Die Chicago Bears haben ihr offensives Rezept noch nicht gefunden - Bildquelle: Getty ImagesDie Chicago Bears haben ihr offensives Rezept noch nicht gefunden © Getty Images

München - Aufgeben wollte er nicht.

Als die Schlussminuten in der Partie zwischen den Cleveland Browns und Chicago Bears laufen und der Pass Rush der Browns beim letzten Offensiv-Spielzug der Bears erneut wie ein Schwarm Wespen auf Fields losstürzt, bricht er den Tackle-Versuch von Myles Garrett. Doch noch bevor er sich nach einem Ausweg umschauen kann, kracht schon Jadeveon Clowney auf ihn ein.

Der neunte Sack der Browns und das Ende einer katastrophalen Offensiv-Vorstellung der Bears.

Dass Chicago mit 6:26 gegen ein starkes Team aus Cleveland mit Super-Bowl-Aspirationen verliert, ist nicht besonders tragisch. Tragisch ist allerdings die Art und Weise.

Besonders der Plan - wenn es denn einen gegeben hat -, wie Justin Fields in seinem Starter-Debüt eingesetzt werden sollte, wirft viele Fragen über den Coaching Staff rund um Head Coach Matt Nagy auf. 

Fields kann Offensive nicht allein tragen

Als die Bears vor knapp einem halben Jahr Fields in der ersten Runde des Drafts wählten, war klar, dass Nagy für den jungen Quarterback seine Offensive umkrempeln und auf die Stärken des Rookies setzen muss.

Fields zeigte am College immer wieder seine Wurfkraft, die Fähigkeit, sich mit seinen athletischen Qualitäten Zeit zu verschaffen. Im Laufspiel kann er als zusätzliche Bedrohung eingebunden werden. 

Der Sprung vom College an die NFL ist für jeden Quarterback schwierig. Das erhöhte Tempo, die Raffinesse der Defensiv-Koordinatoren und die steigende individuelle Qualität der Defensiv-Spieler sorgen allein schon auf dem Feld für Stolpersteine.

Ganz zu schweigen vom neuen Playbook, der neuen Umgebung, neuen Coaches, und, und, und.

 

Umso wichtiger ist es für junge Quarterbacks, dass sie nicht sofort die komplette Offensive schultern müssen, sondern in ein System kommen, in dem sie lernen können und mögliche Schwächen ein wenig kaschiert werden. Fields ist, wie jeder andere Rookie, kein astreines Quarterback-Talent gewesen. Auch er zeigte am College hin und wieder Tendenzen, Defensiven nicht schnell genug zu lesen und den Ball zu lange zu halten.

Offensive auf Dalton ausgelegt

Und auch gegen die Browns übersah er einige Male offene Passempfänger oder kassierte unnötige Sacks.

Aber das deutlich größere Problem war die Statik, mit der die Offensive agierte. Fields bringt als Läufer eine unfassbare Dynamik mit und stellt Defensiven als zusätzliche Option im Laufspiel vor Probleme. Doch die Bears streuten lediglich fünf Read-Options ein (zwei Mal behielt Fields den Ball und lief für zwölf Yards). 

Gegen die talentgespickte Defensive Line setzte Nagy zu oft (13 Mal) auf eine reine Five-Man-Protection - bedeutet, dass nur die O-Liner blocken und kein Tight End oder Running Back hilft.

Eine weitere Möglichkeit, um einem jungen Quarterback das Leben leichter zu machen, bieten Motions und Play-Action. Bewegungen vor dem Snap können dem Quarterback eine Idee geben, wie die Defensive aufgestellt ist und welche Deckung sie spielen. Die Bears hatten am Sonntag bei vier von 30 Dropbacks Bewegung vor dem Snap. 

Ebenso selten konnte Fields bei Play-Action-Pässen einfache Completions sammeln. Dabei ist Fields mit seiner Wurfkraft und Athletik ideal dafür geeignet, um zu einer Seite rauszurollen und einen Passempfänger zu finden.

"Wir waren überrascht, dass sie ihn so wenig in Bewegung gesetzt haben und stattdessen eher ein klassisches Dropback-Passpiel aufgezogen haben. Aber das war gut für uns", frohlockte Browns-Star Myles Garrett, der viereinhalb Sacks beisteuerte, nach der Partie im Interview mit "Pro Football Talk".

 

Die Offensive schien über weite Strecken eher auf Andy Dalton ausgelegt zu sein. Dalton ist, im Gegensatz zu Fields, allerdings ein erfahrener Quarterback, der sich viel im Kurzpassspiel aufhält und nicht annähernd an die Mobilität von Fields herankommt. 

Was nun? 

"Es ist so schlecht, das kannst du dir eigentlich gar nicht ausdenken", polterte ein frustrierter Matt Nagy nach der Partie.

Bei den Bears ist noch offen, wer kommendes Wochenende als Starter aufs Feld geschickt wird. Dem Head Coach zufolge sind alle drei Quarterbacks (Dalton, Fields und Nick Foles) eine Option. 

Fields ist die Zukunft der Bears. Doch sollte er starten, braucht es einen klaren Fahrplan. Ansonsten fahren die Bears erneut in eine Sackgasse.

Und könnten, im schlimmsten Fall, Fields' langfristige Entwicklung gefährden, wenn er, wie am vergangenen Spieltag, mehr Zeit auf dem Boden als auf den Beinen verbringt. 

Tim Rausch

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