Ed Oliver ist ein Kandidat für die frühe 1. Runde des Draft 2019 - Bildquelle: imago/ZUMA PressEd Oliver ist ein Kandidat für die frühe 1. Runde des Draft 2019 © imago/ZUMA Press

Houston / München – Wer als Sportler ganz nach oben möchte, orientiert sich an den Besten seines Fachs. Als Ed Oliver bei der NFL Combine gefragt wurde, an welchem Spieler er sich am meisten orientiert, nannte er den besten Defensive Tackle der NFL. "Ich muss Aaron Donald sagen, einfach wegen seiner Statur und seines Spielstils", so der 21-Jährige. "Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, was er mit seiner Größe leistet. Ich habe das Gefühl, ich könnte dasselbe tun wie er, wenn nicht sogar noch besser." 

Er ist nicht der Einzige, der ihn mit dem zweimaligen Defensive Player oft the Year vergleicht. Die Parallelen drängen sich auf: Beide sind Defensive Tackle, beide bringen rund 130 Kilogramm auf die Waage, beide sind für einen Spieler ihrer Position nicht allzu groß, dafür aber extrem athletisch und haben die seltene Fähigkeit, ein Spiel vom Inneren der Line of Scrimmage zu dominieren – auch wenn sie ständig einem Double-Team gegenüber stehen.   

Ed Oliver gilt als einer der begehrtesten Spieler im Draft 2019 (in der Nacht zum 26. April ab 1:50 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de), wurde von ESPN Draft Analyst Todd McShay im Mock Draft sogar als First-Overall-Pick angeführt, ist zumindest aber ein sicherer Kandidat für die frühe 1. Runde.

 

Die ungewöhnliche College-Wahl eines Fünf-Sterne-Rekruten

Man könnte fast sagen: Oliver sorgt in Football-Kreisen für Aufsehen, seitdem er sich die ersten Male die Schulterpads überzog und den Helm aufsetzte. Bereits an der Westfield High School war er ein Star. Er galt als einer der besten Spieler seines Jahrgangs und wurde als Fünf-Sterne-Rekrut bewertet – die Höchstwertung. Sämtliche Top-Universitäten standen Schlange.

Und was tat er? Er blieb einfach in seiner Heimatstadt und schrieb sich an der University of Houston ein. Dabei zählt deren Football-Mannschaft keineswegs zur Elite des Landes. Ein außergewöhnlicher Schritt: Oliver war der erste Fünf-Sterne-Rekrut überhaupt, der sich für eine Uni außerhalb der Power Five Conference entschied.

Grund für diese Entscheidung war die Verbundenheit zu seiner Familie. Oder besser gesagt: Es war das Wort des Vaters. "Oh ja, er wollte zur LSU, Alabama, Notre Dame", erinnert sich Ed Sr. bei ESPN. "Aber ich sagte: Das wirst Du nicht tun. Du wirst deinen Bruder nicht im Stich lassen. Wir haben deshalb ordentlich gestritten."

Also spielte Ed Oliver genauso wie sein älterer Bruder Marcus für die Houston Cougars. Letztendlich ist er glücklich, auf seinen Vater gehört zu haben. Sein großer Bruder, ein Offensive Liner, war auf dem Spielfeld zwar längst nicht so talentiert wie Ed, gab ihm dafür aber die Richtung vor. "Marcus hat mich auf dem richtigen Weg gehalten, weil er immer das Richtige tut. Da war es für mich schwer, etwas anderes zu machen."

 

Wer ein Pferd schafft, schafft auch einen O-Liner

Überhaupt hat seine Familie ihn geprägt. Pferde sind die große Leidenschaft seines Vaters. Ed hat das Hobby übernommen und besitzt nun selber vier Vierbeiner. Gerne erzählt er von seinem Lieblingspferd Oreo, das sehr widerspenstig ist. Sein Motto: Wenn man ein 500 Kilogramm-Pferde in die Schranken weisen kann, ist ein 140 Kilogramm O-Liner erst recht kein Problem.

So gesehen ist es kaum überraschend, dass Oliver der Superstar seiner Universität war. Er wurde mit Auszeichnungen überhäuft und war als erster Spieler dieser Uni ein dreimaliger First-Team All-American. Bereits früh im Jahre 2018 kündigte er an, sich für den Draft 2019 anzumelden. "Ich wollte einfach keine Spekulationen", sagte er.

Oliver wurde 2018 als möglicher Heisman-Trophy-Gewinner gehandelt. Das alleine ist schon Ehre genug: Obwohl die Auszeichnung für den besten College-Spieler seit 1935 vergeben wird, wurde diese noch nie an einen Defensive Liner und nur ein einziges Mal an einen Defense-Spieler (Charled Woodson, 1997) vergeben. 

Warum er die Auszeichnung am Ende nicht gewann? Zunächst einmal weil Quarterback Kyler Murray eine unglaubliche Saison für Oklahoma spielte und den Preis einheimste. Hinzu kommt aber, dass Oliver aufgrund einer Verletzung nicht alle Spiele absolvieren konnte und insgesamt nicht so effektiv war wie im Vorjahr.

Das ist allerdings Kritik auf allerhöchstem Niveau: In acht Spielen hatte er 54 Total Tackles, 14,5 Tackles for Loss und drei Sacks zu verbuchen.

Eine Umschulung zum Linebacker?

Es gibt allerdings auch Scouts, die in ihm nicht zwingend einen Defensive Tackle sehen, sondern eher einen Linebacker. Grund dafür ist die "mangelnde" Körpergröße von nur 1,88 Meter und die nicht allzu lange Armlänge. Andererseits: Gerade Aaron Donald beweist, dass ein Defensive Tackle kein Riese sein muss. Der Star der Los Angeles Rams misst nur 1,85 Meter.   

Und was ist, wenn ihn ein Coach dennoch zum Linebacker umfunktionieren möchte? Oliver gibt sich flexibel: "Ich würde dagegen keine Einwände erheben. Ich fühle mich wie ein D-Lineman. Aber wenn sie mich dafür bezahlen, Linebacker zu spielen, dann rate mal, was ich machen werde? Linebacker spielen."

Dass er dann nicht mehr auf den Spuren von Donald wandelt, würde ihn nicht stören. Auch wenn er das Thema bei der Combine selbst in den Umlauf brachte, scheint er von diesen Vergleichen mittlerweile genervt zu sein. "Sie müssen aufhören, uns zu vergleichen", sagt er bei ESPN. "Wenn sie Aaron Donald mit mir vergleichen, wird er das nicht mögen. Und auch ich möchte nicht in seinem Schatten leben. Wir werden konkurrieren, wer besser ist. Ich versuche, der Beste zu sein – das mache ich immer."

Bislang hat das gut geklappt.

Oliver Jensen

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