Die Chicago Bears sind nach dem Sieg gegen die Minnesota Vikings der Favorit... - Bildquelle: Getty ImagesDie Chicago Bears sind nach dem Sieg gegen die Minnesota Vikings der Favorit auf den Division-Titel in der NFC North © Getty Images

München/Chicago - Selbst nach dem dominanten 34:22-Sieg der Chicago Bears gegen die Detroit Lions zweifelten immer noch viele Experten daran, dass die Mannschaft von Trainer Matt Nagy zu den echten Topteams in der NFC gehört.

Die Bears standen zwar bei einer Bilanz von 6 Siegen bei 3 Niederlagen, doch darunter waren auch Erfolge gegen Buffalo, Arizona, und die New York Jets. Chicago fehlte ein Sieg gegen einen starken Gegner, einen mit einer positiven Bilanz.

Das hat das Team mit dem 25:20-Sieg zur Primetime gegen die Minnesota Vikings (zu den Highlights) nun geschafft.

Sieg gegen Vikings ein Statement

Und es war nicht nur ein Sieg, es war ein Statement. Die Division ist unsere, wir sind die Nummer 1. Denn mit 1,5 Siegen Vorsprung stehen sie an der Spitze der NFC North vor den Vikings (5-4-1) und gehen als Favorit um den Staffeltitel ins Schlussdrittel der NFL-Saison.

"Es werden viele Leute sagen, dass sie unseren Erfolg vorausgesehen haben, obwohl das nicht stimmt. Niemand hat an uns geglaubt. Außer wir selbst", sagte Quarterback Mitchell Trubisky nach dem Sieg gegen die Vikings. Tatsächlich hat der Erfolg der Bears in diesem Jahr auch viel mit ihm zu tun.

Trubisky blüht unter Nagy auf

In seinem Rookie-Jahr 2017 zeigte Trubisky vielversprechende Ansätze, insgesamt hatte er aber große Probleme sich an das NFL-Level anzupassen und führte die Bears zu nur vier Siegen bei acht Niederlagen in seinen 12 Starts. Nicht einmal 60 Prozent seiner Pässe kamen an und er warf in 12 Spielen mit sieben Interceptions genauso viele wie .

Auch deshalb sagten die Experten in der NFC North einen Zweikampf zwischen den Minnesota Vikings und den Green Bay Packers voraus. Doch in seiner zweiten Saison kommt Trubisky nach 10 Spielen auf fast dreimal so viele Touchdowns wie in seinem Rookiejahr. Derzeit steht er 20 - Tendenz steigend.

Und: 64 Prozent seiner Würfe kommen beim Passempfänger an. Mit Taylor Gabriel, Allen Robinson und dem athletischen Tight End Trey Burton hat ihm das Management auch gefährliche Passempfänger zur Seite gestellt - Passempfänger, die ihm in der Vorsaison gefehlt hatten.

Offense ist unter Nagy unberechenbarer

Dazu hat Trubisky bereits 363 Yards erlaufen, kein Quarterback hat mehr Rushing Yards erzielt, nicht einmal Cam Newton. Dafür ist auch Head Coach Matt Nagy verantwortlich. Der 40-Jährige schneidet häufig Spielzüge auf Trubiskys läuferische Fähigkeiten zu. Der Quarterback kann dann aus der Pocket gehen und selbst entscheiden: Werfen oder selbst laufen.

Im Vergleich zum letztjährigen Head Coach John Fox ist die Offense unter Nagy deutlich unberechenbarer geworden. Fox entschied sich bei erstem und zweitem Down zumeist für einen Laufspielzug, funktionierte das nicht musste Rookie Trubisky den Drive beim dritten Versuch irgendwie retten.

Inzwischen sind die Bears beim Playcalling deutlich flexibler und kreativer. Ein Beispiel dafür ist Running Back Tarik Cohen. Der 23-Jährige wurde von Fox vornehmlich als Passempfänger eingesetzt. Das machte es der gegnerischen Defense leicht vorherzusehen, welche Art von Spielzug die Bears-Offense spielen würde. Nagy lässt den nur 1,68 cm großen Cohen sogar manchmal durch die Mitte laufen.

