Tua Tagovailoa will in die NFL. - Bildquelle: imago images / ZUMA PressTua Tagovailoa will in die NFL. © imago images / ZUMA Press

München - Tua Tagovailoa hatte sich gut vorbereitet. Schließlich ist der 6. Januar für ihn ein besonderer Tag. Einer, der die Weichen stellen und seine Zukunft einläuten soll. 

Auch wenn die komplett offen ist.

Was sich widersprüchlich anhört, ist seiner besonderen Situation geschuldet. Und besondere Situationen verdienen durchaus einen besonderen Rahmen. Vor allem dann, wenn viele Fragen offen bleiben.

Bei Tagovailoa war im Vorfeld klar, dass eine simple Antwort auf die Frage, ob er am Draft 2020 (live auf ProSieben MAXX und ran.de) teilnimmt, nicht reichen wird. Im Gegensatz zu seinen College-Kollegen gab es dann auch keine Verkündung via Twitter, Facebook oder Instagram, sondern durch eine eigens dafür einberufene Pressekonferenz. 

 

Und der Quarterback der Alabama Crimson Tide verkündete im lockeren, kurzärmeligen Hemd und ohne Krücken, dafür mit "Spickzettel", dass er beim Draft 2020 mitmischt. 

Heißt: Tagovailoa will in die NFL. Und das trotz seiner Horrorverletzung, obwohl er sich am 16. November 2019 die Hüfte auskugelte und anfangs sogar seine sportliche Karriere auf der Kippe stand.

Achterbahnfahrt als Vorbereitung

Seinen Zettel nahm er nicht aus der Hand, als er sich zunächst beim halben College bedankte, für eine drei Jahre lange "Achterbahnfahrt. Ich hatte eine ganze Reihe von Höhen und Tiefen und ich könnte nicht glücklicher sein, als zu wissen, dass all die Erfolge und Misserfolge, die ich hier an der Universität hatte, mich auf das Leben im Allgemeinen vorbereitet haben."

Das Schwerste war aber offenbar die Entscheidung für den Draft. "Ich hatte eine harte Zeit, um diese Entscheidung zu treffen, es ging hin und her", gab er zu. Theoretisch hätte er noch auf dem College bleiben und bei den Crimson Tide sein Senior-Jahr absolvieren können. In Ruhe die Reha absolvieren, weiter reifen, es 2021 dann versuchen.

Die Liste mit den Argumenten dafür und dagegen dürfte durch seine spezielle Situation lang gewesen sein. Die Alternativen haben ihn aber nicht überzeugt und nicht davon abgehalten, den Sprung zu wagen. 

Klar ist: Es ist einer in die Ungewissheit.

Bei der Entscheidung hätten vor allem seine Eltern geholfen. Und sein Glaube. Aber natürlich hat der 21-Jährige den Rat der Ärzte in seine Entscheidung mit einbezogen. Am vergangenen Freitag hatte er in New York Spezialisten konsultiert. Das Ergebnis war ermutigend.

"Nach dem, was sie gesehen haben, sieht alles gut aus, aber man kann es erst nach drei oder vier Monaten wirklich beurteilen", sagte Tagovailoa am Montag. Im Februar also frühestens. März. 

Klar ist daher auch: Die Zeit arbeitet nicht für ihn. 

Der Scouting Combine steigt vom 25. Februar bis 2. März in Indianapolis, der Draft selbst vom 23. bis 25. April in Las Vegas. Der Combine wäre der absolute Idealfall, ein Pro Day vor dem Draft ist das Mindestziel.

Die große Unbekannte

Im Grunde ist es die Voraussetzung, denn galt der Quarterback vor dem 16. November als designierter Nummer-1-Pick, ist er nach seiner Verletzung jetzt vor allem eine Unbekannte. 

Ein Fragezeichen, denn die Voraussetzungen mögen gut sein. Manager und Teambesitzer wollen aber Fakten, keine Prognosen. Im Fall von Tagovailoa wollen sie ihn also in Aktion sehen. Das haben sie ihm in Gesprächen deutlich gemacht. Davon wird dann auch alles abhängen.

Der Draft-Verlauf. Der Pick. Das Team. Seine Zukunft.

"Es ist mit Sicherheit eine einzigartige Situation. Mit meiner Hüfte haben viele der Manager und Besitzer, mit denen ich gesprochen habe, dasselbe gesagt: Sie sehen es als Knieverletzung, auch wenn es keine ist. Sie wollen sehen, ob ich mich bewegen und wieder spielen kann, wie ich es vor der Verletzung getan habe", sagte er. 

Da war er der Superstar im College-Football, das große Versprechen. Jetzt sind andere im Gespräch, angeführt von Heisman-Gewinner Joe Burrow, die neue designierte Nummer eins.

Im Grunde also geht Tagovailoa "All in". Eine mutige Wette auf sich selbst, wenn man so will. Der Einsatz: hoch. Der Ertrag: ungewiss. Doch die Gegenfrage lautet bei einem 21-Jährigen auch: Was hat er zu verlieren?

Hinzu kommt: Die Nachfrage ist groß, viele Teams sind auf der Suche nach einem Spielmacher, tief fallen dürfte er nicht, wenn er grünes Licht von den Ärzten erhält und seine Fitness und sein Beweglichkeit nachweisen kann. Denn dass er ein Ausnahmetalent ist, bestreitet niemand.

Weitere Stärken

Und auch der Rest steht nicht in Frage, denn Alabama-Coach Nick Saban gab allen Interessenten weitere Stärken des 21-Jährigen mit auf den Weg.

"Er hat einen tollen Charakter. Er ist ein großartiger Anführer. Er hat wundervolle Arbeit geleistet. Er hat einen Spirit, der mich und alle um ihn herum sehr, sehr positiv beeinflusst hat", sagte Saban. Denn auch darauf kommt es an, auf die Stärken abseits des Platzes. Sie werden ihm auf dem Weg durch die Reha, zum Draft in die NFL helfen.

Keine Frage: Tagovailoa ist gut vorbereitet.

Andreas Reiners

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