Zunehmend genervt: Matt Nagy. - Bildquelle: imago images / Icon SMIZunehmend genervt: Matt Nagy. © imago images / Icon SMI

München/Chicago – Langsam wird es peinlich. Falls es das nicht sowieso schon lange ist. 

Doch die verzweifelte Suche nach einem neuen Kicker ist bei den Chicago Bears nicht nur eine unendliche, sondern auch eine komplizierte Geschichte. 

Die im Grunde vor drei Jahren begann, als sich die Franchise aus finanziellen Gründen von Robbie Gould trennte. Und so ein Fass aufmachte, das in der vergangenen Saison in dem dramatischen Playoff-Aus durch ein "Double Doink" von Cody Parkey gegen die Philadelphia Eagles (15:16) gipfelte. Seitdem wollen die Bears ihr Kicker-Problem endlich lösen. Von Parkey haben sie sich getrennt.

 

Es geht um eine Position, die im Roster zwar durchaus wichtig ist, aber kein essentielles Problem sein sollte. Die Anforderungen sind besondere, denn im Mittelpunkt stehen Kicker nur selten und meistens nur dann, wenn sie NICHT treffen. Nervenstärke ist neben Treffsicherheit also auch extrem gefragt. Doch so einfach gestaltet sich die Suche nicht, die in der Offseason hochstilisiert wird zu einem "Die Bears suchen den Super-Kicker". 

Dabei bauscht die Franchise die Suche selbst zu einer großen Story auf, die mittlerweile mehr und mehr zur Farce verkommt. 

"Augusta silence"

Wo Szenarien nachgestellt werden, um die Kandidaten unter Druck zu setzen, um zu testen, ob sie den Situationen auch gewachsen sind. Die "Augusta silence" zum Beispiel – angelehnt an das Golf-Masters in Augusta, wenn bei den Putts gespenstische Stille herrscht. So auch beim Training der Bears, wenn die Kicker aus dem Nichts plötzlich ein entscheidendes Field Goal erzielen müssen. Die Teamkollegen schauen schweigend von der Seitenlinie aus zu.

Acht Kandidaten traten am Anfang gegeneinander an, die Truppe ist inzwischen von einem Trio zu einem Duell geschrumpft, nachdem jüngst Chris Blewitt entlassen wurde. 

Er hatte im Minicamp der Bears aus 40 Yards nicht getroffen. Wie seine beiden Mitstreiter Eddy Piniero und Elliott Fry übrigens auch. Alle drei verpassten. Piniero traf immerhin den Pfosten.

Peinlich. 

"Was immer euch durch den Kopf ging, ging auch durch meinen Kopf", sagte Head Coach Matt Nagy, der mehr und mehr genervt ist von der unsäglichen Suche.

 

"Sie werden alle bewertet, nicht nur durch die Medien, nicht nur von mir, sondern auch von ihren Teamkollegen", sagte er. Es ist schlicht und ergreifend ein Fehlstart für die Kicker-Kandidaten, die sich nicht mit Ruhm bekleckern. 

Hinzu kommt, dass Bears-Legende Gould immer noch in den Hinterköpfen herumschwirrt. Die San Francisco 49ers haben ihn mit dem Franchise Tag belegt, er lässt sich bislang aber nicht blicken, würde gerne zurück "nach Hause", nach Chicago.

"Wenn alle getroffen hätten, wäre es kein Thema. Aber die Realität ist, dass sie nicht getroffen haben, weshalb wir jetzt über Kicker sprechen", so Nagy.

Die Zeit drängt

Über Piniero, der 2018 von den Oakland Raiders als Undrafted Free Agent verpflichtet wurde. Der 23-Jährige verpassste die vergangene Saison verletzungsbedingt. Fry wurde von den Orlando Apollos geholt, nachdem die Alliance of American Football Pleite ging. Klar ist: Beide rocken die Bears nicht wirklich.

Doch langsam drängt die Zeit, immerhin ist es bereits Juni. Im Juli ist das Trainingscamp, dann startet Anfang August die Preseason. Viel Zeit bleibt also nicht mehr.

Ein kleiner Trost: Viel peinlicher kann es kaum noch werden. 

Andreas Reiners

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