Noch zu viele Turnover

Ein Bereich in dem sich die Offense noch verbessern kann sind die Turnover. Mit 1,4 Turnovern pro Spiel liegen die Bears im ligaweiten Vergleich nur auf Platz 19. Dennoch sind sie das Team mit der besten Turnoverdifferenz. Im Schnitt erzwingt Chicago pro Spiel 1,3 Turnover mehr als sie selbst verschulden. Das liegt an ihrer dominanten Defense.

18 Interceptions hat die Defense der Bears in diesem Jahr bereits gefangen, das sind drei mehr als jedes andere Team der NFL. Berechnet man die Fumbles mit ein, kommt das Team im Schnitt auf 2,7 Ballgewinne pro Spiel - bester Wert in der NFL.

Khalil Mack ist nicht zu stoppen

Die dominante Defensive Line und das Linebacker-Core um den hochtalentierten Rookie Roquan Smith sind ausgezeichnete Run-Stopper. Smith hat bereits 70 Tackle auf dem Konto und führt das Team in dieser Statistik an. Pro Lauf lassen die Bears nur 3,5 Yards zu, ebenfalls Spitzenwert der Liga.

Der Star der Defense ist natürlich Khalil Mack. Der Pass Rusher hatten die Bears vor der Saison für zwei Erstrundenpicks aus Oakland geholt, und Mack hat bereits gezeigt, warum er den Bears diese Investition wert war.

In nur acht Spielen hat der 27-Jährige bereits achtmal den Quarterback gesackt und fünf Fumbles erzwungen. Auch gegen die Vikings war er wieder für ein Big Play verantwortlich, als er Vikings-Running-Back Dalvin Cook den Ball im ersten Viertel in der Redzone entriss.

Doch im Gegensatz zu seiner Zeit in Oakland hat Mack mit Akiem Hicks jetzt einen zweiten dominanten Spieler an seiner Seite. Hicks hat in dieser Saison 35 Tackles, 4 Sacks und drei Forced Fumbles auf dem Konto. Dank des 29-Jährigen können sich gegnerische Teams nicht darauf beschränken, Mack bei jedem Spielzug zu doppeln.

Alle Niederlagen denkbar knapp

Da die Front Seven der Bears so dominant auftritt, müssen die Spieler aus der Secondary nur selten blitzen. Sie können sich voll darauf konzentrieren, die gegnerischen Receiver zu beschatten und Pässe abzufangen. Das tun sie in diesem Jahr auch sehr erfolgreich.

Kyle Fuller gehört schon seit Jahren zu den besseren Cornerbacks in der NFL und hat auch in diesem Jahr schon wieder vier Interceptions gefangen. Bryce Callahan hat sich in dieser Saison als ein solider Starter etabliert und auch der letztjährige Viertrundenpick, Safety Eddie Jackson, zeigt sein Potenzial.

Eine echte Schwachstelle gibt es in dieser Defense kaum. Bleiben alle Leistungsträger gesund, wird sie auch bis zum Saisonende zu einer der besten der NFL gehören. Und was für Chicago spricht: Beim Team tritt ein Lerneffekt ein. Die bisherigen Niederlagen waren alle denkbar knapp. Gegen die Packers, Patriots und Dolphins verlor das Nagy-Team im Schnitt mit weniger als vier Punkten.

Dennoch gelten in der NFC immer noch die Los Angeles Rams und die New Orleans Saints als Topfavoriten - auch aufgrund der Offensivpower. Doch die Bears können mit ihrer starken Defense noch einmal ein Statement abgeben. Am 14. Spieltag kommen die Rams ins Soldier Field von Chicago. Und inzwischen glauben nicht nur die Bears selbst an den Erfolg dieses Teams.

Julian Huter

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