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München/Denver - Es ist der erste Paukenschlag in der Offseason der NFL. Die Denver Broncos haben sich Joe Flacco geschnappt. Der Quarterback kommt von den Baltimore Ravens und kostet den Klub aus der Mile High City einen Viertrunden-Pick.

Ein Super Bowl MVP für einen Viertrunden-Pick? Eigentlich kein schlechter Deal. Dennoch ist die Verpflichtung Flaccos die nächste fragwürdige Quarterback-Entscheidung von Broncos-Manager John Elway, früher selbst Quarterback in Denver und Super Bowl MVP.

Ravens bauen auf Jackson

Kurz nach Ende der Saison hatten die Ravens bereits vermeldet, dass die Ära Flacco in Baltimore beendet ist. Hätte der Champion von 2013 keinen Tauschpartner gefunden, wäre Flacco wohl entlassen worden. So haben die Ravens mit einem Viertrunden-Draftrecht das Beste aus der eigenen Quarterback-Situation rausgeholt.

Einzig die durch den Trade nicht nutzbaren 16 Millionen Dollar dürften die Ravens um den neuen General Manager Eric DeCosta stören.

Mit diesem Trade ist auch in Baltimore die Entscheidung in Sachen Quarterback gefallen. Lamar Jackson ist in Zukunft der Ravens. 2018 erst im Draft ausgewählt löste der Rookie Flacco im Laufe der Saison als Passgeber ab, als dieser sich an der Hüfte verletzte.

Jacksons Statistiken waren allerdings eher durchschnittlich. Er brachte 99 von 170 Pässen an, bei sechs Touchdowns und drei Interceptions. Seine Stärke ist nicht der Wurfarm, vielmehr seine Mobilität. Das zeigen seine fünf erlaufenen Touchdowns, allerdings ließ er den Ball aber ganze zwölf Mal fallen. Ob das Vertrauen in den jungen Quarterback sich auszahlt, wird sich nächste Saison zeigen.

Fünfter Quarterback nach Manning

Denvers Entscheidung, auf Flacco zu setzen, stellt sich allerdings als fragwürdig heraus. Seit der Ära Peyton Manning ist der 34-Jährige mittlerweile der vierte Quarterback in vier Jahren.

Gerade deswegen steht Elway bei seinen Entscheidungen immer wieder in der Kritik. Auf der Suche nach dem passenden Nachfolger für seinen ehemaligen Super Bowl Quarterback Manning hat Elway einen Spielmacher-Verschleiß, der dem der Cleveland Browns nahe kommt.

Erst vergangenes Jahr stattete Denver, Case Keenum mit einem Zweijahresvertrag über 36 Millionen Dollar aus. Auf Keenums Bewerbungsschreiben stand gerade mal ein gutes Jahr bei den Minnesota Vikings. Diese Neuverpflichtung spiegelte sich in einer 6-10 Bilanz wieder.

Immerhin war es kein Spielmacher-Karussell wie die Saisons davor. Denn nach Mannings Rücktritt wechselten sich Brock Osweiler, Trevor Siemian und Paxton Lynch immer wieder ab. 

 

Alle drei Quarterbacks wählte Elway im Draft aus. In allen drei Spielzeiten verpassten die Broncos die Playoffs und nur einmal gewannen sie mehr Spiele, als sie verloren.

Flacco mit unterdurchschnittlichen Werten

Jetzt soll ein älterer, verletzungsanfälliger und in den vergangenen Jahren eher unterdurchschnittlicher Spielmacher die Broncos wieder auf den richtigen Pfad führen.

Denn das ist Flaccos Problem nach seit seinen Gala-Playoffs, die im Gewinn des Super Bowl XLVII gipfelten. Seine Statistiken sind unter dem Durchschnitt der Liga angesiedelt.

Seine Passgenauigkeit von 61,2 Prozent wurde nur von Blake Bortles und den drei Rookies, Sam Darnold, Josh Rosen und Josh Allen unterboten, sein Rating (84,2) von jenen vier und Keenum, bei den Yards pro Passversuch rangiert sogar nur auf dem drittletzten Platz.

Wenig Auswahl auf dem Quarterbackmarkt

Der Trade kostet die Broncos auch viel Geld. Flacco wird kommende Saison 18,5 Millionen Dollar verdienen. Zehn Millionen Dollar nimmt Keenum im Salary Cap ein, egal ob der Spielmacher in Denver bleibt oder nicht.

Damit wird auch unwahrscheinlich, dass das Team aus Colorado im diesjährigen Draft noch einmal zuschlägt. Zum einen ist die Quarterback-Klasse nicht überragend besetzt, zum anderen warten im kommenden Jahr eine größere Auswahl besserer Spieler.

Dass Elway den Trade durchzog, lag auch an der übersichtlichen Auswahl an aktuellen Spielmachern in der NFL. Durch das Tauschgeschäft sind ihm die Dienste Flaccos sicher, hätte er erst nach dessen Entlassung zugeschlagen, wäre auch eine Abfuhr denkbar.

Bei Nick Foles gelten die Jacksonville Jaguars, die New York Giants und die Washington Redskins weiterhin als heißeste Kandidaten. Alle drei Teams benötigen einen Quarterback, wobei die Giants wahrscheinlich noch eine Saison mit Eli Manning planen werden.

All das verspricht aber auch, dass der Flacco-Trade erst eine Kettenreaktion an Paukenschlägen auslösen könnte.

Michael Mayr

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