Giants-Generationenwechsel: Daniel Jones (li.) übernimmt von Eli Manning. - Bildquelle: imago images / UPI PhotoGiants-Generationenwechsel: Daniel Jones (li.) übernimmt von Eli Manning. © imago images / UPI Photo

München – Es tut immer weh, Legenden gehen zu sehen. Wird eine Ära beendet, ist es emotional, traurig und sentimental. Man schwelgt in Erinnerungen, denkt an Höhepunkte, Triumphe, aber auch Rückschläge.

Es ist keine Frage: In 16 Jahren Eli Manning bei den New York Giants ist eine ganze Menge an Erinnerungen zusammengekommen. Der Star-Quarterback hat die Franchise geprägt, ist das Gesicht, der große Name. 

Schatten vergangener Tage

Aber eben auch nur noch ein Schatten vergangener Tage. Zweimal gewannen die G-Men mit ihm den Super Bowl, in den Saisons 2007 und 2011.  

Die Playoffs erreichten sie in den vergangenen zehn Jahren allerdings auch nur noch zweimal (2011 und 2016). Die Geister schieden sich mehr und mehr. Für viele war der ewige Eli unantastbar. Andere, und das Lager wurde von Saison zu Saison größer, wollte den Generationenwechsel.

Denn das Ende einer Legende – so traurig es auch ist - ist immer auch ein Neustart. Ein Neuanfang. Eine Unbekannte. Frisch. Aufregend. Spannend. Inspirierend. 

Der 22 Jahre alte Daniel Jones soll jetzt die Inspiration der Giants sein.

Eine überfällige Entscheidung. Eine, die man vor zwei Jahren, Ende 2017, schon einmal traf, damals aber nach nur einem Spiel wieder verwarf. 

Ebenso die Überlegungen, 2018 den zweiten Pick für einen jungen Quarterback wie Sam Darnold zu nutzen. Running Back Saquon Barkley ist ein Volltreffer, löste aber das Quarterback-Problem nicht, das immer wieder hochkochte, aber fleißig unter den Teppich gekehrt wurde. Die Giants klammerten sich an Manning, der alternde Star an die Treue, die man ihm schenkte. 

Nach vorne brachte das aber niemanden.

Kein sanfter Wechsel

Der Versuch eines sanften Wechsels, wie es zum Beispiel die Kansas City Chiefs (Alex Smith/Patrick Mahomes) oder die Green Bay Packers (Brett Favre/Aaron Rodgers) gemacht haben, scheiterte. Manning kam auf 556 Passing Yards, zwei Touchdowns und zwei Interceptions, die beiden Spiele gingen verloren. 

Es gab für die Giants nur zwei Möglichkeiten: Mit Manning die Saison abschenken und die Legende demontieren, dafür Jones behutsam heranführen. Oder aber der Sprung ins kalte Wasser, der ein Risiko des Scheiterns birgt. In der NFL gewinnt aber selten derjenige, der nichts wagt. 

Kurt Warner, der 2004 bei den Giants von Manning abgelöst wurde, hat es schön auf den Punkt gebracht: "Es gibt keinen anderen Weg, dieses Spiel zu lernen, als das Spiel zu spielen."

 

Gewisse Dinge, ja, das gehe auch über das bloße Zuschauen, doch "du brauchst Erfahrung, und du musst dich mit Dingen auseinandersetzen." Mit dem Gegner, dem Druck, den Fehlern, den Erwartungen.  

Theorie ist schön und gut, doch am Ende geht nichts über Praxis. Die bekommt Jones in Week 3 bei den Tampa Bay Buccaneers erstmals als Starter.

Schneller reifen als geplant

Jones soll das Spiel nicht mehr nur verwalten, sondern Risiko eingehen, Dinge ausprobieren, sich austoben. Er soll nichts weniger als einer seit Jahren in der Vergangenheit schwelgenden und feststeckenden Franchise neues Leben einhauchen, einen Weg aus der Misere zeigen, sie in eine neue Ära führen. Schneller reifen als geplant.

Doch schlimmer als jetzt kann es kaum werden. 

Klar ist: Als Rookie wird Jones Fehler machen. Die Patzer, die man von ihm erwarten kann, macht aber auch Manning. Auch wenn man ihm nicht alles anlasten kann, denn fehlende Qualität und Verletzungen werden auch Jones das Leben schwer machen.

Er erspielte sich nach einem schwierigen Start als Nummer-sechs-Pick mit reichlich Fan-Skepsis in der Preseason viel Kredit, zog immer mehr Anhänger auf seine Seite, brachte 29 seiner 34 Würfe für 416 Yards zum Mann und warf für zwei Touchdowns. Auch wenn es nur die Preseason war: Der Generationenwechsel dürfte nun wesentlich geräuschloser vonstatten gehen.

Was macht Manning?

Bleibt die Frage: Was wird aus Manning? 

Damals, vor rund zwei Jahren, gab es einen Aufstand, als die Legende auf die Bank musste. 

Doch auch die härtesten Eli-Enthusiasten dürften inzwischen realisiert haben, dass Manning mit seinen 38 Jahren kein Anführer mehr ist, keine Aufbruchstimmung versprüht, er das Team nicht mehr trägt, sondern selbst getragen werden muss. 

Und der Vertrag läuft nach dieser Saison aus, potenzielle Trade-Kandidaten wie zum Beispiel die Pittsburgh Steelers nach dem Aus von Ben Roethlisberger werden prompt ins Spiel gebracht. Vielleicht ist ein Tapetenwechsel tatsächlich noch einmal eine Option.

Die Zeichen könnten auf Abschied stehen. Doch Manning hat eine "No-Trade-Klausel" in seinem Vertrag. Bedeutet: Das Team kann ihn nicht gegen seinen Willen abgeben. Er muss einem solchen Deal zustimmen. Ob er das machen würde? Unklar.

Aber eins ist nicht mehr zu übersehen: Die Legende altert. Das sollte sie in Würde.

Andreas Reiners

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