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München/Dallas – Nach der jüngsten Niederlage der Dallas Cowboys gegen die Tennessee Titans hatte der siebenjährige Rylan Wood genug. Er holte sich einen Stift und einen Block und schrieb einen persönlichen Brief an Cowboys-Eigentümer Jerry Jones: "Wir sind echt MIES…wir wollen an die Boys glauben, aber das ist schwer. Ich hoffe Coach Garrett klatscht, wenn dieser Brief dich erreicht. Siehst du was passiert, wenn Dez [Bryant] weg ist?? Die Cheerleader sind dieses Jahr besser als das Team."

Es sei mal dahingestellt, wie viel Hilfe der kleine Rylan bei diesem Brief hatte, aber die Aussagen spiegeln den Gemütszustand der Cowboys-Fans gut wider. Die Cowboys stehen bei einer Bilanz von 3:5 und drohen die Playoffs zum siebten Mal in den letzten neun Jahren zu verpassen. Viel zu wenig für die Ansprüche einer Franchise, die bereits fünfmal den Super Bowl gewonnen hat und sich selbst als "America’s Team" ansieht.

Dabei sah es vor zwei Jahren noch so aus, als wären die Boys endlich wieder da, wo sie ihrer Meinung nach hingehören. Die Rookies Dak Prescott und Ezekiel Elliott mischten die NFL hinter einer dominanten Offensive Line auf und führten Dallas zu einer Saisonbilanz von 13:3. Erst eine legendäre Vorstellung von Aaron Rodgers stoppte die Texaner in den Playoffs. Die Cowboys galten dennoch als das Team der Zukunft.

Defense stark, Offense stottert

Doch im Jahr darauf verpasste das Team die Postseason. Damals wurde dies auf die Sperre von Eliott geschoben. Der Running Back hatte sechs Spiele verpasst. Doch in diesem Jahr hat Elliott alle Spiele absolviert und die Defense spielt eine klasse Saison: Nur 18,9 Punkte hat die Cowboys-Defense im Schnitt in den ersten acht Spielen zugelassen, drittbester Wert in der NFL. Doch offensiv hakt es: Nur 19,3 Punkte erzielen Prescott und Co. im Schnitt, Platz 26 in der NFL. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die Probleme fangen bei der Offensive Line an. 2016 war sie der Grundstein für den Erfolg der Cowboys und galt als die beste der NFL. In dieser Saison performt sie eher durchschnittlich. Pro Lauf erzielen die Running Backs der Boys 4,41 Yards, zwölf Teams sind in dieser Statistik besser. Noch schlechter ist die Pass Protection: 28 Sacks ließ die Line bisher zu, nur fünf Mannschaften sind schlechter.

Teilweise ist der Leistungsabfall auf Verletzungen zurückzuführen. Star-Center Travis Frederick musste bisher komplett aussetzen, auch Left Tackle Tyron Smith plagt sich immer wieder mit Verletzungen herum. Guard Connor Williams zog sich gegen die Titans eine Knieverletzung zu. La’el Collins ist fit, aber spielte bisher enttäuschend.

Dak Prescott mit mehr Turnovern als Touchdowns

Sicher macht das die Sache für Dak Prescott nicht leichter. Fakt ist aber, nach seiner starken Rookie-Saison hat er nicht den nächsten Schritt gemacht. Im Gegenteil: In seinen letzten 16 Spielen hat der 25-Jährige mehr Turnovers (19 - 14 Interceptions, 5 verlorene Fumbles) produziert, als Touchdowns (16). Gerade wenn er den Ball tief werfen muss, hat Prescott Probleme. In den letzten 30 Spielen knackte er nur einmal die 265-Yard-Marke. Er bringt nur 62,9 Prozent seiner Pässe an den Mann und erzielt im Schnitt nur 7 Yards pro Passversuch. Im ligaweiten Vergleich rangiert er damit im unteren Drittel.

Doch Owner Jerry Jones steht hinter seinem Kapitän: "Dak ist unser Quarterback und wir werden mit ihm verlängern", gab Jones zu Protokoll. Da Jones gleichzeitig der General Manager der Cowboys ist, muss er sich aber auch dafür verantworten, dass Prescott auf den Receiver-Positionen die Waffen fehlen. Zumindest wurde Amari Cooper kurz vor der Trade-Deadline geholt. Der feierte mit fünf Catches für einen Touchdown und 51 Yards ein solides Debüt. Es bleibt abzuwarten, ob das reicht, um die Probleme im Passspiel zu beheben. Bald muss Prescott aber liefern, sonst überlegen es sich die Cowboys vielleicht doch noch einmal, ob sie ihn nach der nächsten Saison mit einem Mega-Vertrag ausstatten.

Jason Garrett: Klatschen allein reicht nicht

Weniger eindeutig war Jones Bekenntnis zu Head Coach Jason Garrett. Für viele Fans ist er der Hauptschuldige an der Misere. Einige Beobachter werfen ihm vor, er sei zu passiv. Manchmal wirkt der 52-Jährige wie ein Fan, der nur an der Seitenlinie steht und klatscht. Dem Playcalling fehlt es an Kreativität und Mut. Trotzdem weigert sich Garrett seinem Offensive Coordinator Scott Linehan diese Aufgabe zu entziehen. Vielleicht fehlt ihm auch die Autorität dazu.

Garretts eigene Entscheidungen waren ebenfalls nicht immer glücklich: In der Overtime gegen die Houston Texans in Woche 5 fehlte den Cowboys noch ein Yard zu einem neuen First Down. Anstatt den vierten Versuch auszuspielen, entschied sich Garrett zu punten – Dallas verlor das Spiel 16:19. Garrett steht allerdings schon seit Jahren in der Kritik und hat seinen Job bisher immer behalten. Die Frage ist auch, wer den Cowboys-Job übernehmen könnte.

Das Logo mit dem Stern strahlt immer noch jede Menge Prestige aus, doch es ist und bleibt die Jerry-Jones-Show. Er liebt es, im Mittelpunkt zu stehen und ist für sein Ego bekannt. Als er in den neunziger Jahren von Trainer-Legende Jimmy Johnson überstrahlt wurde, musste dieser seinen Hut nehmen – trotz zweier Super-Bowl-Siege. Bei Jason Garrett besteht diese Gefahr nicht, vielleicht liegt auch genau darin das Problem.

Julian Huter

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