DeAndre Hopkins von den Houston Texans gilt als der vielleicht beste Fänger ... - Bildquelle: imagoDeAndre Hopkins von den Houston Texans gilt als der vielleicht beste Fänger der NFL. © imago

Houston/München – Seine Catches werden nicht so oft im Fernsehen eingespielt wie die eines Odell Beckham, er verbreitet nicht so viel Glamour wie Julio Jones oder Antonio Brown, ist vielleicht auch kein Sympathieträger wie Adam Thielen. Und doch bezweifelt kein Experte, dass DeAndre Hopkins von den Houston Texans zu der absoluten Elite der Wide Receiver zählt. 

Diesen Beweis wird der 26-Jährige im Spiel gegen die Indianapolis Colts (am Sonntag ab 19 Uhr live auf ran.de) erneut erbringen wollen.

"Wenn es darum geht, den Ball zu fangen, ist er für mich der beste Receiver in der NFL. Niemand fängt den Ball besser als er", sagt zum Beispiel NFL-Network-Experte Ian Rapoport und fügt hinzu: "Das Besondere ist, dass er die letzten Jahre selbst mit nicht so guten Quarterbacks erfolgreich war. Erst jetzt hat er einen großartigen Passgeber (Deshaun Waton, Anm.d.Red.) bekommen."

Greg Cosell, NFL-Analyst und Senior Producer bei NFL Films, stimmt in die Lobeshymne mit ein: "Hopkins ist für mich ein Top-3 Receiver." Selbst seine Positions-Kollegen sind voller Respekt. "Ich liebe Hop. Er fängt einfach alles", sagt Antonio Brown von den Pittsburgh Steelers. Doug Baldwin von den Seattle Seahawks fügt hinzu: "Wenn ein schlechter Wurf kommt und jeder denkt, niemand könne diesen Ball fangen, findet er einen Weg, den Ball doch zu fangen."

Seitdem Hopkins im Jahre 2013 von den Houston Texans in Runde 1 gedraftet wurde, fungiert er als sichere Anspielstation. 6980 Receiving-Yards und 44 Touchdowns hat er bis heute vorzuweisen, 1115 Yards und acht Touchdowns davon in der laufenden Saison.  

Ein Drogendealer als Vater

Dass er es so weit gebracht hat, grenzt bei seiner tragischen Familiengeschichte an einem Wunder: Sein Vater war ein Drogendealer im großen Stil. Als der kleine DeAndre Hopkins frisch auf der Welt war, war Harris Steve Hopkins auf Kaution frei. Ihm drohte wegen mehrerer Klagen eine Haftstrafe von bis zu 100 Jahren. Als DeAndre fünf Monate alt war, kam der Vater allerdings bei einem Autounfall ums Leben.

Trotz der kriminellen Vergangenheit denkt Hopkins nicht negativ über seinen Vater: "Wie meine Mutter mir erzählt hat, war er ein großartiger Kerl. Er hat zu Weihnachten immer für alle Geschenke gekauft. Er war bei uns in der Gegend sehr beliebt. Und er fuhr immer den neuesten Mustang."

Seine Mutter war somit alleinerziehend und musste zwei Jobs nachgehen, unter anderem in einer Autofabrik, um die vier Kinder über Wasser zu halten. Ihr Leben wurde durch einen weiteren Schicksalsschlag erschwert: Als der kleine Hopkins zehn Jahre alt war, wurde seine Mutter Opfer eines Säureanschlags, verlor dabei ihr rechtes Augenlicht und hat seitdem auch auf dem linken Auge nur noch 60 Prozent Sehkraft.

Der Onkel von der Polizei erschossen

Nun könnte man behaupten, dass das sportliche Talent in der Familie lag. Sein Onkel Terry Smith war ebenfalls ein guter Wide Receiver, der in den Jahren 1995 und 1996 immerhin im Practice Squad der Indianapolis Colts stand.

Ein Jahr, nachdem er seine Karriere aufgrund einer Knieverletzung beenden musste, kam es aber auch hier zu einer Tragödie: Terry wollte seine Frau, die ihre zweijährige Tochter im Arm hielt, mit einem Messer erstechen. Die Polizei schritt ein und forderte Smith auf, das Messer fallen zu lassen. Doch er erhob dennoch den Arm und wollte seine Frau angehen - dabei wurde er von der Polizei erschossen.

Der Selbstmordversuch des Cousins

DeAndre Hopkins hatte von der Karriere seines Onkels, der zwischenzeitlich All-Time-Receiving-Leader der Clemson Tigers am College gewesen ist, altersbedingt wenig mitbekommen. Sein Vorbild war stattdessen sein Cousin Javis Austin, der an der Clemson University ebenfalls ein erfolgreicher Football-Spieler war.

Doch auch seine Karriere fand kein schönes Ende: Als er im Depth Chart des Teams weit nach unten fiel, schoss er sich eine Kugel in den Kopf. Wie durch ein Wunder überlebte er den Selbstmordversuch. Die Kugel zerstörte aber sein rechtes Auge und beschädigte zudem das linke, sodass die Football-Karriere beendet war.

"Er hat mir nie erklärt, warum er das getan hat. Aber das war auch nicht nötig", sagt DeAndre Hopkins. "Ich sehe in ihm einen Kämpfer, der danach sein Leben zurückerobert hat."

Hopkins: Das hat mich nur noch stärker gemacht

Heute arbeitet Javis Austin als Sonderpädagoge an einer Grundschule. Über seinen berühmten Cousin aus der NFL sagt er: "Um DeAndre herum ist so viel Schlimmes passiert. Viele dieser Dinge haben aber dazu beigetragen, dass er auf dem richtigen Weg war."

Der Wide Receiver stimmt dieser These zu. "Das alles hat mich nur noch stärker gemacht“, sagte er einmal. "Kleine Hindernisse können mich nicht unterkriegen. Denn ich habe bereits so viel durchgemacht."

Daran besteht wohl kein Zweifel.

Oliver Jensen

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