Brian Flores will die Miami Dolphins umkrempeln - Bildquelle: imagoBrian Flores will die Miami Dolphins umkrempeln © imago

Miami/ München - In Miami weht ein frischer Wind. Das Team der Dolphins steht seit Februar unter der Leitung von Head Coach Brian Flores, der als angepriesenes Defensive-Mastermind und Super Bowl-Sieger vom Division-Rivalen aus New England gekommen ist. 

Der Division-Rivale, der sich in diesem Jahrtausend mit einer Mentalitäts-Mixtur aus Disziplin, eisernem Siegeswillen und harter Arbeit immer wieder an die Liga-Spitze geschoben hat.

Dort verbrachte Flores die letzten 15 Jahre, manövrierte sich dort vom einfachen Talente-Sucher in den Trainer-Stab. Vom Assistent der Special Teams in die Offense und dann in die Defense. Vom Safeties-Coach zu den Linebackern. Von den Linebackern zum Play-Caller und damit zum inoffiziellen Defensive Coordinator des dominantesten Teams der NFL. 

"Er hat großen Anteil an den Erfolgen in New England, wo er im Personalbereich, in der Offense, in der Defense und mit den Special Teams arbeitete. Dadurch bekam er ein gutes Verständnis dafür, was es braucht, um zu gewinnen. Wenn Sie mit jemandem sprechen, der für ihn gespielt hat oder mit ihm gearbeitet hat, bekommen sie zu hören, dass er dazu in der Lage ist, anzuführen und das Beste aus den Menschen herauszuholen." Mit diesen Worten wurde Flores von General Manager Chris Grier bei den Dolphins vorgestellt. 

Vom Talente-Sucher ins Vertrauen von Bill Belichick. Der Mann weiß offenbar, wie man an die Spitze kommt. Ähnliches hat er jetzt auch mit den Miami Dolphins vor. Dafür braucht es allerdings eine "Kultur"-Veränderung. Disziplin galt in den vergangenen Jahren schließlich nicht als Steckenpferd im Sunshine-State. 

Miami Dolphins führen die "TNT-Wall" ein

Der beste Beweis für die häufig vorkommende Disziplin-/Konzentrationslosigkeit ist die Penalty-Statistik. Ganze 978 Yards gaben die "Phins" 2018 aufgrund von Flaggen ab. Nur acht Teams haben mehr Yards an den Referees verloren. Die Patriots sehen dagegen wie echte Chorknaben aus. Die 744 Yards werden nur noch von den Tennessee Titans (727 Yards) unterboten. 

Um in ähnliche Penalty-Sphären zu gelangen muss also etwas verändert werden. So wurde am zweiten Tag der OTAs die "TNT-Wall" eingeführt. Eine Mauer auf der, wer hätte es gedacht, die Buchstaben "TNT" prangen. Das soll für "Takes No Talent", also "Dafür braucht es kein Talent" stehen. 

Die Mauer wurde als Form der Bestrafung aufgestellt und wird gebraucht sobald ein Fehler begangen wird, für den es kein Talent benötigt. "Das Talent des Teams und eine Menge anderer Dinge in diesem Spiel gehen auf Fokussierung und die richtige Ausführung zurück. Eine Yards-Strafe hat oftmals nichts mit Talent, sondern mit Fokus zu tun. Das ist ein Mindset-Problem. Dinge, die kein Talent benötigen, sind oftmals die Details, die einem helfen, Spiele zu gewinnen", so Flores.

Begeht ein Spieler also einen Fehler, der auf fehlende Fokussierung oder Konzentration zurück zu führen ist, muss er zur Mauer an der Seite des Trainingsplatzes rennen. Das ist zwar kein weiter Weg, kann bei den Temperaturen in Florida allerdings durchaus an die Substanz gehen. 

Das bekam auch Cornerback Eric Rowe zu spüren. "Auch wenn es nur ein kurzer Lauf ist, ist es ermüdend. Du willst solche Fehler einfach nicht machen. Es ist keine physische Sache, sondern eher eine mentale. 'Takes No Talent' bedeutet im Grunde, dass Fehler wie Offsides und False Starts kein Talent brauchen, um sie abzustellen. Wir waren mal zu zehnt auf dem Platz und mussten alle zur Mauer damit wir uns diese dummen Fehler abgewöhnen." 

Brian Flores: "Pünktlich ist zu spät"

Die Abstellung von einfachen Fehlern ist allerdings nur ein Aspekt, den Flores in seiner neuen "Dolphins-Kultur" einfließen lassen will. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Pünktlichkeit. So fangen Pressekonferenzen, die für 10:45 Uhr angesetzt sind, gerne mal schon um 10:38 Uhr an.

"Zu früh ist pünktlich, pünktlich ist zu spät und zu spät ist Vergessen. Ist das eine Regel? Nein. Es ist mein persönliches Mantra und ich glaube, dass ich viel Respekt vor der Zeit habe. Das habe ich wirklich. Zeit ist wertvoll. Wir sollten sie nicht als gegeben hinnehmen". In Miami reicht es also nicht mehr pünktlich zu kommen. Die Dolphins-Star haben gefälligst einige Minuten vor den Terminen in den Besprechungsräumen zu sitzen. 

Bestrafung von leichtfertigen Fehlern, übergenaue Pünktlichkeit. So festigt Flores zwar sein Bild des knallharten Anführers, versucht dabei aber gleichzeitig ein Mann von Fairness und Menschlichkeit zu sein. "Wir versuchen hier eine Kultur der Verbesserung, der harten Arbeit und des Wettbewerbs aufzubauen. Dabei geht es allerdings auch um Ehrlichkeit, um Demut und Bescheidenheit. Das sind zentrale Werte von mir und wenn man diese nicht einhält, werde ich ein bisschen sauer."

Die Dolphins wissen also, was zu tun ist. Am Talent wird es laut des neuen Head Coachs nicht scheitern. Das wurden den meisten Spielern längst in die Wiege gelegt. Die Details trennen die Spreu vom Weizen. Werden die nicht eingehalten, wissen die Stars um Rosen, Fitzpatrick und Co., wo es hingeht. Zur Mauer. 

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