Myles Garrett (li.) sorgte im vergangenen Jahr für unschönen Szenen. - Bildquelle: imago images/Icon SMIMyles Garrett (li.) sorgte im vergangenen Jahr für unschönen Szenen. © imago images/Icon SMI

München/Pittsburgh - Am Sonntag kommt es zum AFC-North-Showdown zwischen den Pittsburgh Steelers und den Cleveland Browns (ab 19:00 Uhr live auf ProSiebenMAXX und ran.de). Nach vielen einseitigen Duellen entbrannte die Rivalität zwischen den beiden Traditions-Franchises in der vergangenen Saison von Neuem und dürfte das Spiel auch in diesem Jahr wieder sehenswert machen.

Deutliche Kampfansage aus Cleveland

Bereits vor dem Aufeinandertreffen der beiden Teams fliegen die ersten Giftpfeile in Richtung Pittsburgh, in diesem Fall von Browns-Runningback Kareem Hunt: "Dieses Spiel ist für Myles, dieses Spiel ist für Cleveland. Dieses Spiel hat eine Menge Bedeutung." 

Es ist kein Spiel wie jedes andere, nicht nur weil sich beide Teams berechtigte Hoffnungen auf die Playoffs machen dürfen. Durch die schwachen Leistungen der Browns verlor eine der ältesten Rivalitäten der NFL in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung und die Steelers schauten sich zwangsläufig nach anderen Rivalen um, beispielsweise in Baltimore oder New England.

Im November 2019 änderte sich diese Sichtweise jedoch schlagartig - im wahrsten Sinne des Wortes.

Garrett vs. Rudolph

Mit noch knapp 15 Sekunden auf der Uhr und einem klaren Ergebnis von 21:7 nährte sich das "Thursday Night"-Spiel zwischen Cleveland und Pittsburgh dem Ende. Nachdem er bis dahin ein überraschend ruhiges Spiel hatte, bezwang Browns-Defensive-End Myles Garrett seinen Blocker und rang Mason Rudolph, den Spielmacher der Steelers, erfolgreich zu Boden.

Es folgte ein kleines Wortgefecht zwischen den Spielern, in dessen Folge Garrett Rudolph den Helm entriss, ausholte und den Quarterback der Steelers am Kopf traf.

Einige Teamkollegen versuchten die Streithähne auseinanderzuhalten, während andere, wie Steelers-Center Maurkice Pouncey und Browns-Defensive-Tackle Larry Ogunjobi, in den Kampf mit einstiegen. 33 Spieler wurden von der NFL bestraft, die Geldstrafe belief sich auf insgesamt 732.422 Dollar.

Was löste den Streit aus?

Die beiden Streithähne wurden hingegen unterschiedlich schwer bestraft. Während Rudolph "nur" 50.000 Dollar blechen musste, wurde Garrett für sechs Spiele gesperrt.

Das Urteil sorgt bis heute für Unmut bei Garrett, der nach dem Spiel schwere Vorwürfe gegen den Spielmacher der Steelers erhob. So soll der Pass Rusher von Rudolph rassistisch beleidigt worden sein, was dieser allerdings bis heute bestreitet. 

"Es braucht schon eine Menge, um Myles so aus dem Konzept zu bringen", erklärte Hunt die Kurzschlussreaktion gegenüber Mary Kay Cabot von "Cleveland.com" vor dem Spiel am Sonntag. "Ich habe allerdings keine Zweifel, dass er seine Emotionen im Griff haben wird. Wir werden rausgehen und Football spielen."

Für Garrett selbst ist das Spiel am kommenden Sonntag das erste Aufeinandertreffen mit den Pittsburgh Steelers seit seiner Suspendierung.

Statistik spricht für Pittsburgh

Derweil versucht man auf Seiten der Pittsburgh Steelers gelassener in das Spiel zu gehen. Zum ersten Mal seit 1979 steht die Franchise bei einer Bilanz von 4-0. 

Ein Grund für die wiedergewonnene Dominanz ist die Rückkehr von Quarterback Ben Roethlisberger, der in der vergangenen Saison mit einer Verletzung am Ellenbogen lange pausieren musste. Mit zehn Touchdowns und einer Interception spielt der 38-Jährige bisher eine starke Saison.

Neben der Offense und einer starken Defense, die zu den besten Einheiten der NFL zählt, spricht auch die jüngere Statistik für die Steelers. In den vergangenen zehn Jahren gewann Pittsburgh 16 von 20 Spielen gegen Cleveland, eine Partie endete unentschieden.

Garrett wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit

Trotz aller Gelassenheit sind sich die Steelers der Aufgabe bewusst, die ihnen am kommenden Sonntag bevorsteht. Wie schon im vergangenen Jahr steht Myles Garrett im Zentrum des Geschehens: "Er ist der Typ Football-Spieler, der nur einmal in einer Generation vorkommt. Er ist sehr, sehr gut", so Roethlisberger.

Die Offensive Line der Steelers ist bekannt für ihre hohe Qualität und belegt mit sechs erlaubten Sacks Rang fünf in der NFL. Auch Garrett soll am Sonntag bestmöglich in Schach gehalten werden.

"Er ist ein Gamechanger, deswegen haben wir auch mehrere Jungs, die ihn blocken werden", versichert Roethlisberger zuversichtlich.

Hoffen auf einen offenen und fairen Wettkampf

 

Gerade aufgrund der unterschiedlichen Herangehensweisen beider Teams besitzt das Spiel am Sonntag genügend Potenzial, um eines der besten der Saison und vielleicht sogar der vergangenen Jahre zu werden.

Neben der unbestreitbar hohen Qualität auf beiden Seiten garantiert auch der Kampf um die Playoffs ein spannendes Spiel. Bleiben die Steelers auch im fünften Saisonspiel ungeschlagen, festigen sie ihre Position an der Spitze der AFC North, während die Browns durch einen Sieg mit Pittsburgh gleichziehen und sich selbst in eine hervorragende Ausgangsposition bringen könnten.

Eine der besten Rivalitäten der NFL geht in die nächste Runde - mit einem hoffentlich offenen und diesmal vor allem fairen Spiel zweier ambitionierter Mannschaften.

Tom Offinger  

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