Dak Prescott: "Vorspielen" für den neuen Vertrag. - Bildquelle: imago/Icon SMIDak Prescott: "Vorspielen" für den neuen Vertrag. © imago/Icon SMI

München/Dallas - Quarterbacks polarisieren. Das liegt schon alleine an ihrem Job, an ihrer elementaren Position und Verantwortung. Aber auch am oft exorbitanten Gehalt. Und natürlich eng daran geknüpft an der Leistung. Manchmal sind es aber auch andere, nicht so greifbare Dinge.

Wie bei Dak Prescott. Denn auch er polarisiert, er spaltet die Fans der Dallas Cowboys in zwei Lager. Die einen sehen in ihm den jungen Spielmacher, der er in seiner dritten Saison mit 25 Jahren nun mal noch ist. Mit Potenzial und der Aussicht, noch zu wachsen, sich zu entwickeln.

 

Für die anderen ist er ein Spielverwalter, der vom Top-Rusher der Liga (Ezekiel Elliott) und einer starken Defense getragen wird. Und es gibt sicher auch welche, die es ihm übelnehmen, dass er 2016 Legende Tony Romo auf die Bank verdrängte. Dann werden gerne mal Vergleiche zwischen dem späten Romo und dem frühen Prescott herausgekramt, die Letzterer nur verlieren kann.

Sicher ist aber: An Prescotts Gehalt liegt es nicht, dass er polarisiert. Denn der 25-Jährige ist als Viertrundenpick von 2016 ein echtes Schnäppchen. 

Echtes Schnäppchen

Seine Saison 2018 wird mit 630.000 Dollar vergütet, 2019 mit 720.000, am Ende dürften es durch den sogenannten Proven-Performance Escalator für späte Picks wie ihn zwei Millionen werden. 

Trotzdem ist das immer noch kein Vergleich mit den Schwergewichten auf seiner Position wie Aaron Rodgers (33,5 Millionen pro Jahr), Matt Ryan (30), Kirk Cousins (28) oder Jimmy Garoppolo (27,5). 

Immerhin 16 Quarterbacks in der NFL bekommen mindestens 20 Millionen Dollar. Fakt ist auch: Sechs der sieben bestbezahlten Signal Caller haben es nicht in die Playoffs geschafft. 

Doch wo passt Prescott da rein? In einem Quarterback-Markt, der schnelllebig und bisweilen überbezahlt, unproportional wirkt. Mit Kollegen wie Ryan Tannehill, der fast 20 Millionen bekommt, aber in sechs Jahren Miami noch nie mehr als acht Spiele in einer Saison gewonnen hat. Garoppolo bekam seinen fetten Vertrag nach gerade einmal sieben Spielen als Starter.

Prescotts Kontrakt gilt noch für 2019, 2020 könnten die Cowboys Prescott mit dem Franchise Tag halten. Hinzu kommt, dass die Franchise auch andere Baustellen hat als einen neuen Vertrag für ihren Quarterback. 

"Er ist unsere Zukunft"

Doch Cowboys-Besitzer Jerry Jones hat bereits vor einigen Wochen klargestellt, dass er ihn nicht für zwei Erstrundenpicks gehen lassen würde: "Er ist unsere Zukunft." Jones sagte auch, dass Prescott seine Vertragsverlängerung bekommen wird. 

Die Frage ist nur, wann?

Keine Frage ist es, dass die perfekte Bühne auf Prescott wartet. Drei Siege sind es bis zum Super Bowl LIII, der Start erfolgt für Prescott und die Cowboys in der Wildcard Round (in der Nacht zu Sonntag ab 00:15 Uhr live auf ProSieben und ran.de) gegen die Seattle Seahawks vor eigenem Publikum. Die erste Bewährungsprobe.

 

Es sind einige Fliegen, die Prescott mit ein paar Klappen respektive Spielen schlagen kann.  

Obwohl er das eigentlich schon getan hat. Denn schaut man sich die Zahlen des 25-Jährigen an, verwundert es, dass er immer noch so viele Kritiker überzeugen muss. Das Team steht sowieso bedingungslos hinter ihm, was für sich genommen eine Menge wert ist.

"Er beschuldigt nie andere, er nimmt die Fehler auf seine Kappe, selbst wenn es nicht seine sind. Das ist ein Leader", sagte Safety Jeff Heath. Und Guard Zack Martin lobt: "Er ist ein Sieger. Er gewinnt Spiele. Am Ende des Tages sind wir in diesem Geschäft, um Spiele zu gewinnen."

Nur Brady holte mehr Siege

Das macht Prescott in der Tat. In 48 Spielen seit 2016 führte er die Cowboys zu 32 Siegen, mehr schaffte nur Tom Brady. Neben zwei Titeln in der NFC East dirigierte er auch 14 spielentscheidende Drives, so viele wie kein Anderer in diesem Zeitraum.

2018 warf er für 3885 Yards (15. in der NFL) und 22 Touchdowns (16.) plus sechs Rushing Touchdowns (2.), hinzu kommt ein Quarterback-Rating von 96.9. Zum zweiten Mal in drei Jahren hatte er weniger als zehn Interceptions (acht), dafür aber auch satte 56 Sacks.

Gerne werden Direktvergleiche gezogen, was aufgrund der jeweiligen Karriereabschnitte aber schwierig ist. Legt man die Phasen nebeneinander, kann es Prescott mit Brady, Brees und Co. aufnehmen: Er warf zum Beispiel für 4263 Yards mehr als Brady es in seinen ersten drei Jahren tat. Oder 36 Touchdown-Pässe mehr als Brees. Oder 18 weniger Interceptions als Ben Roethlisberger. Und er war 48 Mal öfter Starter als Aaron Rodgers.

Zahlenspiele, klar, mehr ist das nicht. Es ist aber ein Beweis, dass Prescott trotz aller Kritik auf dem richtigen Weg ist. Ob er in den kommenden Jahren nicht nur finanziell, sondern auch sportlich in die Sphären von Rodgers, Brees und Co. stößt, bleibt freilich abzuwarten. 

In Stellung gebracht

Klar ist: Seine zweite Postseason wird weitere Hinweise liefern. Prescott hat sich vorsorglich schon mal in Stellung gebracht. 

Er wechselte seinen Agenten, wird nun von Todd France von der Creative Artists Agency betreut. Die Agentur hat auch Ryan, Brees, Eli Manning oder Philip Rivers unter Vertrag.

Damit Prescott in naher Zukunft vielleicht auch endlich durch sein Gehalt polarisieren kann.

Andreas Reiners

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