Für Dak Prescott gab es keinen langfristigen Vertrag. - Bildquelle: imago images/Icon SMIFür Dak Prescott gab es keinen langfristigen Vertrag. © imago images/Icon SMI

München - Tad ist nicht Dak Prescott. Trotzdem kann der Bruder als Fingerzeig dafür dienen, wie es in dem Quarterback der Dallas Cowboys aktuell aussieht.

Denn dass sich der bald 27-Jährige und die Cowboys nach rund 16 Monaten - und trotz Deadline - nicht auf einen langfristigen Vertrag einigen konnten, dürfte Dak überhaupt nicht schmecken.

Bruder hat die Nase voll

Bei Tad ist es so.

"Es gibt einen Grund, warum ich nie ein Cowboys-Fan war, als ich aufgewachsen bin oder bevor sie Dak drafteten. Nach heute: Wer weiß, wie lange ich sie noch anfeuern werde?", schrieb er auf Twitter.

Und gab so durchaus einen Einblick in die Gefühlslage im Hause Prescott.

Auch wenn sich Prescott selbst politisch wesentlich korrekter äußerte. "Ich bin ein Cowboy und könnte nicht glücklicher sein", wurde er von USA Today zitiert. "Ich freue mich auf die Arbeit mit Coach Mike McCarthy, dem Staff und meinen Teamkollegen, um das beste Team zu sein und unser Ziel, den Super Bowl, zu erreichen." Tja, was soll er öffentlich auch anderes sagen? Das Kind ist ja in den Brunnen gefallen.

Doch das, was Prescott jetzt erlebt, ist in Dallas eine absolute Seltenheit.

Nicht umsonst fragte Besitzer Jerry Jones im Sommer 2019, nach dem langfristigen Vertrag mit Ezekiel Elliott: "Wann habe ich mal keinen Deal zustande gebracht?" Nun, im Sommer 2020.

Für ihn ist es eine ungewohnte Situation, die beiden Quarterback-Legenden Troy Aikman und Tony Romo band Jones langfristig, in der Geschichte der Boys spielten nur Flozell Adams, Anthony Spencer und DeMarcus Lawrence unter dem Tag.

Den Franchise Tag hatte Prescott vor einigen Wochen unterschrieben, er wird im Rahmen des Einjahresvertrags nun 31,4 Millionen Dollar kassieren. Die Fronten, sie dürften also verhärtet sein. 

Verhandlungen erst wieder 2021

Wie geht es also weiter?

Streng genommen erstmal gar nicht, denn Verhandlungen sind erst nach dem Ende der Saison 2020 möglich.

Trotzdem stellt sich die mittelfristige Frage: Wer ist Verlierer des Hin und Her? Gibt es einen Gewinner?

Das ist nicht ganz klar zu sagen. Keine Frage: Prescott hat den ganz großen Zahltag verpasst, einen langfristigen vor allem. Für ihn ist es nun eine Art Wette auf sich selbst, darauf, dass er auch 2020 abliefern, sich im besten Fall sogar noch verbessern wird. Um seine Verhandlungsbasis noch einmal zu pushen, um sich für andere Teams und Interessenten in Stellung zu bringen.

Doch das ist natürlich mit einem Risiko verbunden. Im Grunde sogar mit zwei: Zum einen die Gefahr, dass er seine Leistungen nicht bestätigen kann oder dass er sich schwer verletzt und er dadurch in eine schlechtere Verhandlungsposition gerät, wenn es in der nächsten Offseason darum geht: Doch ein langfristiger Vertrag, nochmal ein Tag oder Free Agent beziehungsweise ein Wechsel? Für Prescott eine delikate Situation, denn er nähert sich mit 27 der Phase einer Quarterback-Karriere, die das ganz große Geld bringen kann.

Beste Saison 2019

Prescott, der als Viertrundenpick von 2016 bislang für ganz kleines Geld spielte, kam 2019 auf seine statistisch beste Saison mit 4902 Yards und 30 Touchdown-Pässen. Er wird aber beweisen müssen, dass er die Cowboys zu mehr führen kann als zweimal in die Divisional Playoffs. Und das 2020 unter einem neuen Trainer - Mike McCarthy - und neuem System. 

Ohne Frage birgt das ein gewisses Risiko. 

Zum anderen steht die NFL inmitten der Coronavirus-Pandemie, die in den USA für steigende Infektionszahlen sorgt, vor einer ungewissen Saison.

Rein technisch haben die Cowboys die Möglichkeit weiterer Jahresverträge durchaus: Sie könnten ihn sowohl 2021 als auch 2022 mit dem Franchise (oder Transition) Tag belegen.

Mehr als Mahomes

Zahlen müssten sie ihm dann 37,68 Millionen in der Saison 2021 und 2022 sogar 54,2 Millionen. Was Prescott über die Jahre ein garantiertes Salär von 123 Millionen Dollar bringen würde, 41 Millionen pro Jahr im Schnitt also. 

Mehr als Super-Bowl-MVP Patrick Mahomes nach seinem Mega-Deal im selben Zeitraum.

Doch dieses Szenario ist unwahrscheinlich, und das auf beiden Seiten, so dass vieles auf eine Trennung hindeutet.

Funfact und weiterer Fingerzeig: Prescott ist erst der dritte Quarterback, der mit dem Franchise Tag belegt wurde und die Saison damit auch spielt. Seine beiden Vorgänger sind Drew Brees (2005 in San Diego) und Kirk Cousins (2016 und 2017 in Washington). Beide wechselten schließlich nach New Orleans (Brees) und Minnesota (Cousins), um ihren Zahltag zu bekommen.

Die gute Nachricht: Lange wird Tad die Cowboys also wohl nicht mehr anfeuern müssen.

Andreas Reiners

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