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München – Michael Schumacher wechselt von Benetton zu Ferrari, Deutschland wird Fußball-Europameister und Timo Werner erblickt das Licht der Welt. Bundeskanzler ist Helmut Kohl, in den USA wird Bill Clinton als Präsident wiedergewählt. 

Und auf den Musiksendern VIVA und MTV werden Videos der Hits Macarena und Coco Jambo rauf und runter gespielt.

Ja, exakt so lange, wie es sich anhört, liegt der letzte Super-Bowl-Sieg der Dallas Cowboys auch tatsächlich zurück.

Fast 26 Jahre. Eine Ewigkeit.

Traurige Bilanz

Am 28. Januar 1996 besiegte America’s Team die Pittsburgh Steelers 27:17 – und hat seitdem weder das große Endspiel, noch das NFC Championship Game erreicht. Die Divisional Playoffs waren das höchste der Gefühle, und das auch nur sechs Mal seit 1996.

Es verwundert nicht, dass Besitzer Jerry Jones mit jedem Spiel in dieser Saison mehr und mehr frohlockt.

Er hat mit seinen Cowboys seit seiner Übernahme zwar drei Super-Bowl-Siege gefeiert, dafür aber weitaus mehr ernüchternde Saisons gesehen als erfolgreiche.

Cowboys-Fans mögen jetzt müde lächeln, vielleicht auch laut lachen, aber ja: Das diesjährige Team kann die Durststrecke möglicherweise beenden.

Troy Aikman: "Das Zeug zu etwas ganz Besonderem"

Oder wie Troy Aikman sagte: "Dallas hat das Zeug zu etwas ganz Besonderem". Er muss es wissen, er ist die Quarterback-Legende, unter dessen Führung die Cowboys die letzten drei Super-Bowl-Siege feierten.

Klar: Die Zahlen lügen nicht. Bei 4:1 steht Dallas nach fünf Spieltagen. Ein Start nach Maß, der zuletzt 2016 gelang. Vier Siege gab es dabei in Serie, die einzige Niederlage war zum Auftakt bei den Tampa Bay Buccaneers unglücklich.

"Wenn man einen solchen Lauf hat, denkt man an den Super Bowl. Das ist einfach die Realität", sagte Wide Receiver Amari Cooper laut Associated Press vor dem Gastspiel am 6. Spieltag bei den New England Patriots (Sonntag ab 22:25 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de). "Je näher man dem Ziel kommt, desto mehr wünscht man es sich und desto mehr macht man sich Gedanken über die kleinen Dinge."

Angetrieben werden Euphorie und Optimismus von der Offense um Quarterback Dak Prescott. Dak is back, so das Motto, denn die Cowboys führen in der NFL bei den Yards pro Spiel (439,6) und sind Zweiter bei den Punkten pro Spiel (34,0). 

Starke Offense-Zahlen

Das Rushing-Duo Ezekiel Elliott und Tony Pollard kommt zusammen auf 777 Yards, in der Luft sorgen die Receiver Cooper und CeeDee Lamb sowie Tight End Dalton Schultz für zusammen 946 Yards. Das 44:20 gegen die New York Giants war das vierte Spiel in Folge, bei dem mehr als 150 Yards erlaufen wurden. Ein unaufhaltsames Laufspiel, ein starkes Passspiel – eine gefährliche Mischung.

In den Heimspielen gegen die Eagles, Panthers und Giants zeigten die Cowboys bei einem kombinierten 121:69 eine beeindruckende Dominanz. Angesichts der chronisch schwachen NFC East und biederen Eagles (2-3), einem schwächelnden Washington Football Team (2-3) und angeschlagenen Giants (1-4) scheint ein Heimspiel in der Wild Card Round nur Formsache zu sein. 

Doch was ist mit dem großen Wurf? Sind Euphorie und Optimismus berechtigt? 

Zumindest werden sie unterfüttert von einem kompletteren Cowboys-Team, denn die Defense zeigt sich unter dem neuen Defensive Coordinator Dan Quinn in vielen Kategorien verbessert. Kopf der Defense ist Trevon Diggs, für viele ein Kandidat für den Defensive Player of the Year.

Hinzu kommt Rookie Micah Parsons, ein zuverlässiges Schweizer Taschenmesser. Er hat in dieser Saison sowohl als Linebacker als auch als Defensive End gespielt und war stets dominant. Auch Osa Odighizuwa hat sich im Draft als Glücksgriff erwiesen, geholt wurden zudem erfahrene Spieler wie Damontae Kazee oder Malik Hooker.

Die Qualität zusammenzuführen ist Quinns Aufgabe. Was immer besser gelingt.

Noch nicht perfekt

Das Gesamtwerk ist zwar noch ein gutes Stück entfernt davon perfekt zu sein, immerhin sind viele Zahlen nur Durchschnitt, wie die 23,4 zugelassenen Punkte pro Spiel. Die 390 zugelassenen Yards pro Spiel sind sogar nur unterdurchschnittlich. Dafür sind die Cowboys immer gut für ein Big Play, 12 erzwungene Turnovers sind der zweitbeste Wert der Liga.

"Ich denke, sie spielen mit einem großartigen Rhythmus, großer Energie, sie spielen schnell und sie spielen hart", sagte Vizepräsident Stephen Jones. "Und wir alle wissen, dass einige dieser Yards, die wir aufgeben, spät im Spiel sind. Man muss mit den Jungs, die wir da draußen haben, zufrieden sein. Aber wir sind auch begeistert von den Jungs, die wir zurückbekommen werden, und wenn es in dieser Liga darauf ankommt, braucht man sie alle." Die Cowboys müssen zum Beispiel aktuell auf Defensive End DeMarcus Lawrence (Zeh) verzichten, alle Puzzleteile sind also noch nicht zusammen. 

Dafür ist aber das Selbstvertrauen riesig. "Ich denke, das zeigt die Gelassenheit und das Selbstvertrauen, das unsere Defense im Moment hat. Der Mann links oder rechts von uns oder hinter uns wird da sein, wenn etwas nicht klappt", sagte Linebacker Leighton Vander Esch. Und Cooper ergänzt: "Es geht um uns und unseren Anspruch, wer wir sein wollen und wo wir hinwollen."

In den Super Bowl natürlich. Das letzte Mal ist schließlich eine Ewigkeit her.

Andreas Reiners

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