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München - In drei Jahren NFL hat Carson Wentz vor allem eines gelernt: zu warten. Auf den einen Moment. Den großen Wurf. Die Chance, sich endlich auf der wichtigsten Bühne beweisen zu können. Jahrelang legte er starke Zahlen auf und bestätigte die Franchise-Oberen darin, dass er der Quarterback der Zukunft in Philly ist. Wären da nicht diese verfluchten Verletzungen.

Zweimal musste Wentz von der Seitenlinie beobachten, wie sein Backup Nick Foles zum Helden von Philadelphia wurde, indem er die Eagles zum Super-Bowl-Titel führte. Zuschauen, wie Foles zu Ehren eine Statue vor dem Stadion errichtet wurde – und wie er die Eagles auch in der Saison 2018 erst mit einem furiosen Schlussspurt noch in die Postseason führte und dort zumindest die Wild Card Round überstand.

Nun, fast vier Jahre, nachdem die Eagles Wentz als Nummer-Zwei-Pick gedraftet haben, hat das Warten ein Ende: Nick Foles ist in Jacksonville – und die NFL-Saison für ihn bereits gelaufen. Aber vor allem ist Wentz gesund und in blendender Verfassung für sein erstes Playoff-Spiel überhaupt gegen die Seattle Seahawks (Sonntag, ab 22:30 Uhr live auf ProSieben und ran.de).

"Ich habe diese Spiele in den vergangenen Jahren von der Seitenlinie anschauen müssen. Ich bin also überglücklich über diese Chance", sagt Wentz über seine späte Premiere.

 

Wentz dreht im Dezember auf

Es ist eine Chance, die er sich selbst erarbeitet hat. Vor einem Monat sprach bei einer 5:7-Bilanz wenig für eine Playoff-Teilnahme der Eagles. In den vier letzten Spielen der Regular Season gegen die Konkurrenten der NFC East musste Philly gewinnen, und tat es auch. Vor allem dank des Quarterbacks.

1199 Passing Yards gelangen ihm allein in diesen vier "Endspielen", dazu sieben Touchdowns und nicht eine Interception. "Der letzte Monat bestand für uns aus Playoff-Spielen", erinnert sich auch Head Coach Doug Pederson: "Carson muss also an sein Debüt keine Gedanken verschwenden. Er muss sich einfach nur darauf konzentrieren, sein Team zu führen und genau so weiter zu machen wie bisher."

Denn Wentz führte nicht etwa eine gefestigte Einheit an, sondern insbesondere in der Passing Offense eine Rumpftruppe mit No-Names aus dem Practice Squad.

Im Receiving Corps flicken die Eagles seit Wochen die dünne Personaldecke: Für Alshon Jeffery und DeSean Jackson war die Saison verletzungsbedingt früh beendet, Nelson Agholor ist ebenfalls seit Anfang Dezember nicht mehr einsatzbereit gewesen. Schon zuvor wurden Jordan Matthews und Mack Hollins gecuttet. So warf Wentz in dieser Regular Season Pässe auf neun verschiedene Wide Receiver.

Am Ende steht dennoch ein gigantischer Franchise-Rekord von 4039 Passing Yards in dieser Saison für Wentz zu Buche. Dabei knackte kein einziger Eagles-Receiver die 500-Yards-Marke. Das gab es in der NFL noch nie bei einem Quarterback mit über 4000 Passing Yards. Als einziger NFL-Quarterback warf der 27-Jährige zudem in dieser Saison in jedem Spiel mindestens einen Touchdown-Pass.

Pederson: Wentz ist gereift

"Ich habe den Eindruck, dass er als Anführer dieses Teams gewachsen ist", lobt Pederson seinen Quarterback: "Er hat das Team auf seinen Schultern getragen, und das ist ein Zeichen von Reife. Ich habe in Green Bay acht Jahre mit Brett Favre gespielt und genau das gleiche hat Brett damals dort getan."

Doch bei allem Lob: Den Druck, die Brisanz eines waschechten Playoff-Spiels hat Wentz eben noch nicht aushalten müssen. Erst recht nicht im Angesicht der Linebacker-Bestien Bobby Wagner und K.J. Wright, die da mit den Seahawks auf ihn zukommen.

Eben diese Seahawks haben Wentz erst im November gerupft: Zwei Interceptions und zwei Fumbles zum Ballverlust unterliefen ihm damals, als die Eagles nach einem 9:17 in Woche 12 schon fast aus dem Playoff-Rennen ausgeschieden waren. Es war sein wohl schwächstes Saisonspiel. Doch im Nachhinein war es wohl genau diese Abreibung, die bei Wentz und Coach Pederson ein entscheidendes Umdenken eingeleitet hat.

In den folgenden Wochen half der Coach seinem Quarterback mit mehr zugeschnittenen Plays, in denen er sich vermehrt aus der Pocket bewegen konnte. Bewegungsfreiheit, die Wentz spürbar gut tut: "Die Coaches haben einen guten Job gemacht, diese Plays zu designen und mich aus der Pocket zu bekommen. So konnten wir in den vergangenen Wochen einige Big Plays kreieren."

Mit der neuen Beweglichkeit soll nun die Revanche gegen die Seahawks gelingen. Schließlich erleichtert sie ihm mit dem Football in der Hand vor allem eines: Zu warten. Auf den perfekten Moment für den großen Wurf.

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