Chandler Brewer (Nr. 73) hat trotz seiner Krebs-Erkrankung eine starke Colle... - Bildquelle: imago / instagram @ big_brew73Chandler Brewer (Nr. 73) hat trotz seiner Krebs-Erkrankung eine starke College-Saison gespielt und möchte sich nun im Dienste der Los Angeles Rams für die NFL empfehlen © imago / instagram @ big_brew73

Los Angeles/München – Die Karriere von Chandler Brewer hätte die ersten Jahre kaum besser laufen können. Er spielte zwar für ein eher kleines College-Team, den Middle Tennessee State Blue Raiders , brachte dort aber beachtliche Leistungen und wurde 2018 bei "PFF College" als einer der 30 besten Guards im gesamten College-Football gerankt.

Dann aber wurde sein Leben auf den Kopf gestellt. Brewer spürte im Juli 2018 einen Knoten in seinem linken Knie. An eine schlimme Erkrankung dachte er nicht. Sein Trainer musste ihn überreden, überhaupt einen Arzt aufzusuchen. Dann die schlimme Diagnose: eine Krebserkrankung des lymphatischen Gewebes.

Krebs? Mann, das ist der schlechteste Zeitpunkt

"Man glaubt nie, dass bei einem selber Krebs auftauchen könnte, besonders wenn man 21 Jahre alt ist", sagte Brewer später gegenüber der "Sports Illustrated". Trotz des Schocks wollte er sein Leben nicht verändern, sondern an seiner Karriere weiter arbeiten. "Das Erste, was ich dachte, war: Mann, das ist der schlechteste Zeitpunkt, den es dafür gibt", sagte Brewer, der in seinem Glauben Halt fand: "Ich wusste, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Gott hat mir diese Hürde gestellt, um mich stärker zu machen, mich vielleicht auch zu einem besseren Gläubigen zu machen."

Mit dieser Einstellung gelang es ihm, trotz der Schock-Diagnose mit Optimismus nach vorne zu blicken: "Viele Leute denken das Schlimmste, wenn sie so eine Diagnose zu hören bekommen. Aber ich habe mir gesagt, ich muss so positiv bleiben wie es geht und werde das durchstehen – egal was passiert."

Er berichtete seinem Trainer, seiner Familie uns seinen Freunden von der Erkrankung, hielt die Diagnose ansonsten aber geheim. "Ich wollte nicht, dass das eine Ablenkung für das Team sein wird. Wir hatten schließlich einen Job zu erledigen: Wir wollten die Meisterschaft gewinnen und ein Bowl-Spiel erreichen", erzählt Brewers.

Am Weltkrebstag machte Brewers seine Krankheit öffentlich

Erst knapp zwei Monate nachdem die Blue Raiders tatsächlich ein Bowl Game bestritten, den New Orleans Bowl allerdings gegen die Appalachian State Mountaineers verloren, machte er seine Krankheit mit einem Brief über die sozialen Medien öffentlich - und zwar am 4. Februar, dem Weltkrebstag.   

"Ich hatte das große Glück, dass bei mir keine Chemo-Behandlungen nötig war", berichtet er. "Ich musste dafür aber sechs Wochen während der Saison eine Strahlenbehandlung an mir vornehmen lassen. Das waren Tage, die für mich wirklich nicht einfach waren, aber ich bin die Sache einfach mit positiven Gedanken angegangen."

Die Behandlung blieb nicht ohne Folgen. Auch wenn die Nebenwirkungen nicht mit denen einer Chemo-Therapie zu vergleichen sind, war der Körper geschwächt. Trotzdem zog er sein Trainingsprogramm durch, manchmal eine Stunde nach einer Strahlenbehandlung – und das vor den Augen der NFL-Scouts.

"Wenn ich jetzt noch einmal in diese Zeit zurückreisen könnte, würde ich wahrscheinlich wollen, dass die Scouts davon wissen, bevor sie zum Training kommen. Einfach weil ich an einigen Tagen etwas müder aussah als andere und die Scouts dann nicht denken würden, ich bin müde", sagt er heute.

Beeindruckend: Brewers hat trotz seiner insgesamt 15 Strahlenbehandlungen kein Training und kein Spiel verpasst. Er wurde nach der Saison sogar in das "2018 C-USA Football All-Conference Teams" gewählt.

Joe Reitz, der von 2008 bis 2016 als Offensive Tackle in der NFL für die Baltimore Ravens, Miami Dolphins und Indianapolis Colts aktiv war, hat eng mit Brewer zusammengearbeitet – und wusste ebenfalls nichts von der Erkrankung. "Es ist unglaublich, dass er überhaupt auf dem Feld stand", sagt er. Rückblickend erscheint es ihm fast lächerlich, wenn er Brewer früher bei Sitzungen auf Fehler im Blocking-Verhalten hingewiesen hat: "Wir reden über einen Mann, der wahrscheinlich nur mit 50 Prozent seines eigentlichen Potentials spielen konnte."

Wie stark er wohl ist, wenn er die kompletten 100 Prozent abrufen kann? Dies wollen nun die Los Angeles Rams herausfinden. Der Super-Bow-Finalist aus der vorherigen Saison hat direkt nach dem Draft gleich 14 undrafted Free Agens unter Vertrag genommen – Brewer ist einer von ihnen.   

Ob er es letztendlich in den 53-Mann-Kader oder zumindest in den Practice Squad schafft, ist wie bei jedem anderen ungedrafteten Spieler zunächst sehr fraglich. Die Konkurrenz ist groß. Doch wer sich nicht einmal vom Krebs aufhalten lässt, braucht keine Herausforderung mehr zu fürchten.

Oliver Jensen

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