auch sein Körper hat ihm Lektionen erteilt. "Ich habe durch die Verletzungen viel gelernt, zum Beispiel nicht mein größter Feind zu sein und Ratschläge anzunehmen", so Wentz. 

Einer dürfte lauten: Hab' Spaß. Noch knapp 100 Tage Vorbereitung liegen vor ihm. Zeit satt, gesund den nötigen Rhythmus zu finden.  

Hinzu kommen vielversprechende Personalien wie Wide Receiver DeSean Jackson, Running Back Jordan Howard oder Zweitrundenpick Miles Sanders. Plus das Tight-End-Duo Zach Ertz und Dallas Goedert. Ganz gute Voraussetzungen für eine schlagkräftige Offense. 

Doch die beste kommt ja sowieso von Louis Riddick.

Von Andreas Reiners

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